Digitalisierung

IBM-Chef kündigt neue Stellen im deutschsprachigen Raum an

Für Startups auch aus Europa ist auf der Seite der Finanzindustrie mehr Geld vorhanden als früher. Deutschland zum Beispiel sei bei Startups inzwischen "aufgewacht", meint IBM-Manager Matthias Hartmann. IBM kündigt an, im deutschsprachigen Raum tausende Menschen einstellen zu wollen.

Die Lage für Tech-Gründer in Deutschland hat sich nach Einschätzung von IBM-Deutschlandchef Matthias Hartmann gebessert. "Ich glaube, dass Deutschland langsam, aber sicher aufgewacht ist, was die Gründerszene angeht", sagte Hartmann der Deutschen Presse-Agentur. "Wir kriegen deutlich mehr Kapital in diese Szene rein."

Risiko Firmengründung

Laut dem jüngsten KfW-Gründermonitor war der Anteil der Gründer mit Finanzierungsschwierigkeiten im vergangenen Jahr zurückgegangen. Allerdings wagen angesichts der guten Lage am deutschen Arbeitsmarkt insgesamt auch weniger Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Logik ist simpel. Werden Fachkräfte so umworben wie derzeit, entscheiden sich weniger Menschen dafür, das Risiko einer Firmengründung einzugehen.

"Deutschland tut gut daran, seine Gründerszene zu fördern", sagt Hartmann. Denn große Konzerne brauchen die kleinen innovativen Firmen wie Tanker ihre Beiboote. Die Zusammenarbeit mit kleinen Firmen sei für große IT-Konzerne wie IBM "extrem wichtig", sagt Hartmann. "Wir bewegen uns in einem Ökosystem." Damit ist in der IT-Branche gemeint, dass Technologien ausgetauscht werden und aufeinander aufsetzen. Je mehr Ideen von Start-ups um die Basistechnologie herumgewoben werden, desto attraktiver. IBM bemüht sich vor allem durch offene Standards im Techbereich, Gründer an seine Technologien heranzuführen. "Wir bekommen da viele positive Reaktionen aus dem Ökosystem."

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IBM ist in der Öffentlichkeit kaum noch sichtbar

Nach dem Verkauf seiner PC-Sparte an Lenovo im Jahr 2004 ist der IT-Konzern für Verbraucher deutlich weniger sichtbar geworden. In früheren Zeiten hatte die Deutschland-Tochter der IBM eine besondere Stellung. Der ehemalige IBM-Deutschlandchef Olaf Henkel etwa wurde in den 1990er Jahren Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Deutlich wird das heute immer noch, wenn der US-Konzern bei wichtigen Projekten wie der Gesundheitsakte in Deutschland mitmischt. "Ich sehe nicht, dass wir uns in Deutschland zurückgezogen haben", sagt Hartmann.

IBM will einstellen - auch in Österreich

Der Konzern hatte heuer angekündigt, nach Jahren des Stellenabbaus im deutschsprachigen Raum in den kommenden drei Jahren rund 2.200 neue Mitarbeiter einzustellen. Deutschlandweit beschäftigt IBM nach Gewerkschaftsangaben noch etwa 12.000 Menschen - 2009 waren es noch 21.000.

Ob durch die Neueinstellungen am Ende mehr Menschen für die IBM in Deutschland, Österreich und der Schweiz arbeiten, ließ Hartmann offen. Bei der Gewerkschaft Verdi ist man da trotz allen Lobes für den neuen IBM-Chef skeptisch. So verhandelt IBM beispielsweise nach wie vor mit dem IT-Dienstleister Bechtle über den Verkauf eines Teils der IBM-Dienstleistungssparte GTS.

Dennoch plant IBM in Deutschland auch wirtschaftlich keinen Schrumpfkurs: Der US-Konzern war 2018 nach schwachen Jahren ins Wachstum zurückgekehrt. "Das ist uns auch in Deutschland, Österreich und in der Schweiz gelungen", so Hartmann - wie üblich ohne genaue Zahlen für das Deutschlandgeschäft zu nennen.

Der frühere GfK-Chef hatte zu Jahresbeginn die Leitung des IBM-Deutschland-Geschäfts von Martina Köderitz übernommen. Vor der GfK hatte Hartmann bereits Jahrzehnte für IBM gearbeitet. Seine Ägide: "Arbeit muss Spaß machen." Sein Weg: "Wir loben wieder mehr." Das spiegelt sich Hartmann zufolge messbar in der Zufriedenheit der Mitarbeiter wieder. Erreicht habe man das mit einfachen Mitteln: Seit einem halben Jahr werde jede Woche ein Projekt ausgezeichnet. "Und wir feiern Erfolge gemeinsam."  (dpa/apa/red)

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