Stahlindustrie

Gewinneinbruch bei der Voestalpine - aber kein weiterer Stellenabbau

Massiver Gewinnrückgang bei der Voestalpine: Die Sparte Automotive und die teuren Rohstoffe sorgen für Probleme. Nach den Kündigungen bei Voestalpine Tubulars soll es in Österreich keinen weiteren Stellenabbau geben - zumindest beim Stammpersonal. Hier die Details.

Der Stahlkonzern Voestalpine hat heuer im ersten Quartal einen massiven Gewinnrückgang verzeichnet. Auf dem Ergebnis lasten vor allem die deutlich gebremste Automobilkonjunktur, massive Anlaufschwierigkeiten im neuen US-Autowerk in Cartersville sowie höhere Rohstoffkosten. "Wir sind sehr stark von der Automobilindustrie abhängig", so der neue Konzernchef Herbert Eibensteiner in einer Telefonkonferenz.

Rohstoffpreise steigen - dazu kommt Flaute der Autoindustrie

Hinzu kämen heuer höhere CO2-Zertifikate-Kosten - sie sollen gegenüber dem Vorjahr von 69 auf rund 100 Mio. Euro steigen. 2018/19 produzierte die Voestalpine 6,8 Millionen Tonnen Rohstahl -, allerdings stand im Sommer 2018 ein Hochofen in Linz mehrere Monate wegen routinemäßiger Reparatur still. Heuer werde die Auslastung voraussichtlich um 5 Prozent unter der Maximalkapazität liegen.

Unter dem Strich sank der Gewinn des Linzer Unternehmens im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 (per Ende März 2020) gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 60 Prozent von 226,3 auf 90,4 Mio. Euro (vor Abzug von nicht beherrschenden Anteilen und Hybridkapitalzinsen). Der Konzern hat beim Personal in der Steiermark im Juli bereits kräftig an der Personalschraube gedreht und 125 Mitarbeiter gekündigt. In Österreich sei nun aber kein weiterer Stellenabbau zu befürchten, hieß es.

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Voest schickt jeden zehnten Mitarbeiter bei Voestalpine Tubulars heim

Vor knapp zwei Wochen, also schon im zweiten Geschäftsquartal, wurden 125 der 1.300 Mitarbeiter der steirischen Voestalpine Tubulars in Kindberg beim Arbeitsmarktservice AMS angemeldet. Das Management will damit eine "Jahreseinsparung von 100 Mio. Euro" erreichen. "Ich gehe davon aus, dass die Hälfte davon noch heuer wirksam wird", sagte Eibensteiner. Aktuell dazu: Voestalpine Tubulars schickt jeden zehnten Mitarbeiter heim - weitere Einschnitte wahrscheinlich >> 

In dem Werk werden Rohre etwa für die Erdöl- und Erdgas-, aber auch für die Kfz-Industrie hergestellt. Als Auslöser für die Maßnahme wurden in erster Linie Belastungen infolge der US-Strafzollpolitik genannt. Für etwa 80 Arbeitnehmer seien Stellen im Voestalpine-Konzern oder Plätze in der firmeneigenen Stahlstiftung gefunden worden, so der CEO. "In allen anderen Werken wird es keine Kündigungen geben", betonte der Konzernchef.

Keine weiteren Kündigungen geplant - zumindest beim Stammpersonal

Beim Stammpersonal würden nun Überstunden reduziert, Urlaub abgebaut und nicht alle frei werdenden Stellen nachbesetzt. "Das wird aus unserer Sicht ausreichen, in Österreich keine zusätzlichen Kündigungen zu brauchen."

Diese Aussage bezieht sich allerdings nur auf das Stammpersonal. Die Voestalpine beschäftigt zudem aber rund 1.500 Leiharbeiter in Österreich. "Das ist natürlich auch der Spielraum, den wir haben", räumte Eibensteiner ein. "Wir werden auf der Mitarbeiterseite auch beim Leasingpersonal Einsparungen treffen." Konkrete Zahlen über etwaige weitere Stellenstreichungen in diesem Bereich wollte er keine nennen. Im ersten Quartal arbeiteten weltweit 51.670 Mitarbeiter für die Voestalpine.

Verkaufserlöse gesunken

Zum Start des neuen Geschäftsjahres 2019/20 sanken die weltweiten Verkaufserlöse des Unternehmens zwischen April und Juni um 3,8 Prozent auf 3,3 Mrd. Euro. "Alle vier Divisionen des Konzerns waren mit einem Umsatzrückgang konfrontiert", berichtete der neue Voestalpine-Chef. Die Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital) verschlechterte sich von 49 auf 58 Prozent. Dies sei - neben den genannten anderen Problemen - auch der Umstellung auf den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 16 (International Financial Reporting Standard) bei der Leasingbilanzierung geschuldet. Die Nettofinanzverschuldung des Konzerns habe sich um 440 Mio. Euro erhöht.

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Anlaufschwierigkeiten im Autowerk in Cartersville in den USA

An der Behebung der Anlaufschwierigkeiten im US-Automobilwerk in Cartersville, die "mitbestimmend für das verringerte Ergebnis" im ersten Quartal waren, wird seit Monaten auf Hochtouren gearbeitet. Derweil fallen Verluste an. "Cartersville ist nach wie vor im Hochlaufen", so Eibensteiner am Mittwoch. Es gehe vor allem um "Qualitätslenkungsmaßnahmen", konkret etwa um eine Verringerung des dort noch produzierten Ausschusses, und einer Senkung von Eillieferungen an Kunden, "die natürlich sehr viel Geld kosten".

Ein "Bündel von Maßnahmen" sei zu setzen. "Wir werden dort in Summe laufend besser, haben im ersten Geschäftshalbjahr natürlich noch negative Effekte." Positive Ergebnisbeiträge erwartet Eibensteiner erst am Ende des laufenden bzw. zu Beginn des kommenden Geschäftsjahres, also ab März/April 2020. (APA/red)

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