Autoindustrie

Löhne bei Opel: PSA-Chef Tavares nennt Wien als Vorbild

Bei Verhandlungen um Löhne und die Zukunft der deutschen Standorte von Opel sind die Fronten weiter verhärtet. Mitarbeiter befürchten die Schließung des Werks in Eisenach. PSA-Konzernchef Tavares verweist darauf, dass man sich anderswo schon einig sei.

Standort Aspern.

Der Chef des französischen Opel-Mutterkonzerns PSA, Carlos Tavares, erwartet keinen schnellen Abschluss der Sanierungsverhandlungen für die deutschen Opel-Werke. "Das wird noch einige Wochen dauern", sagte der Manager beim Aktionärstreffen des Autokonzerns in der Nähe von Paris. "Seien Sie nicht überrascht, das wird noch etwas Lärm machen", meinte Tavares. "Seien Sie nicht erstaunt. Das ist ein Teil dessen, was man machen muss, um dieses Unternehmen wieder auf die Schienen zu bringen."

Tavares verwies dabei auch auf den Standort in Wien-Aspern sowie auf die Werke in Großbritannien, Polen, Spanien und Ungarn: Hier gebe es bereits Vereinbarungen mit den Sozialpartnern.

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Der Konzernchef sagte, die Fixkosten bei Opel seien bereits um 17 Prozent gesunken. Er zog vor den Anteilseignern eine insgesamt positive Bilanz der Übernahme: "Wir sind überhaupt nicht enttäuscht." Er betonte die Bedeutung des Opel-Managements für die Umsetzung des Sanierungsplans.

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Opel, Aspern, Wien, PSA, Peugeot, Citroen, Motor, Motoren, Auto © Opel / Walter Henisch

Im Bild: Das Motorenwerk von Opel in Wien-Aspern.

Harte Fronten bei Verhandlungen an deuschen Standorten

Die Sanierungsgespräche für die deutschen Opel-Werke waren bisher ohne Ergebnis geblieben. Die deutsche Gewerkschaft IG Metall hatte PSA Erpressung vorgeworfen und einen detaillierten Unternehmensplan gefordert. Der Konzern, zu dem auch die Marken Peugeot, Citroen und DS gehören, hatte Opel im vergangenen Sommer übernommen.

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Proteste in Eisenach

Vor dem Thüringer Opel-Standort Eisenach protestierten am Dienstag Beschäftigte, Metaller sowie Landespolitiker gegen drohenden Stellenabbau. Nach Angaben der IG Metall ist bisher nur die Produktion eines großen Geländewagens mit einer Jahresstückzahl von unter 100.000 Fahrzeugen für Eisenach im Gespräch.

Damit hätten nur knapp 1.000 der derzeit 1.800 Beschäftigten eine Perspektive, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) rief Unternehmens- und Arbeitnehmervertreter zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Konzernchef Lohscheller betont Investitionsbereitschaft

Michael Lohscheller, der Konzernchef von Opel, hat diese Woche die Investitionsbereitschaft des Unternehmens an den deutschen Standorten beteuert - auch für Eisenach.

Das Beispiel Eisenach zeige, dass die Pläne bereits auf dem Tisch lägen, so der Manager in einer Botschaft an die 18.000 Mitarbeiter in den deutschen Werken. Die Pläne könnten aber noch nicht umgesetzt werden, weil das notwendige Niveau der Wettbewerbsfähigkeit noch nicht erreicht sei.

Die Pläne für Eisenach stellten sogar eine Verbesserung des bestehenden Tarifvertrages dar, führte Lohscheller im Gegensatz zu Aussagen der IG Metall erneut aus. Bereits im ersten Halbjahr 2019 könne die Produktion eines neuen Fahrzeugs beginnen, das ab 2020 auch in einer Elektro-Hybridversion herzustellen wäre. Berichte über mögliche Schließungen der Werke Eisenach und Kaiserslautern nach gescheiterten Verhandlungen bezeichnete der Opel-Chef als "Horror-Szenarien".

Betriebsrat wirft Franzosen Kahlschlag in Deutschland vor

Dagegen werfen Opels Betriebsrat und die IG Metall der neuen Muttergesellschaft nach gut einem halben Jahr ergebnisloser Verhandlungen vor, mit einem Kahlschlag vor allem in Deutschland die Marke mit dem Blitz zu gefährden. Laut Gewerkschaften steht in Deutschland vor allem das kleinste Werk, Eisenach, auf der Kippe. Mehr dazu: Opel: Werk Eisenach muss weiter auf dringende Investitionen warten >>

Opel und Vauxhall bescheren PSA satten Umsatzsprung

PSA setzte im ersten Quartal dieses Jahres insgesamt 1,05 Millionen Fahrzeuge ab. Im Gesamtjahr könnte erstmals die Marke von vier Millionen Fahrzeugen übersprungen werden, kündigte Tavares an.

Im ersten Quartal ist der Konzernumsatz von PSA damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 42 Prozent auf rund 18,2 Mrd. Euro gestiegen. Auf Opel, zu dem auch die britische Schwestermarke Vauxhall gehört, entfiel dabei ein Umsatzanteil von 4,84 Mrd. Euro.

Als Teil von PSA verkauften Opel und Vauxhall in den ersten drei Monaten exakt 274.679 Autos. Das waren rund 40.000 Stück weniger als der Vorbesitzer General Motors vor einem Jahr berichtet hatte (315.000 Stück). Zudem stehen 219.000 Fahrzeuge der im August zugekauften Marken unverkauft auf den Höfen des Herstellers oder seiner Händler. Nach wie vor verkauft Opel/Vauxhall seine Autos nahezu ausschließlich in Europa - dies ist die einzige Region, für die PSA heuer kein Wachstum erwartet.

Tavares bekommt Millionenbonus - wegen Opel

Die Hauptversammlung stimmte unter anderem der Entlohnung von Tavares für das vergangene Jahr zu. Dazu gehört auch eine Sonderzahlung von einer Million Euro wegen der Opel-Übernahme. Laut eines Dokuments kommt Tavares für 2017 auf ein Jahresgehalt - einschließlich Aktien - von 6,7 Mio. Euro, 2 Millionen mehr als 2016. An PSA sind unter anderen die Familie Peugeot, der chinesische Hersteller Dongfeng und der französische Staat beteiligt.

PSA brauchte vor wenigen Jahren selbst Kapitalhilfen

Nachdem PSA 2014 selbst noch mit Kapitalspritzen gestützt werden musste, legt das Unternehmen inzwischen Rekordrenditen vor.

Konzernchef Carlos Tavares setzte dafür in Frankreich und auch Großbritannien harte Einsparungen durch und will nun auch die deutschen Werke auf Kurs bringen. So pocht er auf Lohnverzicht der Beschäftigten, um die Arbeitkosten in Deutschland auf das niedrigere Niveau des Gesamtkonzerns zu drücken.

(dpa/reuters/apa/red)

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Eine Grafik zu allen Standorten von Opel in Europa.

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