Randbemerkungen

"Kiffender Kollege als Visionär": Joe Kaeser teilt aus

Der Konzernchef von Siemens auf Twitter: "Wenn ein deutscher Vorstands-Chef proaktiv sein Unternehmen auf die Zukunft ausrichtet, gilt er als 'pathetisch' oder 'philosophisch'. Wenn ein kiffender Kollege in USA von Peterchens Mondfahrt spricht, ist er ein bestaunter Visionär".

Eine Meldung von Siemens-Chef Joe Kaeser auf dem Kurznachrichtigendienst Twitter sorgt für Unruhe im Internet und in der medialen Öffentlichkeit.

Der betreffende Tweet

Ende vergangener Woche hatte Kaeser getwittert: "Wenn ein deutscher Vorstands-Chef proaktiv sein Unternehmen auf die Zukunft ausrichtet, gilt er als 'pathetisch' oder 'philosophisch'. Wenn ein kiffender Kollege in USA von Peterchens Mondfahrt spricht, ist er ein bestaunter Visionär".

In den Reaktionen im Internet wird das als Verweis auf Tesla-Chef Elon Musk interpretiert. Denn die Andeutungen Kaesers sind keineswegs erfunden: Vor einem Jahr hatte Musk in einer Veranstaltung Marihuana geraucht und Whiskey getrunken. Diese Veranstaltung wurde im Internet übertragen. Es ist ebenfalls kein Geheimnis, dass Musk, der auch das Raumfahrtunternehmen SpaceX betreibt, seit Jahren von den Finanzmärkten als Visionär gefeiert wird.

Zu der genannten Veranstaltung:
Elon Musk bleibt auch nach dem Chaosjahr 2018 massiv unter Druck >>

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Zwei pikante Details am Rande

Zwei pikante Details am Rande: Erstens ist der kalifornische Elektroautobauer Tesla ein großer Kunde von Siemens. Zweitens hat Roland Busch, Kaesers Stellvertreter und designierter Nachfolger, sich jüngst mit Musk getroffen und ihn auf Twitter als "wahren Visionär unserer Zeit" bezeichnet.

Kaesers Wortmeldung betrifft daher indirekt beide. Doch kantige Ansagen mit einer klaren Position sind in der heutigen glattgebügelten Welt der politischen Korrektheit äußerst unerwünscht - und werden in den sozialen Medien hysterisch hochgespielt. So auch Kaesers kritische Anmerkung zu so manchem vermeintlichen Visionär.

Nun sieht sich der Konzernchef offenbar nach seinem Sager auf Twitter zu einer Klarstellung gezwungen. "Wer wird denn da gleich so wild spekulieren oder gar konstruieren? Hier geht es doch hier GAR NICHT um Herrn Busch und/oder Herrn Musk", so Kaeser dieses Wochenende in einer Diskussion mit einem Journalisten (Schreibweise wie im Original). Es gehe vielmehr darum, wie in Deutschland miteinander umgegangen werde und deutsche Unternehmen deshalb in den Bedeutungsverlust steuerten.

Siemens als Unternehmen wollte sich zum Thema nicht äußern. Kaesers Vertrag läuft bis Januar 2021. Eine Entscheidung über den Zeitpunkt eines Führungswechsels soll im Sommer fallen. Bis dahin soll Busch in seine neue Position hineinwachsen.

(red mit Material von Reuters/APA)

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