Stromnetzbetreiber

Höhere Verbund-Prognose für 2021

Nach einem guten ersten Halbjahr erhöht der Verbund-Stromkonzern seine Erwartungen für das operative Ergebnis und den Nettogewinn. Der Ausblick für das kommende Jahr wurde bei der heutigen Pressekonferenz erläutert.

Die Eigenstromerzeugung lag bis Juni zwar unter dem Vorjahr, man profitierte aber von höheren CO2-Preisen und auch von der Erstkonsolidierung der Gas Connect Austria (GCA). Der Stromabsatz des Konzerns war im Halbjahr etwas geringer, im Endkunden-Segment legte er jedoch zu.

Bis Juni steigerte der Konzern das EBITDA um 2,5 Prozent auf 655 Mio. Euro und das Konzernergebnis um 4,5 Prozent auf 325 Mio. Euro. Im Gesamtjahr 2021 sollen es 1,31 bis 1,41 Mrd. Euro beim EBITDA und 590 bis 660 Mio. Euro beim Nettogewinn sein, erklärte das börsennotierte Unternehmen am Donnerstag.

Profitiert hat der zu 51 Prozent der Republik Österreich gehörende Stromkonzern bis Juni von weiter deutlich verbesserten energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen - vor allem deutlich erhöhten CO2-Zertifikatpreisen und höheren Preisen für Primärenergieträger. Letztere bestimmen die Großhandelspreise für Strom, erste sind für den Umstieg von CO2-intensiver Kohleverstromung zu CO2-ärmerer Gasverstromung entscheidend. Dem Wasserkrafterzeuger Verbund kommen diese Entwicklungen sehr entgegen.

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Stromerzeugung aus Wasserkraft gesunken

Im ersten Halbjahr lag der Erzeugungskoeffizient der Verbund-Laufwasserkraftwerke mit 0,96 um 4 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt von 1,0 und um einen Prozentpunkt über dem Vergleichswert des Vorjahres. Die Erzeugung der Jahresspeicherkraftwerke sank wegen eines geringeren natürlichen Zulaufs und einem geringeren Wälzbetrieb um 16,0 Prozent. Somit sei die Stromerzeugung aus Wasserkraft im Jahresabstand um 430 Gigawattstunden (GWh) gesunken.

Die Verbund-Eigenerzeugung ging um 5,9 Prozent auf 15.223 GWh zurück. Dabei sank sie aus Wasserkraft um 2,9 Prozent auf 14.561 GWh. Aus Windkraft wurde mit 444 GWh um 13,8 Prozent weniger produziert, aus Wärmekraft mit 217 GWh um 67,9 Prozent weniger. Das Gas-Kombikraftwerk Mellach (GDK Mellach) erzeugte wegen eines geringeren Einsatzes für das Engpassmanagement um 125 GWh weniger Strom als im Vorjahresvergleich. Und das Fernheizkraftwerk Mellach (FHKW Mellach) kam kaum zum Einsatz, heißt es im Halbjahresbericht.

Das Aufkommen an PV-Strom war mit 1,0 (0,2) GWh weiter recht gering. Samt Fremdbezug, Handel und Vertrieb von 13.486 GWh (-10,0 Prozent) sowie kleineren Verlust- und Regelenergiemengen des Fremdbezugs betrug die Gesamtstromaufbringung 30.495 GWh, ein Rückgang von 7,5 Prozent.

Der gesamte Verbund-Stromabsatz war im Halbjahr mit 28.632 GWh um 7,5 Prozent geringer, jedoch wuchs er im Bereich der Endkunden um 4,3 Prozent auf 7.023 GWh an. Der Kundenstock betrug hier Ende Juni rund 523.000 Strom- und Gasabnehmer. Gegenüber Weiterverteilern sank der Absatz um 8,8 Prozent auf 13.100 GWh, an Händler sogar um 13,5 Prozent auf 8.510 GWh.

Großer Absatz in Österreich

Nach Ländern entfiel vom Absatz mehr als die Hälfte (16.060 GWh, -5,0 Prozent) auf Österreich, gut ein Drittel auf Deutschland (10.110 GWh, -10,8 Prozent) und 2.083 GWh (-9,3 Prozent) auf Frankreich.

Positiv auf die Ergebnisentwicklung wirkten sich im Halbjahr deutlich höhere Spotmarktpreise auf dem Großhandelsmarkt für Strom aus, während die Terminmarktpreise rückläufig waren. Der im Schnitt erzielte Absatzpreis aus der Wasserkraft-Eigenerzeugung stieg um 2,2 Euro auf 46,6 Euro pro Megawattstunde (MWh). Zudem resultierte ein positiver Ergebnisbeitrag aus der erstmaligen Vollkonsolidierung des Leitungsbetreibers Gas Connect Austria (GCA), dessen 51-Prozent-Mehrheit der Stromkonzern dem Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV abgekauft hatte; das Closing erfolgte per Ende Mai d.J.

Die Dividenden-Ausschüttungsquote für 2021 soll zwischen 45 und 55 Prozent des um Einmaleffekte bereinigten Konzernergebnisses liegen, das aktuell zwischen rund 580 Mio. und 650 Mio. Euro erwartet wird, so der Verbund. Im Halbjahr betrug das bereinigte Konzernergebnis 315 Mio. Euro (+4,7 Prozent).

Erneuerbaren Ausbau

Verbund investiert mehr als eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau bestehender Pumpspeicherkraftwerke in Salzburg und Kärnten: Mitte Juni 2021 erfolgte der Baustart am Reißecker-Seenplateau in Kärnten für das Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II plus. In Summe investiert Verbund aktuell 160 Mio. € in die Modernisierung und Erweiterung der Kärntner Kraftwerksgruppe Malta-Reißeck, um auch künftig die gesteigerte Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien bedarfsgerecht zwischenspeichern zu können.
Der Stollenanschlag für das zweite große Erweiterungsprojekt in der Kraftwerksgruppe Kaprun ist für September 2021 geplant: Limberg III mit einer Leistung von 480 MW wird ebenfalls als Kavernenkraftwerk vollkommen unterirdisch zwischen den beiden bestehenden Speicherseen Mooserboden und Wasserfallboden errichtet. Bis 2025 werden dafür insgesamt rund 480 Mio. Euro in die zukunftsorientierte Stromerzeugung und -speicherung investiert, inklusive hoher regionaler Wertschöpfung.

Infrastruktur

Ende Mai 2021 fand das Closing des Erwerbs von 51 % der Anteile an der Gas Connect Austria
GmbH statt – ein wichtiger strategischer Meilenstein für VERBUND. Der vereinbarte Kaufpreis für den
51-%-Anteil der OMV an Gas Connect Austria GmbH beträgt abzüglich der für das Geschäftsjahr 2020 ausgeschütteten Dividende 238,7 Mio. €. Zusätzlich übernimmt VERBUND die ausstehenden Verbindlichkeiten der Gas Connect Austria Gruppe gegenüber der OMV. Als Eigentümer und Betreiber von kritischer Infrastruktur stellt der Erwerb der Anteile an der Gas Connect Austria GmbH für VERBUND neben einer Verbesserung des Geschäftsprofils durch den erhöhten Anteil von stabilen und regulierten Erträgen sowie einer positiven Kennzahlenentwicklung vor allem eine optimale Positionierung in Bezug auf die Sektorkopplung und der Entwicklung eines grünen Wasserstoffsystems dar.(apa/red)