Zulieferer

Grammer: Einstieg von Chinesen perfekt, Existenzkampf geht weiter

Autozulieferer Grammer fixiert den Einstieg eines "weißen Ritters" aus China, um die Machtübernahme des bosnischen Investors Hastor zu verhindern. Das Problem: Viele Hersteller überlegen schon jetzt sehr genau, Grammer zu beauftragen.

Das ist ein Symbolbild.

Der bayerische Autozulieferer Grammer kann auf der Hauptversammlung auf die Stimmen des chinesischen Konkurrenten Ningbo Jifeng zählen. Jifeng habe die im Februar für 60 Mio. Euro gezeichnete Wandelanleihe in Grammer-Aktien umgetauscht und halte damit nun knapp neun Prozent, teilte das Unternehmen aus Amberg in der Oberpfalz mit.

Der oberpfälzische Hersteller von Armlehnen, Kopfstützen oder Mittelkonsolen hofft auf die Chinesen, um den Angriff der Unternehmerfamilie Hastor abzuwehren, die hinter dem Autozulieferer Prevent steht und mehr als 20 Prozent an Grammer hält. Mit der Kapitalerhöhung zugunsten von Jifeng verwässert sich ihr Anteil.

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Die aus Bosnien stammenden Hastors hatten deshalb versucht, den Einstieg des "weißen Ritters" aus China auf juristischem Wege zu verhindern. Sie wollen Grammer-Chef Hartmut Müller stürzen und fünf Aufsichtsräte durch eigene Leute ersetzen. Mit den Stimmen von Jifeng sinken aber die Chancen der Familie, ihre Vorstellungen auf der Hauptversammlung durchzusetzen.

Prevent war 2016 durch einen öffentlichen Streit mit Volkswagen bekannt geworden. Die Auseinandersetzung hatte zeitweise die Produktion des Autobauers in Wolfsburg lahmgelegt.

Abwehrkampf bedroht die Existenz des Zulieferers

Allerdings warnt der deutsche Autozulieferer weiter vor existenzbedrohenden Folgen des Machtkampfs mit der Unternehmerfamilie Hastor. Die Auftragseingänge aus der Autobranche seien von dem Einstieg der Bosnier als Großaktionär spürbar belastet, erklärte Grammer. Das Unternehmen hat jedoch im Hinblick auf den sprudelnden Quartalsgewinn seine Jahresprognose bekräftigt.

Die Ordereingänge seien erstmals seit dem Ende der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2010 rückläufig. Die Lage könne sich bei einer Kontrollübernahme auf der Hauptversammlung am 24. Mai und einem fortgesetzten Engagement der Familie Hastor verschärfen.

Grammer zufolge könnten Hersteller entscheiden, Aufträge nicht mehr an Grammer zu vergeben. "Dies würde eine substanzielle Gefährdung der Auftragslage und damit der Zukunft des Unternehmens zur Folge haben", erklärte das Unternehmen.

Ein gutes erstes Quartal

Zahlen zum Auftragseingang nannte Grammer nicht. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 7,5 Prozent auf 458 Mio. Euro. Der Vorsteuergewinn schoss sogar um 52 Prozent auf 22,5 Millionen Euro in die Höhe.

Der Vorstand bekräftigte die Prognose, dass Grammer im Gesamtjahr den Umsatz um rund fünf Prozent steigern und eine Umsatzrendite vor Steuern von ebenfalls fünf Prozent erreichen werde. Der Streit mit Hastor sei dabei nicht berücksichtigt, da mögliche Folgen noch nicht abschließend bewertet werden könnten. Die bosnische Investorenfamilie Hastor will Grammer-Chef Hartmut Müller stürzen und fünf Aufsichtsratsmitglieder durch eigene Leute ersetzen.  (red/reuters/apa)

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