Kemler-Nachfolgerin

Martha Oberndorfer wird neue ÖBIB-Chefin

Die Regierung hat sich mit Martha Oberndorfer, Leiterin der Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA), die "Frau mit den meisten Schulden in Österreich", auf eine neue ÖBIB-Chefin geeinigt. Sie folgt Rudolf Kemler nach, der nach dem Abgang von OMV-Chef Gerhard Roiss seinen Hut nehmen muss. Ein Hintergrund.

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Oberndorfer wurde im Bewerbungsverfahren als bestgeeignete Kandidatin für den ÖBIB-Chefposten beurteilt, so das Finanzministerium. Oberndorfer sei eine "ausgewiesene Expertin mit Managementerfahrung im Bereich des Kapitalmarkts sowie des Schulden-und Liquiditätsmanagements. Mit ihrer fundierten Ausbildung, exzellenten Kenntnissen im Banken- und Finanzierungsbereich sowie ihrem vertieften Verständnis für staatsnahe Unternehmen verfügt sie über die besten Voraussetzungen, um die Wahrung der Eigentümerinteressen in den Beteiligungsgesellschaften sicherzustellen", teilte das Finanzressort mit. Oberndorfer werde die von der ÖBIB nominierten Aufsichtsratsmitglieder in den Beteiligungsgesellschaften "bestmöglich unterstützen".

"Ich werde oft als Frau mit den meisten Schulden in Österreich bezeichnet", sagte die künftige Chefin der Staatsholding ÖBIB, Martha Oberndorfer, über sich selbst in einem Interview. Als Geschäftsführerin der Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA) war sie vor ihrem Wechsel in die ÖBIB fast siebeneinhalb Jahre für das Management der 200 Milliarden Euro schweren Finanzschuld verantwortlich.

Erste Frau an der Spitze der ÖBFA

Die 53-Jährige gebürtige Kremserin hat in Linz Betriebswirtschaft und Wirtschaftspädagogik studiert und ein MBA-Studium in Toronto absolviert. Sie gilt in Finanzierungsfragen als "sehr kompetent" und "höchst versiert", ihr Führungsstil wird als "resch" und "einigermaßen dominant" beschrieben. "Für Geld habe ich mich schon als Kind interessiert", sagte Oberndorfer in einem Interview.

Ihre berufliche Karriere startete Oberndorfer 1992 in der Bank Gutmann. 1997 wechselte sie in die Kommunalkredit Austria, die jetzige KA Finanz AG, und 2006 in die Bundespensionskasse. 2007 arbeitete sie beim Vermögens- und Unternehmensberater Trans Europe Financials (jetzt: Souveraen Consult). Von hier aus schaffte Oberndorfer im Februar 2008 unter ÖVP-Finanzminister Wilhelm Molterer als erste Frau den Sprung an die Spitze der ÖBFA.

Oberndorfer hatte in der Bundesfinanzagentur kein leichtes Erbe anzutreten, denn die Agentur musste sich gerade erst von den dreistelligen Spekulationsverlusten erholen, die ihr ihre Vorgänger eingebrockt hatten. Daraufhin wurde für die ÖBFA ein strenges neues Regelwerk geschaffen.

Bereits vor ihrer jetzigen Berufung zur Nachfolgerin des bisherigen ÖBIB-Chefs Rudolf Kemler wurde Oberndorfer für alle möglichen Spitzenjobs gehandelt. So wurde sie bereits 2012 als potenzielle neue Vizegouverneurin der Nationalbank (OeNB) gehandelt, 2013 dann als Co-Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA).

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"Im Umgang mit Ratingagentur genial"

Die Finanzagentur hat unter der Ägide von Oberndorfer 2012 erstmals eine Bundesanleihe mit 50-jähriger Laufzeit auf den Kapitalmarkt gebracht. Allerdings musste sie im selben Jahr auch den Verlust des Triple-A-Ratings durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) verkraften. Im Umgang mit Ratingagenturen sei Oberndorfer "genial", loben Insider. Im März dieses Jahres gelang es der ÖBFA, erstmals eine Bundesanleihe mit negativer Rendite zu begeben.

Auch im Zusammenhang drohenden Liquiditätsproblemen des Landes Kärnten - hervorgerufen durch die notverstaatlichte Kärntner Hypo/Heta - zeigte Oberndorfer Strenge: Sie verweigerte im Vorjahr Kärnten die Aufnahme eines neuen 100 Millionen Euro Kredits über die ÖBFA und bestand auf einer Aufforderung durch den damaligen Finanzministers Michael Spindelegger. Erst in der vergangenen Woche segnete das klamme Land dann doch noch einen Finanzierungsrahmenvertrag mit der ÖBFA ab.
 

Oberndorfers Nachfolge in der Bundesfinanzierungsagentur wird interimistisch von Markus Stix wahrgenommen, dieser ist derzeit Prokurist bei der OeBFA. Der freigewordene Chefposten soll "ehestmöglich" ausgeschrieben werden.

Aus ÖIAG wurde ÖBIB

Die Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH (ÖBIB) ist die Nachfolgefirma der Staatsholding ÖIAG und wird bis dato von Kemler geleitet. Kemler war von 2012 an Chef der ÖIAG und wurde interimistisch auch zum Geschäftsführer der im März geschaffenen ÖBIB bestellt. Nach Turbulenzen in der Staatsholding wurde sein Vertrag jedoch im Vorjahr von 2017 auf den 31. Oktober 2015 verkürzt. Er muss nach dem pannenreichen Abgang von OMV-Chef Gerhard Roiss ebenfalls gehen. 

Mit der Umwandlung der ÖIAG in die ÖBIB wollte die Regierung die Staatsholding, die Anteile an der OMV, der Post und der Telekom Austria verwaltet, repolitisieren. Der sich selbst erneuernde Aufsichtsrat der ÖIAG war als eine Art Insiderclub von Papier- und Auto-Industriellen kritisiert worden. Aber auch die Repolitisierung der Staatsholding ist Anlass für Kritik, die Industrie zum Beispiel hatte zu Jahresbeginn vor parteipolitischen Begehrlichkeiten gewarnt. Für den scheidenden OMV-Chef Gerhard Roiss, der nach einer langen Schlammschlacht Ende Juni seinen Sessel räumen muss, ist die ÖBIB in ihrer jetzigen Form ein "Ding der Unmöglichkeit", wie er Anfang Mai in einem Interview sagte. "Ein Aufsichtsrat soll aus Experten bestehen, die auch die Zeit haben, sich der Aufgabe zu widmen."

An der Spitze der Staatsholding ÖBIB wird Oberndorfer u. a. für teilstaatlichen Konzerne OMV, die Telekom Austria, die Post sowie die Casinos Austria zuständig sein. Finanzminister Hans Jörg Schelling will den staatlichen Anteil an dem Glücksspielkonzern aufstocken, um ihn später - nach Möglichkeit teurer - weiterzuverkaufen. Schelling hat aber einige Konkurrenten aus der Privatwirtschaft, die ebenfalls bei den Casinos einsteigen wollen und den Preis entsprechend treiben. Der Staat respektive Steuerzahler müsste für den Glücksspielkonzern geschätzte 400 bis 800 Mio. Euro in die Hand nehmen. Die Tatsache, dass das Finanzministerium einerseits für die Regulierung und die Konzessionen im Glücksspielsektor zuständig ist und gleichzeitig Eigentümer der Casinos und der mehrheitlich dazugehörenden Lotterien sein soll, wird von Juristen als bedenklich gesehen. (apa)