Automobilindustrie

Magna-Boss Apfalter will „Dieselhysterie“ beenden

Die Endkonsumenten würden Kaufentscheidungen zurückstellen, eine weitere Verunsicherung schade der ganzen Wirtschaft, sagt der Magna Europa-Chef.

Die Auslastung in Europas größtem Magna-Werk in Graz brummt, auch dank der Einführung des Jaguar I-Pace-Programms 2018, dem ersten vollelektrischen Fahrzeug der legendären Automarke, das bei Magna Steyr in Graz zusammengebaut wird. Doch einen raschen Siegeszug der Stromer erwartet Magna Europa-Boss Günther Apfalter nicht: „Wir gehen 2030 von einem Anteil der Verbrennungsmotoren von 16 bis 21 Prozent aus. Reine E-Fahrzeuge werden hingegen nur einen Marktanteil von neun bis 17 Prozent haben. Der Rest entfällt auf Hybridfahrzeuge“, sagt Apfalter. Magna dürfte im Bereich der Elektromobililität weiterhin eher konservativ agieren, schon um die bestehenden Kunden nicht zu verprellen. „Wir stellen die Produkte her, die von unseren Kunden gewünscht werden“, sagt der Präsident von Magna International Europe und Magna Steyr. Derzeit stehe Magna aber natürlich mit Autokonzernen in Kontakt, um nach dem Jaguar I-Pace weitere Elektroautos zu bauen.

Jaguar, Jaguar, I-Pace, Jaguar, Land, Rover, Magna, Magna, Steyr, Elektroauto © Jaguar / Nick Dimbleby

Der erste Stromer der Nobelmarke Jaguar, der I-Pace, wird bei Magna in Graz gefertigt. 

„Verunsicherung trifft uns“

Die von der Politik mitbefeuerte Hysterie der Autobranche ärgert den Zulieferer Magna zusehends: „Es wäre gut, beim Umgang mit dem Diesel politisch und wirtschaftlich wieder mit Augenmaß vorzugehen“, sagt Apfalter. Europa müsse genauso wie die USA und China die Verunsicherung der Autokäufer beenden. „Die Verunsicherung fängt beim Diesel an, geht über E-Autos bis hin zu Protektionismus und Brexit. Manche Kunden stellen daher ihre Kaufentscheidung zurück. Das trifft uns natürlich“, erklärt Apfalter. Und, fügt er hinzu, das treffe nicht nur Zulieferer, sondern die gesamte Wirtschaft.

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Die Erlöse bei Magna Steyr in Graz – dem einzigen Standort weltweit, an dem der Konzern komplette Fahrzeuge zusammenbaut – haben im letzten Quartal kräftig um 268 Mio. auf 1,93 Mrd. Dollar (1,72 Mrd. Euro) zugelegt, wie aus der Quartalsbilanz des Magna-Konzerns hervorgeht. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) dieses Bereichs verbesserte sich binnen Jahresfrist deutlich von 19 auf 28 Mio. Dollar, die EBIT- Marge erreichte 1,5 (1,1) Prozent.

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