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Logistik

Goldgrube Lagerbestände in KMUs

Der Planung von Lagerbeständen wird in österreichischen KMUs meist nur geringe Bedeutung zugemessen.

Blog Logistik Fraunhofer Austria Heimo Pascher

Der Fokus von Optimierungsprojekten in Unternehmen liegt großteils auf der Produktion, die Bestände werden vernachlässigt. Erst wenn durch ein Unternehmenswachstum Engpässe im Lager oder in der Materialbereitstellung entstehen bzw. zu hohe Lagerbestände negative Auswirkungen auf die Liquidität des Unternehmens haben, wird das Lager näher betrachtet.

Problemstellung: Überbestände im Lager

Um die Materialversorgung in der Produktion sicherzustellen, wird im Einkauf gerne „etwas mehr als unmittelbar notwendig“ bestellt. Schließlich will der Einkauf nicht für mögliche Fehlmengenkosten durch einen Produktionsstillstand verantwortlich gemacht werden. Die daraus resultierenden Überbestände verursachen jedoch unnötig hohe Kapitalbindung im Lager und blockieren benötigte Logistikflächen. Ändern sich Komponenten von Produkten, kann dies im schlimmsten Fall bis zu einer kompletten Entwertung der bereits eingelagerten Waren führen.

Fallbeispiel: Maschinen- und Anlagenbauer aus Österreich (KMU)

Aufgrund von Engpässen im Lager bzw. einer zu hohen Kapitalbindung hat ein Maschinen- und Anlagenbauer aus der Steiermark ein Optimierungsprojekt mit Fraunhofer Austria angestoßen. Durch unterschiedliche Analysen von Lagerbewegungen, Lagerbeständen und den betreffenden Unternehmensprozessen konnte ein großes Potential zur Lagerbestandsreduktion identifiziert werden. Durch Auswahl der bestmöglichen Beschaffungsstrategie sowie durch Berechnung des optimalen Bestandslevels konnte der Lagerbestand bei gleichbleibender Lieferfähigkeit nachhaltig um 50 Prozent reduziert werden. Die reduzierte Kapitalbindung im Lager sowie die gewonnenen Logistikflächen erleichtern nun die geplante Expansion des Unternehmens in neue Märkte.  

White Paper zum Thema

Die Erfahrung aus zahlreichen Industrieprojekten zeigt, dass in den österreichischen KMUs ein großes Potential zur Lagerbestandsreduktion vorliegt. Als Kennzahl zur Überwachung der Lagerbestandshöhe eignet sich die Lagerhaltungsdauer („Days Inventory Held“), welche sich aus dem Verhältnis des durchschnittlichen Lagerbestands zum Unternehmensumsatz berechnen lässt. Die Top 25 Prozent der Maschinen- und Anlagenbauer haben eine Lagerhaltungsdauer von unter 38 Tagen.  Wenn die Lagerhaltungsdauer mehr als 38 Tage beträgt, sind Einsparungspotentiale sehr wahrscheinlich.  Kurzfristig realisierbare Maßnahmen zur Lagerbestandssenkung und die damit verbundene Kostensenkung führen zu einer kurzen Amortisationsdauer von Optimierungsprojekten.

Heimo Pascher ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Logistikmanagement bei Fraunhofer Austria.

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