Atomkraft

Frankreichs Energieriese EDF erwartet Bau neuer Atomkraftwerke

Das "Atomland" Frankreich könnte in den nächsten Jahren neue Atomkraftwerke bekommen. Das AKW Fessenheim an der Grenze zu Deutschland wird trotzdem nächstes Jahr stillgelegt.

Frankreich richtet sich nach Einschätzung des Energiekonzerns EDF auf den Bau neuer Atomkraftwerke ein. Eine Entscheidung darüber müsse von der Politik getroffen werden, sagte Konzernchef Jean-Bernard Lévy der Tageszeitung "Le Monde".

Der Zeitung zufolge hat die französische Regierung den Konzern offiziell gebeten, die Machbarkeit von sechs Reaktoren vom Typ des europäischen Druckwasserreaktors (EPR) im Land zu untersuchen. "Es ist deutlich, dass sich Frankreich darauf vorbereitet, neue Atomkraftwerke zu errichten", sagte Lévy. "Man hat mich gebeten, eine Entscheidung für Mitte 2021 vorzubereiten."

Staatschef Emmanuel Macron hatte vor knapp einem Jahr zugesagt, dass das umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim in der Nähe von Freiburg an der deutschen Grenze im Sommer 2020 endgültig geschlossen werden soll. Bis 2035 sollten zusätzlich zwölf Atomreaktoren an anderen Standorten abgeschaltet werden, hatte er angekündigt. Fessenheim ist seit 1977 am Netz und damit das älteste noch laufende Kernkraftwerk Frankreichs. Kritikern gilt es seit langem als Sicherheitsrisiko.

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Der neue Atomreaktor in Flamanville am Ärmelkanal werde bis Mitte 2021 nicht in Betrieb gehen, kündigte Lévy an. Der Konzern hatte unlängst angekündigt, dass die Kosten um 1,5 Milliarden Euro auf 12,4 Milliarden Euro steigen werden. Grund sind Probleme an den Schweißnähten. Ein grundsätzliches Problem mit dem EPR gebe es nicht, sagte Lévy. Er verwies auf den weltweit ersten EPR im chinesischen Taishan, der bereits laufe.

Frankreich gilt als "Atomland" und betreibt nach früheren Angaben 58 Atomreaktoren. Mehr als 70 Prozent der französischen Stromproduktion kommen aus der Kernkraft. EDF gehört mehrheitlich dem französischen Staat. (dpa/apa/red)

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