Klimawandel

Klimawandel: Wenig Wasser im Rhein bremst die Industrie

Das seit Monaten anhaltende Niedrigwasser im Rhein macht der Industrie zunehmend zu schaffen - auch Österreich ist betroffen.

Das seit Monaten anhaltende Niedrigwasser im Rhein macht der Industrie zunehmend zu schaffen - und eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Der Regen der vergangenen Tage habe nichts bewirkt, erklärte der Außenbeamte des Kölner Wasser- und Schifffahrtsamtes, Markus Neumann. "Die Pegelstände am Rhein stagnieren."

Zwischen Bonn und Düsseldorf gebe es derzeit eine Fahrrinne von 150 Metern Breite und bei Köln eine Tiefe von noch 2,14 Metern. Damit sei die Schifffahrt für Frachter mit Tiefgang stark eingeschränkt. In der Nacht lief ein Tanker in Köln auf Grund, konnte aber wieder freigeschleppt werden. Der Chemieriese BASF, für den der Rhein ein wichtiger Transportweg ist, will sich auf künftige Niedrigwasserperioden rüsten und prüft den Kauf einer Flotte von Flachbootschiffen.

Auch Österreichs Industrie betroffen

Seit Juni schränken die niedrigen Pegelstände am Rhein die Schifffahrt ein. Herkömmliche Binnenschiffe können nicht mehr voll beladen werden. Auch die Industrie in Österreich ist betroffen:

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Die großen deutschen Industriekonzerne wie ThyssenKrupp, ArcelorMittal oder BASF mussten deshalb schon ihre Produktion kürzen. Der Chemiekonzern kann nur etwa knapp ein Drittel der Gütermenge über Alternativen wie Lkw, Bahn oder Pipelines transportieren. Die Kosten dafür und die Produktionsverluste belasteten BASF im dritten Quartal mit rund 50 Millionen Euro. "Diese Situation stellt BASF vor enorme logistische Herausforderungen", hieß es in einer Mitteilung.

Auch Kraftstoffe können nur noch eingeschränkt über den Rhein transportiert werden. Das trieb die Preise für Benzin und Heizöl in die Höhe, einzelne Tankstellen meldeten deshalb schon Nachschubprobleme. Auch die Mineralölindustrie stieg zum Teil auf die Straße oder die Schiene um, doch für die Menge von rund 2.000 Tonnen Treibstoff, die ein Binnentanker transportieren kann, braucht man 100 Lkw oder 40 Kesselwagen. Deshalb hat das deutsche Verkehrsministerium die dafür zuständigen Bundesländer auch schon gebeten, dass Sonntagsfahrverbot für Lkw für den Kraftstoff-Transport aufzuheben. Im November wurde das Sonn- und Feiertagsverbot nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbands bisher an zwei Tagen aufgehoben.

Der Energiekonzern EnBW senkte am Montag unter anderem wegen des Niedrigwassers seine Jahresprognose für die Ökostromsparte, weil weniger Wasser die Laufwasserkraftwerke antreibt und weniger Strom produziert wird. Der RWE-Tochter Innogy macht dies ebenfalls zu schaffen, auch wenn die Prognose noch bestehen bleibt. "Nichtsdestotrotz hätten wir uns mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr bessere Witterungsbedingungen gewünscht", erklärte Innogy-Finanzchef Bernhard Günther.

Insgesamt hofft man, dass der trockene Sommer heuer eine Ausnahme war, doch die Unternehmen denken auch grundsätzlich nach. "BASF hat ein Paket geschnürt, um den Standort langfristig widerstandsfähiger gegen solche Niedrigwasserereignisse zu machen", teilte der Konzern auf Anfrage mit. Deshalb prüfe man den Kauf von Flachbootschiffen, die bei niedrigeren Pegelständen fahren könnten. Diskutiert werde sogar der Einsatz von Tragflächenbooten oder die Möglichkeit einer Pipeline im Flussbett des Rheins. Zu den Maßnahmen gehörten zudem der Ausbau von Lagerkapazität am Standort sowie eine genauere Datenanalyse, um Niedrigwasser besser vorhersagen zu können.

Entspannter gab sich Lanxess-Vorstandschef Matthias Zachert. Vor zwei Wochen sei die Lage angespannt gewesen, aber der Spezialchemiekonzern habe alles getan, um Transporte von Rohstoffen und Waren auf die Straße und auf die Schiene zu verlagern. "Alles in allem konnten wir die Situation entschärfen", sagte er am Montag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Zum Glück habe es am vergangenen Wochenende heftig geregnet. "Ich war draußen und bin total nass geworden. Der Pegel des Rheins geht nun in die richtige Richtung." (reuters/apa/red)

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