Elektroautos

Kobalt aus dem Kongo: Kinderarbeit für schöne neue Elektroautos

Elektroautos brauchen enorme Mengen schwer zu beschaffender Rohstoffe - zum Beispiel Kobalt. Heute kommt ein Großteil des Materials aus dem Kongo. In lokalen afrikanischen Firmen ist Kinderarbeit alles andere als selten.

Über die dunklen Schattenseiten der leisen Flitzer sprechen Anhänger der Elektromobilität sehr ungern: Den riesigen Bedarf an problematischen Rohstoffen - und den enormen Bezug von Strom aus Kohle und Atomkraftwerken, der in einem gewöhnlichen Energiemix vorherrscht.

Der deutsche Autobauer BMW will den Kongo langfristig als Bezugsquelle für Kobalt als wichtigen Rohstoff für den Bau von Elektroauto-Batterien erschließen. Das soll mit gemeinsam mit großen Firmen, aber auch einer Entwicklungshilfeorganisation klappen.

Zusammen mit dem Chemiekonzern BASF und dem Batteriehersteller Samsung SDI hat BMW die Entwicklungshilfeorganisation GIZ beauftragt, anhand einer Pilotmine zu erproben, wie sich die Arbeits- und Lebensbedingungen im Kleinstbergbau in dem zentralafrikanischen Land verbessern lassen.

BMW: Nur unter Bedingungen, "die anders sind als heute"

Bisher kommt der Kongo wegen Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit für BMW dafür nicht infrage. Da in der Demokratischen Republik Kongo aber die weltweit größten Kobalt-Reserven liegen, suchen die Konzerne nach Wegen, die Lage in dem Land zu verbessern.

White Paper zum Thema

"Wenn wir jemals dort Kobalt kaufen wollen, ist das nur möglich, wenn die Bedingungen anders sind als heute", sagte ein Sprecher. Kobalt ist neben Lithium ein Schlüsselelement für die Produktion von Batterien für die Auto- und Elektronikindustrie.

Aus der Branche:
Neue Gigafactory: Michael Tojners Varta bringt sich in Stellung >> 
Model 3: Elon Musk spricht über "ernsthafte Todesgefahr" für Tesla >>  
IEA: Erdölverbrauch nimmt weiter zu - Elektroautos sind nicht die Lösung >>

Afrikanische Firmen setzen auch Kinder ein

Der Abbau im Kongo wird zu 80 bis 85 Prozent von ausländischen Konzernen beherrscht, die das Metall industriell fördern. Rund um diese Anlagen graben jedoch Familien oder kleine Kooperationen unter oft lebensgefährlichen Bedingungen in kleineren Minen. Dabei werden auch Kinder eingesetzt.

"Die größte Herausforderung ist es, die Einhaltung von Menschenrechten, Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsstandards beim nicht-industriellen Abbau von Kobalt sicherzustellen", erklärte BMW. Wenn das Projekt über einen Zeitraum von drei Jahren erfolgreich ist, könnte es auf weitere Minen übertragen werden.

Enormer Rohstoffhunger wegen Elektroautos
Bisher beziehen Autobauer wie BMW Kobalt meist aus Nordafrika, Südamerika und Australien. Mit dem weltweiten Ausbau der Elektromobilität wird immer mehr davon benötigt. (reuters/apa/red)

Verwandte tecfindr-Einträge