Standort Österreich

Heimische Rohstoffwirtschaft: Auch der Bergbau wird jetzt digital

"Ohne mineralische Rohstoffe bleiben Digitalisierung und Industrie 4.0 ein Schlagwort", heißt es aus dem Fachverband Bergbau-Stahl. Auch im Bergbau schreitet demnach das digitale Vernetzen voran - was nicht nur die Produktivität erhöhen, sondern auch den Standort Europa stärken kann.

Die Digitalisierung spielt auch in der Bergbau- und Rohstoffbranche eine große Rolle und kann wichtige Wettbewerbsvorteile für Unternehmen bringen. Der Einsatz modernster Technologien sei auch eine Chance, mehr Jobs in Europa zu halten, sagte der Obmann des WKO-Fachverbands Bergbau-Stahl, Franz Friesenbichler. Das Nutzen der Technologien sei hierzulande aber schwieriger als etwa in den USA.

"Ohne mineralische Rohstoffe bleiben Digitalisierung und Industrie 4.0 ein Schlagwort", betonte Roman Stiftner, Geschäftsführer des Fachverbands Bergbau-Stahl, die Wichtigkeit des Sektors in Wien. Denn Mineral-Rohstoffe bilden die Hardware für Smartphones, E-Mobilität und Co. Langfristiges Ziel der Branche sei es deshalb auch, die Rohstoffversorgung in Europa zu gewährleisten.

Das digitale Vernetzen von Prozessen könne zu einem Durchbruch bei der Produktivität der Bergbau- und Rohstoffbranche führen: "Prozessanalysen und Prozessoptimierungen werden eine Minimierung des Abraums bewirken und dazu beitragen, die Gewinnung mineralischer Rohstoffe umweltgerechter und effizienter zu gestalten", so die Interessensvertreter.

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Auch Wilfried Eichlseder, Rektor der Montanuniversität Leoben, sieht die Digitalisierung positiv, "wir haben die Möglichkeit weltweit zu agieren". Beispielsweise werden bei Data Mining und Monitoring im Tunnel- und Bergbau Daten aus Minen direkt an die Montanuniversität in Leoben gesendet und analysiert. So können Informationen über Zustand, Instandhaltung und Co gewonnen werden. "Wir brauchen nicht vor Ort in den Minen sein", so Eichlseder und verweist auf ein Projekt in Australien.

"Wir können das von Europa aus steuern", so Eichlseder, aber man müsse schneller sein, als andere. Friesenbichler stimmt dem zu, müsse aber feststellen: "In Europa ist alles viel langsamer und schwieriger". Schuld sei vor allem der Datenschutz, da habe man es in den USA und Asien leichter. Europa werde immer langsamer sein.

Die Digitalisierung der Mineral-Rohstoffwirtschaft werde mit einem hohen Maß an Innovationen und Investitionen einhergehen. Daher bräuchten die Unternehmen Planungssicherheit. Friesenbichler fordert Investitionsschutz. Wenn Geld in neue Anlagen gesteckt werde, sollten beispielsweise die einzuhaltenden Grenzwerte nicht innerhalb von fünf bis zehn Jahren geändert werden.

Wenn Unternehmen ihre Produktionsprozesse mit Kunden und Logistikern vernetzen und die Abläufe an Kundenwünsche anpassen, brauche es auch mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit. Dabei gehe es aber nicht darum, zwölf Stunden am Stück zu werken. Unternehmen würden sich mit der Belegschaft abstimmen müssen und auf deren Interessen achten. Für Friesenbichler wäre auch das Einführen von Teilzeit im Schichtbetrieb eine Möglichkeit.

"Möglicherweise wird die Industrie den Wünschen der Mitarbeiter erliegen", so Friesenbichler. "Wir können es uns gar nicht leisten, Mitarbeiter zu verlieren", technisches Personal sei weltweit Mangelware. Die Digitalisierung werde eine Herausforderung für das ganze Bildungssystem, meinte Eichlseder.

Die Digitalisierung werde auch das Verhältnis zwischen kleinen Unternehmen und Großkonzernen entschärfen. "Die Vorteile großer Unternehmen relativieren sich mit der Digitalisierung", so Friesenbichler. Er sehe einen Trend hin zu kleineren Unternehmen.  (apa/red)

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