Logistik

Hapag-Lloyd-Chef: "Es könnte noch Jahre dauern, bis sich der Markt erholt."

Warum Rolf Habben Jansen, Chef der größten deutschen Containerreederei, wenig optimistisch ist, was die Lieferkettenschwierigkeiten angeht,

Die Transportengpässe in der Schifffahrtsbranche haben sich nach der Ansicht von Deutschlands größter Containerreederei Hapag-Lloyd im dritten Quartal verschärft. Die Probleme würden noch eine ganze Weile anhalten, sagte Konzernchef Rolf Habben Jansen am Donnerstag in einem Pressegespräch zur Lage der Branche. "Es könnte noch Jahre dauern, bis sich der Markt erholt und normale Bedingungen erreicht hat."

Die unerwartet große Nachfrage nach Transportkapazität in der Hochsaison, knapper Schiffsraum und ein Stau vor Chinas zweitgrößtem Hafen sorgen seit Monaten für Verzögerungen im Schiffsverkehr. Im August seien die Container im Durchschnitt 20 Prozent länger im Einsatz gewesen, sagte Habben Jansen.

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Die Engpässe hätten sich auch im September fortgesetzt, fügte er hinzu. Deswegen erwarte Hapag-Lloyd Verspätungen, Hafenüberlastungen und hohe Frachtraten bis ins erste Quartal 2022. "Bis zum chinesischen Neujahrsfest 2022 wird es voraussichtlich zu keiner Normalisierung kommen", sagte der Konzernchef. Danach liege die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Staus verringerten, seiner Einschätzung nach bei "über 50 Prozent".

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Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die derzeit sehr starke Nachfrage - die sich vor allem in den USA unerwartet belebt hat - abklingen werde. "Wir brauchen im Schnitt zehn bis 15 Tage länger als sonst", beschrieb der Konzernchef die konkreten Auswirkungen. "Jedes Schiff muss länger warten, um einen Hafen anzulaufen, und die Produktivität der Häfen nimmt ab, weil die Terminals wirklich überfüllt sind." Trotz der aktuell hohen Spotraten würden viele Container wegen langfristiger Verträge noch zu Preisen von 2020 transportiert.

Am Dienstag hatte Hapag-Lloyd angekündigt, sich mit 30 Prozent am Container Terminal im JadeWeserPort in Wilhelmshaven zu beteiligen. Konzernchef Habben Jansen konterte Befürchtungen, dass der Hamburger Hafen dadurch Geschäft verliere. Auch nach Abschluss des Deals würden immer noch zwischen 85 und 90 Prozent des Containervolumens im Hamburger Hafen abgefertigt werden, betonte er. "Die Investition wird die Position der deutschen Häfen im Vergleich zu Rotterdam und Antwerpen stärken." (apa/red)

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