Wasserstoff-Produktion

Kontroverse: Deutschland schwenkt auf CO2-Speicher in Norwegen um

Nach heftigem Widerstand an Plänen einer CO2-Speicherung auf deutschem Boden kann sich das deutsche Wirtschaftsministerium nun vorstellen, im Zuge des Ausbaus der Wasserstoff-Produktion Norwegens Speicher für das Klimagas CO2 zu nutzen.

Wasserstoff werde im industriellen Maßstab zunächst nicht allein aus Wind- oder Sonnenstrom produziert werden können, sagte Abteilungsleiter Thorsten Herdan am Freitag in Berlin.

Als sogenannten grünen Wasserstoff bezeichne er aber auch mit Hilfe fossiler Brennstoffe erzeugtes Gas, wenn das freiwerdende CO2 gespeichert werde. "Stichwort Norwegen, wo die alten Gasfelder genutzt werden könnten", ergänzte er. Ausgeschöpfte Erdgas-Felder werden von Experten als geeignete Speicher für CO2 angesehen. Das sogenannte Carbon Capture and Storage (CCS) war in Deutschland jedoch auf heftigen Widerstand von Bürgerinitiativen gestoßen, so dass die Regierung von dem Vorhaben abgerückt war. 

Denkbar wäre eine Wasserstoffproduktion in Norwegen, wenn das CO2 dann dort gespeichert wird und der Wasserstoff nach Deutschland importiert wird. Im Klimapaket des Bundes war CCS nach Jahren erstmals wieder als Option genannt worden. Würde CO2 aus der Wasserstoff-Produktion in Norwegen gespeichert, würde dies auch die Debatte für Industrieunternehmen öffnen. Sie könnten ihr CO2 dorthin bringen und so als "grün" gelten. 

Hintergrund des Vorstoßes ist die geplante deutsche Wasserstoffstrategie, die derzeit - unter Ägide des Wirtschaftsministeriums - unter den deutschen Ministerien abgestimmt wird. Hier wird mit Widerstand vor allem des Umweltressorts gerechnet. 

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Das Konzept des Wirtschaftsressorts sieht vor, dass rund ein Fünftel des benötigten Wasserstoffes im Jahr 2030 mit Strom aus Wind, Wasser und Sonne erzeugt wird. Um den Wasserstoff im Verkehr zum Durchbruch zu verhelfen, ist eine verschärfte Quote für CO2-freie Kraftstoffe vorgesehen. Diese soll bis 2030 bei 20 Prozent liegen und somit höher als von der EU vorgesehen. Unbestimmt bleibt das Konzept bei einem Knackpunkt für die Wasserstoff-Erzeugung aus Strom, die derzeit noch als zu teuer gilt: Man wolle prüfen, ob man staatliche Abgaben hier reformieren könne. 

Während bei Pkw der direkte elektrische Antrieb favorisiert wird, fehlen noch klimafreundliche Lösungen für Schwerlaster, die Schifffahrt sowie Chemie- und Stahlindustrie. Hier werden große Hoffnungen auf Wasserstoff gesetzt, der mit Hilfe erneuerbarer Energien über Elektrolyse hergestellt wird. (APA/red)

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