Hintergrund

Händler: "Trumps Strafzölle gegen China zahlen Amerikaner"

Die Rechnung für die Sonderzölle auf chinesische Importe bezahlen Händler und Endverbraucher in den USA, sagen Beobachter. Obwohl in der Industrie und in der Bevölkerung die Sympathie mit dem Kurs Washingtons wächst, sei eine Million Jobs in den USA bedroht, heißt es.

Ein Riesengewinn für die USA - so sieht Präsident Donald Trump die Zölle auf Waren aus China. Doch die Zeche für die Eskalation im Handelskonflikt zahlen vor allem seine Bürger. US-Verbraucher müssen bereits jetzt für zahlreiche Produkte tiefer in die Tasche greifen. Verbände warnen, dass die Leidtragenden auch kleine und mittlere Unternehmen sind.

"Die Zölle werden von amerikanischen Firmen und Konsumenten bezahlt, nicht von China", sagt David French vom Einzelhandelsverband National Retail Federation in Washington. Die weitere drastische Ausweitung der Strafzölle werde in den USA vor allem für kleine Unternehmen zur Belastungsprobe. Diese hätten nur "begrenzten Zugang zu Ressourcen, um die Auswirkungen abzumildern".

Sympathie für Trumps Kurs in der Industrie

Zwar gibt es in der Industrie und bei Einzelhändlern durchaus Sympathie für das Ziel der Trump-Regierung, China bei der Begünstigung der eigenen Wirtschaft zu mäßigen und für US-Produzenten die Tür zum gewaltigen Markt der Volksrepublik weiter aufzustoßen. "Wir wollen, dass Präsident Trump erfolgreich ein Abkommen mit China schließt, das wettbewerbsfeindliches Verhalten stoppt", sagt Hun Quach, Vizepräsidentin des Branchenverbands Retail Industry Leaders Association. Doch auch sie befürchtet, dass vor allem die Mittelklasse in den USA durch die Zölle benachteiligt wird - durch höhere Preise für alltägliche Güter.

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Laut Daten der New York Federal Reserve Bank trieben im vergangenen Jahr allein die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium vom März und die Zölle auf chinesische Waren vom Juli den Verbraucherpreisindex um 0,3 Prozentpunkte in die Höhe. Für die Zölle auf Waschmaschinen, verhängt im Jänner 2018, kamen Forscher der Universität von Chicago und der New Yorker Fed im April zu dem Schluss, dass US-Verbraucher im vergangenen Jahr insgesamt 1,5 Milliarden Dollar (1,3 Mrd. Euro) mehr auf den Tisch legten. Der Preis für eine Waschmaschine erhöhte sich damit durchschnittlich um 86 Dollar; ein Trockner kostete sogar 92 Dollar mehr.

Eine Million Arbeitsplätze in den USA in Gefahr

Das Problem ist zudem, dass die Zollgebühren nicht nur fertig verarbeitete Produkte wie Möbel oder Haushaltsgegenstände betreffen, sondern auch viele Zwischenprodukte der verzahnten Wertschöpfungsketten - darunter Stahl, Leder, Gummi und Plastik. Die Beratungsfirma Trade Partnership rechnet damit, dass die Erhöhung der Zölle auf chinesische Waren von 10 auf 25 Prozent für US-Normalbürger deutliche Mehrkosten bedeutet: Eine vierköpfige Familie müsse pro Jahr 767 Dollar mehr ausgeben. Bedroht seien dadurch eine Million Jobs.

Rund sieben Millionen Arbeitsplätze in den USA stehen in Zusammenhang mit dem Handel mit China; geschätzt 39 Millionen sind insgesamt vom Warenaustausch mit dem Ausland abhängig.

Trump wirft China unfaire Handelspraktiken vor und stößt sich vor allem am großen Defizit seines Landes im Handel mit der Volksrepublik. Zuletzt hatte er den Druck auf Peking auf ein Maximum gesteigert und kurz nach der jüngsten Verhandlungsrunde beider Länder angeordnet, eine Zollerhöhung auf so gut wie alle bisher noch ausgenommenen chinesischen Importe vorzubereiten.

"Wir wollen nachhaltige Änderungen der chinesischen Handelspraktiken, aber es ergibt keinen Sinn, als Verhandlungstaktik die Amerikaner zu bestrafen", beklagt French. "Wenn die Regierung mehr Druck auf China aufbauen will, sollte sie eine multinationale Koalition mit unseren Alliierten schmieden, die unsere Bedenken teilen."

China hatte zuletzt zwar einen deutlichen Einbruch bei den Exporten verzeichnet, der Handelsüberschuss gegenüber den USA blieb aber nahezu konstant.

Farmer "verlieren die Geduld"

Als Vergeltung für US-Zölle schraubte die Volksrepublik zudem die Zölle auf US-Agrarprodukte deutlich nach oben, betroffen sind vor allem Sojabohnen. Obwohl die Trump-Regierung die darunter leidenden US-Farmer mit zwölf Milliarden Dollar unterstützt, wächst bei den Bauern der Unmut. Mehrere republikanische Senatoren aus Staaten, die mehrheitlich für Trump stimmten, äußerten sich besorgt. Die Farmer "verlieren die Geduld", mahnte etwa Iowas Senatorin Joni Ernst - selbst wenn sie vielleicht gerade keine neue Waschmaschine brauchen.

(von Virginie Montet, AFP /APA/red)

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