Bauindustrie

Hochtief erholt sich nach Coronadämpfer

Die Geschäfte beim deutschen Baukonzern Hochtief laufen wieder deutlich besser. Vor allem entwickelten sich das Geschäft des spanischen Autobahnbetreibers Abertis, an dem Hochtief rund 20 Prozent hält, zuletzt deutlich besser.

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Unternehmenschef Marcelino Fernández Verdes

Mit wachsenden Umsätzen und Auftragsbüchern, die erstmals in allen Divisionen wieder so gefüllt seien wie vor Ausbruch der Pandemie, könne Hochtief sehr zuversichtlich in die Zukunft blicken, sagte Unternehmenschef Marcelino Fernández Verdes bei Vorlage der Halbjahresbilanz. Das Gewinnziel für das laufende Jahr bestätigte der MDAX-Konzern.

Im ersten Halbjahr erzielte das Unternehmen einen nominalen Konzerngewinn in Höhe von 195 Millionen Euro. Dies entspricht einem Anstieg von 29 Prozent gegenüber den 151 Millionen Euro des ersten Halbjahres 2020 auf vergleichbarer Basis (like for like). Die Kennzahl wurde bereinigt um den Effekt aus dem Verkauf von 50 Prozent der Thiess-Anteile. Die verbleibenden 50 Prozent werden nach der Equity-Konsolidierung bilanziert. Das nominale Ergebnis je Aktie stieg um 32 Prozent. Ebenfalls zulegen konnte der operative Konzerngewinn. Er verbesserte sich um 17 Prozent (like for like) gegenüber dem Vorjahreswert auf 205 Millionen Euro. Der Ergebnisbeitrag der Abertis-Beteiligung war mit 13 Millionen Euro wieder positiv nach einem Verlust in Höhe von 18 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2020. Die Rückkehr in die Gewinnzone ist auf die verbesserte Verkehrsentwicklung nach einem signifikanten Rückgang in der Frühphase der Pandemie zurückzuführen. Entsprechend lag der operative Umsatz des Mautstraßenbetreibers im zweiten Quartal um 60 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Divisions lieferten erneut starke Margen, wodurch sich die PBT-Marge des Konzerns vor Abertis von 2,8 Prozent auf 3,0 Prozent verbesserte.

Bei der Cash-Generierung hat Hochtief in den ersten sechs Monaten 2021 deutliche Fortschritte erzielt. So erhöhte sich das Net Cash aus laufender Geschäftstätigkeit im zweiten Quartal um 237 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreswert auf 530 Millionen Euro, wozu vor allem die deutliche Verbesserung des Nettoumlaufvermögens beitrug. Um saisonale Effekte auszuklammern, hilft der Blick auf die letzten zwölf Monate: In diesem Zeitraum generierte der Konzern mehr als 900 Millionen Euro Net Cash aus laufender Tätigkeit im Kerngeschäft beziehungsweise 833 Millionen Euro – nach Investitionen – Free Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit. Die betrieblichen Investitionen (netto) beliefen sich in den ersten sechs Monaten auf 36 Millionen Euro.

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Ende Juni 2021 verfügte Hochtief über ein solides Nettofinanzvermögen von 434 Millionen Euro. Es stieg im Laufe des Quartals um 427 Millionen Euro. Im Zwölfmonatszeitraum und nach der Aktionärsvergütung in Höhe von 552 Millionen Euro betrug der Anstieg rund 800 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Der Konzern beendete das Quartal mit einer starken Liquiditätsposition von 5,3 Milliarden Euro. Zusätzlich stehen bislang nicht in Anspruch genommene Kreditfazilitäten in Höhe von 2,6 Milliarden Euro zur Verfügung.

Bei unverändert disziplinierter Angebotsstrategie in allen Divisions erhöhte sich der Auftragseingang im Vorjahresvergleich um nahezu 50 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro. Dadurch stieg der Auftragsbestand des Konzerns seit Dezember 2020 um 7 Prozent auf 48,9 Milliarden Euro. Fast die Hälfte des Auftragsbestands entfällt auf Projekte in Nordamerika, gefolgt vom asiatisch-pazifischen Raum (43 Prozent) und Europa (9 Prozent).

Die Chancen, die sich durch zahlreiche staatliche Konjunkturpakete ergeben, bewertet das Unternehmen positiv. Darüber hinaus hat Hochtief eine Tenderpipeline mit relevanten Projekten im Wert von 600 Milliarden Euro für 2021 und darüber hinaus identifiziert. In den kommenden Jahren werden allein PPP-Projekte im Wert von über 200 Milliarden Euro vergeben.

Am 7. Juli 2021 schüttete Hochtief eine Dividende für das Geschäftsjahr 2020 in Höhe von 3,93 Euro je Aktie im Gesamtwert von rund 270 Millionen Euro aus. Dies entspricht einer unveränderten Ausschüttungsquote von 65 Prozent des nominalen Konzerngewinns und versteht sich zusätzlich zu den 168 Millionen Euro, die die Aktionäre im Zuge des Rückkaufs von 3,5 Prozent eigener Aktien im Jahr 2020 erhalten haben.

Strategie in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (ESG)


Hochtief ist einer der weltweit führenden Infrastrukturkonzerne in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance. Der Konzern erzielte im Jahr 2020 mit Green-Building-Projekten einen Umsatz von 8,3 Milliarden Euro beziehungsweise ein Drittel des Konzernumsatzes. Seit über 15 Jahren wird das Unternehmen im Dow Jones Sustainability Index gelistet. MSCI hat Hochtief mit einem starken AA-ESG-Rating ausgezeichnet und Sustainalytics hat den Konzern in seinem globalen Nachhaltigkeitsranking unter den besten zehn Prozent der Unternehmen der Branche gelistet.

2021 intensiviert Hochtief seine Bemühungen im Bereich ESG und nutzt dabei digitale Technologien für die Transformation. Das Unternehmen hat einen Nachhaltigkeitsplan 2021 bis 2025 gestartet und arbeitet an CO2-Reduktionszielen, um das Pariser Abkommen zu unterstützen und die Erderwärmung zu stoppen. Im Rahmen des Umwelt- und Klimaschutzes erfasst Hochtief konzernweit die Treibhausgasemissionen der Kategorien Scope 1, 2 und 3.

Der Nachhaltigkeitsplan orientiert sich auch an neuen Anforderungen und Empfehlungen wie der EU-Taxonomie. Hochtief unternimmt große Anstrengungen, um die detaillierten Offenlegungspflichten zu erfüllen. Gemeinsam mit seinen Kunden, Zulieferern und Nachunternehmern arbeitet der Konzern daran, den ökologischen Fußabdruck seiner Aktivitäten deutlich zu verbessern.

Konzernausblick
Angesichts solider Margen, steigendem Cashflow und einem robusten Auftragsbestand, der im ersten Halbjahr 2021 einen Anstieg der Neuaufträge um nahezu 50 Prozent verzeichnete, beurteilt Hochtief die Aussichten positiv. Wir bestätigen unseren Ausblick und erwarten für 2021 einen operativen Nettogewinn im Bereich von 410 bis 460 Millionen Euro (Ergebnis je Aktie: 6,01 bis 6,75 Euro/Aktie). Dies entspricht einer Steigerung von ca. 50 bis 100 Millionen Euro gegenüber den 359 Millionen Euro des Vorjahres. (apa/red)