Personalie

Große Betroffenheit über den Tod von Ludwig Scharinger

Ludwig Scharinger, langjähriger Chef der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, ist im 77. Lebensjahr gestorben. Aus Politik und Wirtschaft kommen zahlreiche Bekundungen der Betroffenheit und Trauer.

Ludwig Scharinger ist im 77. Lebensjahr gestorben. Hier im Bild sein Auftritt bei Fabrik2010 in Linz, einer Veranstaltung von Fraunhofer Österreich und INDUSTRIEMAGAZIN.

Der langjährige Chef der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Ludwig Scharinger, ist heute im 77. Lebensjahr gestorben. Das teilte die Bank am Donnerstag mit. Scharinger war von 1985 bis 2012 Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank.

Scharinger war in seiner aktiven Zeit einer der einflussreichsten Führungskräfte in der österreichischen Raiffeisen-Gruppe. Ihm wurde damals zeitweise mehr Macht zugeschrieben als dem Landeshauptmann.

Jagdunfall in Sibirien

Ein Jahr nach seinem Rückzug von der Landesbank-Spitze hatte der Banker - er war unter anderem auch Vorsitzender der Österreichisch-Russischen Gesellschaft - bei einem Sturz nach einem Jagdausflug in Sibirien (Jekaterinburg) lebensgefährliche Kopfverletzungen erlitten, von denen er weitgehend genesen war. Trotzdem war er gesundheitlich angeschlagen.

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Kanzler Kurz: Österreich verliert "umsichtige und prägende Persönlichkeit"

Der Tod von Ex-RLB-Oberösterreich-Generaldirektor Ludwig Scharinger hat am Donnerstag etliche Reaktionen aus der Politik - bis hinauf zu Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) - ausgelöst. Letzterer bedauerte, dass Österreich eine "umsichtige und prägende Persönlichkeit" verliere.

Scharinger habe sich "Zeit seines Lebens dafür eingesetzt, dass sich sein Heimatbundesland Oberösterreich vor allem als Wirtschaftsstandort gut entwickelt", so Kurz in einer Aussendung. Als "innovativer, umsichtiger und bodenständiger Manager" habe er "stets die nachhaltige Entwicklung und die Sicherung des Wohlstandes in den Mittelpunkt gestellt", betonte der Kanzler.

Vizekanzler Strache: "Offenes und aufrechtes Gegenüber"

Auch Vizekanzler und FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache, ÖVP-Klubobmann August Wöginger und der stellvertretende SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder sehr betroffen.

"Ludwig Scharinger war uns immer ein offenes und aufrechtes Gegenüber. Ein Handschlag hatte bei ihm Gewicht und sein Wort und Versprechen Gültigkeit. Ich wünsche der Familie viel Kraft in diesen schweren Tagen, sein Andenken wird uns allen in steter Erinnerung verbleiben", erklärte Strache in einer Aussendung.

Ministerin Schramböck: "Große Persönlichkeit"

Ähnlich äußerte sich auch Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), die den Banker als "große und sehr vielfältige Persönlichkeit, die sich unermüdlich für die Stärkung unseres Wirtschaftsstandortes eingesetzt hat" lobte. Scharinger habe den österreichischen Raiffeisensektor wesentlich geprägt, stellte die Wirtschaftsministerin fest.

Scharinger zähle "zu den Autoren der ökonomischen Erfolgsgeschichte unseres Landes", so Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) in einer Aussendung. "Er gehörte zu jenen, die das Gesicht dieses Landes mitgestaltet haben, indem sie dem Neuen Tür und Tor geöffnet haben." Zudem habe er "Verantwortung für das Ganze übernommen", indem die RLB in der Wirtschaftskrise 2008 und 2009 viele Betriebe in Oberösterreich begleitet habe. Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) zeigte sich ebenfalls betroffen und lobte Scharinger als "einen der erfolgreichsten Manager in Oberösterreich" und begnadeten Netzwerker.

Zweite Nationalratspräsidentin Bures: "Ein wichtiger Berater in den ÖBB"

Betroffen zeigte sich auch die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ). "Ludwig Scharinger beherrschte das Finanzwesen und die Wirtschaftspolitik wie nur Wenige und war in den ÖBB ein wichtiger Berater", so Bures, die Scharinger 2012 als damalige Infrastrukturministerin in den ÖBB-Aufsichtsrat holte.

Mit Scharinger verliere Oberösterreich "einen Mann, der unser Bundesland und seine Wirtschaft mehr als ein Vierteljahrhundert lang geprägt hat", würdigte SPÖ-Landesvorsitzende Landesrätin Birgit Gerstorfer den Verstorbenen. Der Bankmanager habe "auch keine Berührungsängste zu den politischen Parteien" gehabt, erinnerte sie an seine langjährige Freundschaft mit dem ehemaligen Linzer SPÖ-Bürgermeister Franz Dobusch.

Seitens der Stadt Linz hieß es, man verliere mit Scharinger "eine nicht nur in Kreisen der Wirtschaft hoch geachtete Persönlichkeit". Der Banker sei "als Brückenbauer und Netzwerker" auch an der Errichtung wichtiger infrastruktureller Einrichtungen wie dem Design-Center oder der Weiterentwicklung des Areals zwischen ORF-Gebäude und Südbahnhofmarkt beteiligt gewesen.

Auch ÖVP-Klubobmann August Wöginger würdigte den Banker namens des gesamten Parlamentsklubs der Österreichischen Volkspartei: "Ludwig Scharinger war Vorreiter in vielen Bereichen. Er hat nicht nur die Raiffeisenbank Oberösterreich geprägt, sondern den ganzen Wirtschaftsstandort Oberösterreich. Unter der Führung von Ludwig Scharinger ist die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich in kurzer Zeit zur einer starken Regionalbank Österreichs geworden. Scharinger, 27 Jahre lang Vorstandschef, war zudem nicht nur ein leidenschaftlicher Banker, sondern auch ein begeisterter und begnadeter Trompetenspieler und gewiefter Tarockierer", so Wöginger in einer Aussendung. Die Anteilnahme gelte nun Scharingers Familie.

Der stellvertretende SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder ist ebenfalls tief betroffen über das Ableben von Ludwig Scharinger. Dieser war "immer mehr als nur ein erfolgreicher Bankmanager, er hat die Entwicklung der ganzen Wirtschaft und Industrie im Blick gehabt". Und wie Schieder hinzufügt: "Ich habe damals als Finanzstaatssekretär Ludwig Scharinger als einen Mann der Wirtschaft kennengelernt, der immer auch die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen gesehen hat." Den Angehörigen spricht Schieder sein tief empfundenes Beileid aus. (apa/red)