Bahnindustrie

Frankreichs Bahn bestellt 21 Züge bei Alstom - die sie nicht braucht

Die französische Bahngesellschaft SNCF hat beim Hersteller Alstom 21 neue TGV-Schnellzüge und 20 Diesellokomotiven bestellt. Ziel der Pariser Regierung ist es, den Fortbestand eines Werks von Alstom zu sichern.

Im Streit um eine Teilschließung des Alstom-Werks im ostfranzösischen Belfort ist offenbar ein Kompromiss gefunden. Die staatliche Eisenbahngesellschaft SNCF bestelle 21 neue TGV-Schnellzüge bei Alstom sowie 20 Diesellokomotiven, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Verhandlungskreisen. Alstom habe sich bereit erklärt, bis 2020 insgesamt 40 Mio. Euro in das Werk zu investieren.

Der unter Auftragsrückgängen leidende Zugbauer wollte das historische Werk in Belfort eigentlich größtenteils schließen. Die Zugproduktion sollte bis 2018 ins elsässische Reichshoffen verlagert werden, Belfort sollte sich auf die Wartung von Zügen konzentrieren. Der überwiegende Teil der Arbeitsplätze dort wäre weggefallen.

Die französische Regierung hat es sich jedoch zum Ziel gesetzt, das Werk in Belfort und die Jobs zu retten. Auch Staatschef Francois Hollande schaltete sich persönlich in die Diskussion ein. Der Staat ist Anteilseigner des Konzerns, hält im Verwaltungsrat aber nur 20 Prozent der Stimmrechte.

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SNCF: Brauchen die Züge nicht

Dabei hat SNCF bisher stets erklärt, sie habe keinen Bedarf für die nun von der Regierung angeschafften Züge, berichet die Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Doch nach den Vorstellungen der Regierung von Staatspräsident François Hollande sollen die neuen Hochgeschwindigkeitszüge "in Vorwegnahme des späteren Ausbaus" auf Strecken eingesetzt werden, auf denen nur normales Tempo gefahren werden kann. SNCF soll sie betreiben.

Die staatlich kontrollierte Bahngesellschaft SNCF hat bisher stets erklärt, sie habe keinen Bedarf für die nun von der Regierung angeschafften Züge. Die neuen Hochgeschwindigkeitszüge sollen nach den Vorstellungen von Hollandes Regierung "in Vorwegnahme des späteren Ausbaus" auf Strecken eingesetzt werden, auf denen nur normales Tempo gefahren werden kann. SNCF soll sie betreiben.

Der Rettungsplan

Die Anschaffung der 15 TGV-Züge ist der wichtigste Teil eines Pakets, mit dem das Werk im ostfranzösischen Belfort zumindest bis zum Jahr 2020 gesichert werden soll. Im Staatshaushalt ist diese Investition nicht vorgesehen. Alstom wollte das Werk ursprünglich bis 2018 fast völlig schließen.

Aus einer Mitteilung von Industrie-Staatssekretär Christophe Sirugue geht hervor, dass SNCF sich ferner so rasch wie möglich mit Alstom über den Preis für die schon länger geplante Anschaffung von sechs TGV-Zügen für eine Strecke zwischen Paris und Mailand einigen soll. In Branchenkreisen wird das Auftragsvolumen auf etwa 200 Mio. Euro geschätzt. Zudem wird SNCF 20 Diesel-Lokomotiven bestellen, mit denen auch TGV-Züge abgeschleppt werden können. Alstom werde insgesamt bis 2020 rund 40 Mio. Euro in diverse Vorhaben in Belfort investieren, davon 30 Mio. Euro in eine neue Lokomotive.

Kritik von der Opposition

Die Opposition kritisierte die Entscheidung. Senatspräsident Gerard Larcher von den gaullistischen Republikanern sprach von "wahltaktischem Flickwerk": "Die eigentliche Aufgabe der Regierung sollte es sein, für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu sorgen." Der konservative Ex-Premierminister Francois Fillon, der sich um eine Präsidentschaftskandidatur bemüht, sagte: "Wenn die SNCF diese Züge nicht braucht, dann wird sich ihre schon jetzt unbeherrschbare finanzielle Lage noch weiter verschlechtern."

(red/afp/dpa/apa)

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