Maschinenbau

Hintergrund zu Andritz: Die Sorgen um die Sparte Metals bleiben

"Wir sind in Summe zufrieden", meint Andritz-Chef Wolfgang Leitner zu den jüngsten Zahlen des Anlagenbauers. Doch die Sorgen in der Sparte Metals und besonders bei der deutschen Konzerntochter Schuler bleiben. Schuler sei eine gute Akquisition für die Zukunft gewesen, heißt es - doch jetzt kommen erst einmal hunderte Kündigungen.

Obwohl die Metals-Sparte weiter ein Sorgenkind bleibt, gab sich Andritz-Chef Wolfgang Leitner bei der Halbjahres-Pressekonferenz am Freitag zuversichtlich. "Wir sind in Summe zufrieden", sagte Leitner. Die bereits zu Beginn der Woche angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen bei Schuler Deutschland seien "unerfreulich, aber unvermeidlich". Gut laufe es dank Xerium dagegen im Bereich Pulp & Paper.

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Wegen der trüben Konjunktur in der Autoindustrie sollen bei der Andritz-Tochter Schuler, die im Wesentlichen den Bereich Metals Forming ausmacht, in Deutschland 500 Mitarbeiter abgebaut werden. Davon werden etwa 60 Prozent in der Fertigung reduziert, so Leitner. Derzeit arbeiten rund 4.000 Personen bei dem Pressenhersteller in Deutschland.

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Die "Anpassungen" werden die Jahresergebnisse wegen Rückstellungen (rund 85 Mio. Euro) und Firmenwertabschreibungen (rund 25 Mio. Euro) um 110 Mio. Euro mindern. Weder für Schuler noch für Andritz stelle die Restrukturierung aber eine Krisensituation dar, sagte Leitner. Wenn das Restrukturierungsprogramm abgeschlossen ist, "sind wir zuversichtlich, dass die Sparte ein wertvoller Teil der Andritz-Gruppe sein wird", so der Konzernchef weiter.

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Mittelfristig habe sich der Schuler-Kauf aus dem Jahr 2013 jedenfalls gerechnet. "Schuler bleibt eine gute Akquisition für die Zukunft", sagte Leitner. Damals hatte Andritz rund 600 Mio. Euro für den deutschen Pressenhersteller auf den Tisch gelegt. Seitdem schreibe die Tochter ein jährliches Geschäftsvolumen von rund 1,2 Mrd. Euro. Auch der Zukauf in China sei sinnvoll für die Tochter gewesen, weil Schuler damit eine Präsenz in der Volksrepublik sowie einen billigeren Produktionsstandort bekommen hat. Sollten in Zukunft doch wieder mehr Fertigungskräfte für Schuler nötig sein, würden diese vor allem in China oder Brasilien und weniger in Deutschland aufgebaut werden, sagte Leitner.

Aber nicht nur bei Schuler, auch im Bereich Metals Processing - dem zweiten Teilbereich der Metals-Sparte - gab es Probleme. So konnte eine Lieferung an ein Walzwerk in den USA nicht zeitgerecht erfüllt werden, da bei der Entladung des Schiffs in den USA ein Wespennest an der Verpackung entdeckt wurde. Die zu liefernde Maschine durfte daher nicht in die USA "einreisen" und musste nach Mexiko gebracht werden, wo das Wespennest ausgeräuchert wurde. Über die aus der Verzögerung entstandene Verzugspönale werde derzeit verhandelt, erklärte der Andritz-Chef. "Metals Processing sollte aber kurzfristig wieder auf profitablem Niveau sein."

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Situation in den einzelnen Sparten

In der gesamten Metals-Sparte ging der Umsatz im zweiten Quartal um 6,1 Prozent zurück. Aufs Halbjahr gerechnet blieb dagegen ein minimales Umsatzplus von 2,2 Prozent auf 758,8 Millionen Euro übrig. Deutlich erfreulicher entwickelte sich der Bereich Pulp & Paper, wo der Umsatz sowohl im zweiten Quartal alleine als auch im Halbjahr um knapp 30 Prozent wuchs. Gestützt wurde der Zuwachs vor allem von dem 2018 zugekauften US-Papiermaschinenzulieferer Xerium, sagte Leitner. Dieser habe im Halbjahr rund 222 Mio. Euro zum Umsatz beigetragen. Im Zellstoffbereich konnten überdies einige große Aufträge an Land gezogen werden, vor allem in Südamerika. Operativ (EBITDA) konnte das Spartenergebnis im Halbjahr um mehr als 50 Prozent gesteigert werden.

Auch im Bereich Separation ging es mit einem Umsatzplus von 10,8 und einem klaren EBITDA-Zuwachs von 44,5 Prozent bergauf. Vor allem der Markt für Ausrüstungen zur Fest-Flüssig-Trennung hätte sich positiv entwickelt, hieß es im Halbjahresbericht. Die Sparte Hydro sei laut Leitner ein "stabiler, attraktiver Markt, der aber kurzfristig nur wenige Wachstumsmöglichkeiten bietet". Nach sechs Monaten ging der Umsatz um 6,7 Prozent zur Vorjahresperiode zurück.

Insgesamt schrieb Andritz nach sechs Monaten ein Umsatzplus von 10,8 Prozent auf rund 3,1 Mrd. Euro, die Auftragseingänge stiegen um 13,3 Prozent auf 3,7 Mrd. Euro. Dennoch blieb unterm Strich nur ein Konzerngewinn von 77,5 Mio. Euro übrig, das waren 23 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. Auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank um 15,7 Prozent auf 128,9 Mio. Euro, auf EBITA-Ebene erhöhte sich das operative Ergebnis im Halbjahr um 6,7 Prozent auf 177,5 Mio. Euro. Der bei der Vorlage der Erstquartalszahlen gegebene Ausblick für das Gesamtjahr wurde bestätigt. Dementsprechend geht Leitner für 2019 weiterhin von einem "deutlichen Anstieg des Umsatzes" und einer "unveränderten operativen EBITA-Marge vor Sondereffekten" aus. Im Vorjahr 2018 lag diese Marge bei 6,9 Prozent.

Die Anleger an der Wiener Börse waren von den Ergebnissen zunächst offenbar angetan. Gegen Mittag notierte die Andritz-Aktie mit rund 8,5 Prozent im Plus bei 34,54 Euro. (apa/red)

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