Management-Tipp

Hoch hinaus statt tief nach unten

Warum Investitionen in Innovation gerade in Krisenzeiten wichtig sind, erklären die Experten von EY-Parthenon.

Es klingt geradezu absurd: Wenn Unternehmen gut durch die aktuelle Krise steuern wollen, gilt es intelligent zu investieren, statt nur zu sparen. Zwar verleiten die aktuelle Unsicherheit und die laufend nach unten revidierten Wachstumsprognosen der Gesamtwirtschaft eher zu einer abwartenden Grundhaltung, doch gerade beim Thema Innovation gilt: „Never waste a good crisis“.

So rief auch The Economist erst kürzlich – also mitten in der Krise – eine Dekade der Innovation aus. Die durch Megatrends wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit ausgelöste Grunddynamik wird auch in Zukunft erhalten bleiben. Darauf gilt es zu reagieren. Der Transformationsdruck steigt und Unternehmen, die heute nicht auf Innovation setzen, sind morgen vielleicht schon nicht mehr relevant.

Wir haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Kunden beim Aufbau und der Weiterentwicklung ihres Innovationsmanagements begleitet. Dabei haben wir gelernt, dass fünf Faktoren echte Game-Changer für das Innovationsmanagement sind:

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1. Strategie als Basis

Überlassen Sie die Ergebnisse Ihrer Innovationsarbeit nicht dem Zufall, sondern nehmen Sie Innovation als ein Instrument der Strategieimplementierung wahr. Damit Ihr Innovationsmanagement strategiegeleitet ist, müssen Sie zum einen klare Ziele formulieren. Zum anderen sollten Sie klare Themenbereiche definieren, innerhalb derer Sie durch Innovation einen Unterschied machen wollen. Den Ausgangspunkt bildet dabei die Unternehmensstrategie. Diese wird systematisch auf Schwerpunktthemen untersucht, die sich typischerweise aus der Natur der Geschäftsfelder und den im Wettbewerbsvergleich angestrebten Zielen ergeben. Im pointierten Abgleich mit Branchen- und Technologietrends werden diese Schwerpunktthemen intelligent gebündelt und in sogenannte Suchfelder übersetzt, innerhalb derer dann gezielt Innovationsprojekte implementiert werden.

2. Intelligente Dezentralisierung

Innovation ist eine Kollektivaufgabe, braucht aber dennoch jemanden, der die Fäden zusammenhält. Die richtige Balance ist entscheidend: Einerseits muss eine dezentrale Einbindung verschiedener Unternehmensbereiche gerade bei der Ideengenerierung und Projektarbeit stattfinden. Andererseits gilt es vor allem im Hinblick auf Synergie- oder Governance-Gesichtspunkten, wie beispielsweise bei übergeordneten Steuerungsfragen, zentralisiert vorzugehen. Um das zu realisieren, bedarf es zweier Dinge. Erstens: Installieren
Sie ein zentrales Innovationsteam. Dieses Team ist Informationsdrehscheibe, Prozess-Facilitator, Sparring-Partner und in seltenen Ausnahmefällen auch Träger eigener Innovationsprojekte. Ziel ist die bestmögliche Unterstützung der dezentralen Akteure in den Geschäftsbereichen. Zweitens: Etablieren Sie ein Innovationsboard mit Vertretern der dezentralen Einheiten. Der Zweck des Innovationsboards ist es, der Innovationsarbeit Richtung zu geben und Fragestellungen der Innovationsarbeit zu Expertenentscheidungen zu erklären, die auf hohem inhaltlichen Niveau und im übergeordneten Unternehmensinteresse getroffen werden.

3. Gesteuert

Sorgen Sie in Ihrem Innovationsmanagement für Übersicht und Transparenz. Im Vordergrund stehen da- bei zwei Perspektiven: Komposition und Reifegrad. Zum einen gilt es, jederzeit den Überblick über das Innovationsportfolio zu behalten. Eine intelligente Innovationslandkarte unterstützt Sie bei der laufenden Standortbestimmung. Zum anderen muss sichergestellt sein, dass jedes Innovationsvorhaben seinem Reifegrad entsprechende Unterstützungsleistungen erhält und einer Plausibilitätsprüfung unterzogen wird. Ein wichtiges Werkzeug in dieser Sache ist der Innovations-Funnel. Er macht sichtbar, an welchem Punkt der Reifegradskala zwischen Idee und marktfähiger Lösung Innovationsvorhaben stehen und sorgt durch definierte Gates für klare Steuerung. Es ist erfolgsentscheidend, in der Steuerung die richtige Balance zu finden – am Beginn des Funnels meist qualitativ, am Ende aber immer als tragfähiger Business Case.

4. Methodisch und offen

Innovationsarbeit lebt von den richtigen Arbeitstechniken. Neben einer grundsätzlich stark projektorientierten Vorgehensweise, mit der heutzutage zahlreiche Unternehmen vertraut sind, haben sich hier in erster Linie agile Ansätze bewährt. Diese gilt es geschickt mit innovationsspezifischen Methoden der Ideation wie Design-Thinking oder Incubation wie Hackathons zu verschneiden. Unter dem Titel „Open Innovation“ befassen sich zahlreiche Innovationsmethoden mit der bewussten Einbindung externer Partner. Diese ermöglichen es, auf Ressourcen zuzugreifen, die weit über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus reichen. Ziel ist es, ein Netz- werk und Ökosystem aufzubauen, das den Zugang zu wesentlich mehr als den im Unternehmen vorhandenen Ressourcen erlaubt und so den Handlungsspielraum deutlich erhöht. Speziell in komplexen Gefügen gilt: Innovation ist kein Solo-Act, sondern eine Team-Challenge!

5. Kultur

Innovation lässt sich bekanntlich nicht verordnen, Innovation passiert – und zwar im richtigen kulturellen Kontext. Kultur macht Innovation, aber Innovation macht auch Kultur! Nutzen Sie die Chance, mit der Gestaltung Ihres Innovationssystems bewusst die Kultur zu prägen. Die Rollen, die Sie schaffen, die Prozesse, die Sie installieren, die Methoden, die Sie nutzen, und die Haltungen, die Sie vorleben, setzen klare kulturelle Impulse.

Fazit

Innovation ist zweifelsfrei ein Feld, in dem das allgemeine Managementverständnis rasante Fortschritte gemacht hat. Galt Innovation früher vielleicht noch als Kür, so ist sie heute längst schon Pflicht. Richtig gemacht, können mit geschickter Innovationsarbeit gezielt und fokussiert Wettbewerbsvorteile erschlossen werden. Gleichzeitig kann ein wenig systematisches bzw. ein unterentwickeltes Bespielen dieser Managementdisziplin rasch zum schwer aufholbaren Wettbewerbsnachteil werden. Machen Sie es besser, innovieren Sie – aber richtig!

Dr. Roman Wörner ist Director bei EY-Parthenon in Österreich und berät Industrieunternehmen bei Fragen an der Schnittstelle zwischen Strategie, Innovation, Organisation und Digitalisierung.
Dr. Johannes Schneider ist Partner bei EY-Parthenon in Österreich und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der strategischen und organisationalen Neuausrichtung führender Industrieunternehmen.