Elektroindustrie

Kampf um Osram: Ergebnis kommt später - Aussichten für AMS unklar

Die Frist für das Aktienangebot ist ausgelaufen - trotzdem steht nicht fest, ob der steirische Chiphersteller die Übernahme des deutschen Industriekonzerns Osram geschafft hat. Die Bearbeitung aller Angebote werde nun dauern, so eine Sprecherin. AMS hat zuletzt noch ein riesiges Paket gefehlt.

Ob der steirische Sensor- und Chiphersteller AMS die Übernahme des deutschen Leuchtenherstellers Osram geschafft hat, wird wohl erst am Freitag fix feststehen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch endete die Aktien-Angebotsfrist.

"Aufgrund von Clearing-Verfahren kann die Bearbeitung aller Angebote bis zu 48 Stunden dauern. Wegen eines Feiertags in Deutschland am Donnerstag wird das Endergebnis vielleicht erst am Freitag, den 4. Oktober, bekannt sein", sagte AMS-Sprecherin Amy Flecher zur APA.

Osram ist drei Mal größer als AMS

Für AMS waren die Aussichten auf die geplante 4,5 Mrd. Euro schwere Übernahme von Osram bis zur letzten Minute unklar. Um auf die geforderten 62,5 Prozent der Osram-Aktien zu kommen, müssten noch viele Anteilseigner ihre Papiere AMS andienen, erklärte AMS wenige Stunden vor dem Ende der Frist am Dienstag.

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Bis Montagabend hatten nur knapp zehn Prozent der Osram-Aktionäre ihre Anteilsscheine eingereicht. Dabei half AMS selbst nach, um über die Schwelle zu kommen. Am Dienstag kauften sie über die Börse weitere fünf Prozent an Osram und hielten damit zuletzt rund 20 Prozent der Anteile am deutschen Industriekonzern. Zuletzt dazu: Kampf um Osram: AMS hat jetzt Zugriff auf 25 Prozent der Aktien >>

AMS behält trotz allem ein Faustpfand in der Hand

Der Traditionskonzern Osram ist dreimal größer als der steirische Hersteller AMS, wie eine Grafik am Ende dieses Artikels zeigt.

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Doch mit dem jetzt übernommenen Aktienpaket hätte AMS auch für den Fall eines Scheiterns ein Faustpfand in der Hand. Denn die Papiere müssen anders als die offiziell angedienten Aktien nicht zurückgegeben werden.

Die Beteiligung von AMS könnte die Finanzinvestoren Bain Capital und Advent davon abhalten, wie angekündigt für Osram zu bieten. Denn die 75 Prozent, die Finanzinvestoren in der Regel mindestens anstreben, wären gegen den Willen von AMS nicht zu erreichen. So lange das Übernahmeangebot läuft, dürfen die Steirer aber nicht mehr als 20 Prozent kaufen.

Den Finanzfirmen die Suppe versalzen

Großinvestoren warten für gewöhnlich erst bis zuletzt ab. Mit den gut neun Prozent des größten Osram-Aktionärs, Allianz Global Investors, kann AMS aber auf jeden Fall rechnen. Am Ende könnte der Erfolg an den knapp 25 Prozent Privatanlegern hängen, die von dem wochenlangen Gezerre um Osram verunsichert wurden.

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Die Aktienkäufe von AMS am Markt trieben die Osram-Aktie am Dienstag bis auf die 41 Euro, die die Österreicher bieten. Zum Handelsschluss lag sie bei 40 Euro. AMS legten an der Züricher Börse leicht auf 44,66 Franken zu. Nach einer Übernahme von Osram würden die Aktien durch eine 1,6 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung stark verwässert.

Die Finanzfirma Bain hatte am Montag die letzte Gelegenheit verstreichen lassen, sein bestehendes Angebot abzuändern und damit die Angebotsfrist auch für die AMS-Offerte automatisch zu verlängern.

Zuversichtliche Signale von der Börse

Zuversichtliche Signale gab es an der Börse: Die Aktien von Osram notierten am Mittwochvormittag mit einem leichten Plus von 0,7 Prozent bei 40,30 Euro, AMS hatte den Aktionären 41 Euro je Osram-Aktie in Aussicht gestellt. Die Aktien von AMS verloren an der Züricher Börse bis 11.40 Uhr 1,6 Prozent auf 44,30 Euro. (apa/reuters/red)

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