Metaller-KV

Historisch schnelle Einigung beim Metaller-KV

Vertreter der Metalltechnischen Industrie und die Gewerkschaften haben sich gleich nach der allerersten Verhandlungsrunde auf einen neuen Kollektivvertrag geeinigt - dank der Coronakrise. Der neue Kollektivvertrag wird von der gesamten Metallindustrie übernommen. Hier die Details.

Die Coronakrise hat Gewerkschaft und Arbeitgeber zu einem historisch schnellen Kollektivertragsabschluss bei der Metalltechnischen Industrie bewegt. Nach bereits einer Verhandlungsrunde verkündeten beiden Seiten Donnerstagmittag ein Lohn- und Gehaltsplus ab November von 1,45 Prozent, exakt die Höhe der Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate. Wirtschaftlich gut dastehende Unternehmen sollen eine freiwillige Coronaprämie von 150 Euro an ihre Mitarbeiter auszahlen.

"Bei dieser Lohnrunde ist sehr vieles anders"

"Corona hat uns völlig durcheinandergebeutelt. Darum ist bei dieser Lohnrunde sehr vieles anders", sagte der gewerkschaftliche Chefverhandler, Rainer Wimmer (PRO-GE), nach der Einigung. "Wir haben eine sehr, sehr schwierige Zeit, aber es ist wichtig, dass Entscheidungen fallen." Die Gewerkschaft lehnte die von den Arbeitgebern angebotene Einmalzahlung von 550 Euro ab und verlangte eine "nachhaltige" Lohn- und Gehaltserhöhung. Der zweite gewerkschaftliche Chefverhandler, Karl Dürtscher (GPA-djp), will sich genau ansehen, wie viele Unternehmen die freiwillige, steuerbefreite Coronaprämie auszahlen. Die schnelle Einigung zeige aber, dass die Sozialpartner "in schwierigen Zeiten" auch "tragfähige Kompromisse" finden können.

Eckdaten zur Branche

In der Metallindustrie in Österreich arbeiten mehr als 190.000 Beschäftigte, davon 127.000 in der Metalltechnischen Industrie. Am Donnerstagnachmittag übernahmen auch die Gießerei-Industrie, Fahrzeugindustrie, der Bereich Bergbau-Stahl, die NE-Metallindustrie sowie die Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen den KV-Abschluss der Metalltechnischen Industrie.

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FMTI wollte "große Unruhe" in den Betrieben vermeiden

Die Arbeitgeber zeigten sich mit dem schnellen Abschluss zufrieden, im Vorfeld der Verhandlungen hatten sie noch auf eine Verschiebung auf 2021 gedrängt. "Es war sehr wichtig, einen sehr raschen Abschluss zu erreichen", sagte der Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), Christian Knill. Man habe nicht "große Unruhe" durch lange Kollektivvertragsverhandlungen in die Unternehmen bringen wollen. "Die Coronakrise wirft unsere Branche um mehr als 10 Jahre zurück und eine Lohnerhöhung sichert zwar Einkommen, aber keinen einzigen Arbeitsplatz", so Knill. Die Metalltechnische Industrie erwartet für heuer einen Umsatzrückgang von 20 Prozent. Der Abschluss sei "eine klare Anerkennung" für die Mitarbeiter, sagte der Arbeitgebervertreter. "Gerade in schwierigen Zeiten muss man zusammenstehen."

Grafik, metall, metaller-kv, kollektivverträge, 2020 © APA

Die Metalltechnische Industrie musste in den vergangenen Monaten rund 4.000 Mitarbeiter abbauen, die gesamte Metallindustrie rund 6.000. Die aktuelle KV-Erhöhung werde für angeschlagene Betriebe nicht leicht zu stemmen sein. "Denen es jetzt schlecht geht, für die ist es schwierig", sagte Arbeitgebervertreter Knill. In der Branche gebe es aber auch Firmen, denen es nicht so schlecht gehe. Außerdem würde die Kurzarbeit den krisenbedingten Jobabbau bremsen. Gewerkschafter Wimmer erwartet nicht mehr Kündigungen wegen der KV-Erhöhung. "Nein, das befürchten wir nicht."

Bei Zeitkonten können Arbeitnehmer in der Metallindustrie befristet bis Ende 2023 nun anstatt 120 insgesamt 180 Minusstunden ansammeln. Diese Maßnahme soll laut Gewerkschaft und Arbeitgeber helfen, um Arbeitsplätze zu sichern. Weitere Änderungen im Rahmenrecht gab es bei diesen Kollektivvertragsverhandlungen nicht. Über eine bezahlte Maskenpause aufgrund der Coronapandemie wurde nicht verhandelt. (apa/red)

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