Industriegase

Linde erwartet trotz Corona einen Milliardengewinn

Der weltgrößte Industriegasekonzern Linde trotzt der Coronapandemie und erwartet für heuer einen Gewinn von 4,3 Milliarden Dollar. Der Konzern entstand aus dem deutschen Unternehmen Linde und dem amerikanischen Wettbewerber Praxair und hat seinen Sitz in der Nähe von London.

Der weltgrößte Industriegasekonzern Linde trotzt der Coronapandemie. Wie zu Beginn der weltweiten Krise erwartet das amerikanisch-deutsche Unternehmen heuer einen Gewinnsprung um mindestens 10 Prozent, obwohl die Umsätze auch im dritten Quartal unter dem Vorjahreswert lagen. "Es gibt viel Unsicherheit in unserem Umfeld, aber ich vertraue der Konjunktur zum Trotz unserem Geschäftsmodell und unserer Leistungskultur", erklärte Vorstandschef Steve Angel.

Die aus der deutschen Linde AG und dem US-Rivalen Praxair entstandene Firma mit Sitz in Guildford bei London schraubte die Gewinnprognose zum zweiten Mal in drei Monaten nach oben, auf 8,05 bis 8,10 (bisher 7,60 bis 7,80; Vorjahr: 7,34) Dollar je Aktie. Das entspräche einem Nettogewinn von rund 4,3 Milliarden Dollar (3,7 Mrd. Euro). Analysten hatten nach Refinitiv-Daten bisher für 2020 im Schnitt mit 7,79 Dollar je Aktie gerechnet.

Im dritten Quartal stieg der Gewinn um 8 Prozent auf 1,14 Mrd. Dollar; Analysten hatten Linde nur 1,05 Mrd. Dollar zugetraut, und auch das Unternehmen selbst hatte nicht so viel in Aussicht gestellt. Das trieb die Aktie in Frankfurt um 3,7 Prozent auf 209,50 Euro. Mit einem Börsenwert von 105 Mrd. Euro ist die Linde plc seit der Fusion eines der größten Schwergewichte im Leitindex DAX. Noch im Mai hatte Angel unter dem Eindruck der Pandemie einen Gewinnrückgang befürchtet und die Prognose zurückgeschraubt, doch schon im Sommer war Linde optimistischer geworden.

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Im dritten Quartal lag der Umsatz mit knapp 6,9 Mrd. Dollar um 2 Prozent unter Vorjahr, aber klar über den Prognosen der Experten. Einen vor allem Wechselkurseffekten geschuldeten Umsatzrückgang in Amerika, dem größten Markt für Industriegase, machte Linde in Asien und mit der deutschen Anlagenbau-Sparte teilweise wett. Höhere Preise und ein günstigerer Umsatzmix glichen den Absatzrückgang aus. Gase für den Gesundheitssektor - etwa Sauerstoff zur Beatmung - und für die Elektronikbranche waren stärker gefragt. Beim größten Rivalen Air Liquide waren die Umsätze im dritten Quartal um fast 9 Prozent geschrumpft.

Den Gewinnanstieg führte Linde auf Preis- und Produktivitäts-Effekte zurück, die die Margen verbessert hätten. Die Investitionen werden heuer weiter auf maximal 3,2 (bisher 3,4) Mrd. Dollar gekürzt. Schon im Frühjahr waren die Budgets zusammengestrichen worden. (reuters/apa/red)