Anger Machining

Getriebe für die Nobelmarke

Für ausländische Maschinenbauer war in Japan lange nichts zu holen. Jetzt zog der oberösterreichische Hersteller Anger einen Auftrag der Nissan-Tochter Jatco an Land.

Von
Maschinenbau Anger Machining Dietmar Bahn

Dietmar Bahn, Chef des Maschinenbauers Anger, entert mit Transferzentren den japanischen Zuliefermarkt: „Denken im zweiten Schritt über eine ‚Japanisierung‘ der Maschinen nach."

Die Nissan-Getriebetochter Jatco – nach Aisin AW einer der großen Hersteller – wird auf den zwei bis Sommer 2015 ausgelieferten Transferzentren der Baureihe HCX 9-Gang-Automatikgetriebe für die Nissan-Nobelmarke Infiniti fertigen – Fokus: ebenfalls USA. Eine gute Technologie ist aber zu wenig, um es in die Lieferkette japanischer Automobilisten oder Zulieferer zu schaffen. Oder nur daran denken zu dürfen: „Drei oder vier Termine sind schon nötig, um überhaupt einmal ein Angebot legen zu dürfen“, berichtet Anger-Machining-Chef Dietmar Bahn.

Japan sei ein „extrem verschlossener Markt“, bestätigt ein oberösterreichischer Maschinenbauer. Ein Faktum, dem Lieferanten Tribut zollen. „Mit den Japanern kommen europäische Firmen seit Jahrzehnten nicht zurecht“, meint ein Maschinenhändler. Weil sie nicht verstehen, wie „Japaner reden, rechnen, denken“. Und dann ist da noch die etablierte lokale Maschinenbaukonkurrenz. Hersteller wie Enshu, Jtekt oder Makino sind die heimischen Topadressen in der japanischen Autozulieferindustrie – „mit lokaler Macht ausgestattete Firmen, die in Ausschreibungen nur extrem schwer zu schlagen sind“, meint ein Verbandsexperte.

Erfahrener Standortleiter

Den beiden Anger-Chefs Dietmar Bahn und Klaus Dirnberger gelang es trotzdem. Mit Shizuo Kakiuchi, dem Topmann in der Anger Machining-Japan-Niederlassung, bewiesen sie den richtigen Riecher. Als alter Maschinenbauprofi ist der energetische Mittsiebziger von der Technologie der Trauner derart begeistert, dass er sogleich sein Netzwerk öffnete, um einem Ziel entgegenzuarbeiten: die Anger-Technologie in Japan zu etablieren. Auch riss den Oberösterreichern nicht der Geduldsfaden, als es darum ging, den Verhandlungsmarathon auf japanischem Boden über Wochen – mit der Hilfe von Profidolmetschern – zu überstehen. „Der Kunde inspizierte unseren Standort in Traun und nahm auch ein Transferzentrum bei einem Referenzkunden in den USA unter die Lupe“, berichtet Dietmar Bahn. Letztlich mitentscheidend, dass der Deal über die Bühne ging: Das Flaggezeigen am japanischen Markt. „Die Gründung der Vertriebsniederlassung wurde als enormer Vertrauensbeweis empfunden“, glaubt Bahn.

Vertrauensvorschuss

Der Deal könnte für Anger Machining jedenfalls der erhoffte Türöffner für weitere Projekte in Japan sein. Weltweit produzieren die Japaner rund 24,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr – sie dominieren damit ein Drittel des globalen Fahrzeug- und Zuliefermarkts. Traumhafte Zustände für einen Lieferanten, der es in diesen Machtzirkel geschafft hat. Die Anger-Spitze will Japan nun als strategischen Markt konsequent ausbauen – „ich denke, dass wir mit einer standardisierten Maschine richtig großes Absatzpotenzial haben“, gibt er zu Protokoll. Bahn denkt über eine „Japanisierung“ der Maschinen nach, auch wenn diese erst in einem zweiten Schritt käme. Seine Überlegung: Die Maschinen künftig in Japan zu assemblieren und in Sachen Steuerungen (derzeit: Siemens-Steuerung) und Komponenten „stärker an japanische Bedürfnisse anzupassen“. Die ganze Aufmerksamkeit der Anger-Chefs liegt vorerst aber beim Jatco-Auftrag. „Das Projekt muss top pfeifen“, weiß Bahn. Eine Aussage, bei der man nicht zwischen den Zeilen lesen muss.

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