Bauindustrie

Genehmigungen im deutschen Wohnbau gehen zurück

Der Wohnbau in Deutschland zählt zu den stärksten Treibern der österreichischen Bauindustrie. Doch im ersten Halbjahr ist die Zahl der neuen Genehmigungen gesunken - obwohl der Bedarf wegen der weiter anhaltenden sehr hohen Zuwanderung weiter da ist.

Bauindustrie Deutschland Konjunktur Statistisches Bundesamt

Trotz des wachsenden Bedarfs vor allem in Großstädten ist in Deutschland die Zahl der Genehmigungen für den Bau von Wohnungen im ersten Halbjahr gesunken. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum kam es zu einem Rückgang von 2,3 Prozent auf 164.600, wie das deutsche Statistische Bundesamt mitteilte.

Die Zusagen für Zweifamilienhäuser sanken mit 4,7 Prozent am stärksten, die für Mehrfamilienhäuser verringerten sich um 3,2 Prozent. Bei Einfamilienhäusern gab es hingegen nur ein kleines Minus von 0,1 Prozent.

Die Baubranche macht die Politik für den Negativtrend mitverantwortlich. "Insbesondere der Rückgang im Mehrfamilienhausbau sollte - mit Blick auf die anhaltende Wohnungsknappheit in unseren Großstädten - für die Politik ein Warnruf sein", mahnte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel. Die anhaltende Diskussion über Enteignung und Mietendeckel könne dazu führen, dass sich der Rückgang im zweiten Halbjahr fortsetze. "Denn damit kurbelt man den Wohnungsbau nicht an", betonte Babiel. "Hiermit erreicht man nur, dass sich Investoren zurückziehen."

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Die staatliche Förderbank KfW sieht nicht so schwarz. Derzeit harrten noch etwa 600.000 Wohnungen der Fertigstellung, die in den vergangenen Jahren genehmigt worden seien. Insbesondere in den teuren und wachsenden Ballungsregionen müsse aber "weiterhin etwas gegen Wohnungsknappheit und Überforderung von Mietern getan werden", forderte KfW-Ökonom Martin Müller.

Der deutsche Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen bemängelt vor allem das Fehlen von verfügbaren Flächen. "Der Grundstücksmarkt, der den Flaschenhals für mehr Baugenehmigungen bildet, ist nahezu ausgetrocknet", stellte Verbandspräsident Andreas Ibel fest. "Jetzt sind die Kommunen gefragt, ausreichend bezahlbares Bauland auszuweisen und Verfahren zu beschleunigen." Andernfalls bleibe der Wohnungsneubau auf der Strecke.

2018 wurden in Deutschland so viele Wohnungen fertiggestellt wie seit 16 Jahren nicht mehr - insgesamt 285.900. Union und SPD streben im Koalitionsvertrag an, bis 2021 rund 1,5 Millionen Wohnungen zu bauen - das wären 375.000 pro Jahr. Experten halten dieses Ziel allerdings für nicht mehr erreichbar. (reuters/apa/red)

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