Industriekonjunktur

Gedrückte Stimmung bei Managern in Deutschland

Für den Februar verzeichnet der wichtige Ifo-Index den sechsten Rückgang in Folge und den schlechtesten Wert seit vier Jahren. Gründe sind der Handelskonflikt mit den USA, die Gefahr eines chaotischen Brexit sowie eine aufkommende Flaute der Weltkonjunktur.

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Handelsknoflikt mit den USA, Brexit-Gefahr, weltweite Konjunkturflaute: Die Stimmung unter deutschen Top-Managern ist angesichts geballter Risiken so schlecht wie seit über vier Jahren nicht mehr. Das Barometer für das Geschäftsklima sank im Februar unerwartet deutlich um 0,8 auf 98,5 Punkte und damit bereits den sechsten Monat in Folge.

"Die deutsche Konjunktur bleibt schwach", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest zu der veröffentlichten Umfrage unter 9.000 Führungskräften. Einige Ökonomen beziffern das Rezessionsrisiko inzwischen auf 40 Prozent. Experten raten dem deutschen Staat angesichts der Rekordüberschüsse zum Gegensteuern - etwa durch mehr Investitionen.

"Unternehmen verfallen noch nicht in Panik"

Die Führungskräfte beurteilten nicht nur ihre Geschäftslage schlechter, sondern auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate. "Der Pessimismus schleicht sich in die deutsche Wirtschaft", sagte Ifo-Experten Klaus Wohlrabe. Das Klima trübte sich sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistern und in der Baubranche ein. Lediglich der Handel stemmte sich gegen den Abwärtstrend.

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"Die Unternehmen verfallen noch nicht in Panik", sagte Wohlrabe. Sollte US-Präsident Donald Trump aber seine Drohung wahr machen und Strafzölle auf europäische Autos erheben, "rechne ich mit einem Absturz der Exporterwartungen". Fahrzeuge sind seit 2010 der größte deutsche Exportschlager. Wichtigster Abnehmer sind die USA: 2018 beliefen sich die Ausfuhren dorthin auf 27,2 Mrd. Euro.

Risiko einer Rezession steigt

Das Risiko einer Rezession - mindestens zwei Quartale in Folge mit schrumpfender Wirtschaftsleistung - ist inzwischen merklich gestiegen. "Auf Basis unseres Modells, in das die Ifo-Geschäftserwartungen eingehen, beträgt die Rezessionswahrscheinlichkeit mittlerweile fast 40 Prozent", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. Vor allem der Gegenwind aus der Weltwirtschaft mache den deutschen Unternehmen schwer zu schaffen.

Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2018 wuchs Europas größte Volkswirtschaft nicht mehr: Auf den Rückgang von 0,2 Prozent im dritten folgte eine Stagnation im vierten Quartal. Für das laufende erste Vierteljahr rechnet das Ifo-Institut derzeit mit einem Wachstum von 0,2 Prozent. Die deutsche Regierung erwartet im Gesamtjahr ein Wachstum von 1,0 Prozent. 2018 hatte es noch zu 1,4 Prozent gereicht, 2017 zu 2,2 Prozent. (reuters/apa/red)