Wertschöpfungskette

Forecasts-Teams

Um Nachfrageschwankungen im Modulgeschäft abzufedern, krempelte Flextronics seine Prozesse um: Produktion und Lager sind nun in Kärnten die Ruhepole des Unternehmens.

Wie so oft werden bei Flextronics auch Mitte April gerade die Bereiche Produktion umgemodelt. Je nach Serie adaptiert der Betrieb die Layouts der Linien – so spart man wertvolle Meter ins Lager. Der Betrieb konnte so seine Durchlaufzeiten spektakulär von einer Woche auf einen Tag verkürzen. Dank eines Milkrun-Konzepts sind Werkzeuge und Vormaterialien nun schneller am Arbeitsplatz.

Und auch 14-tägige Forecasts sind seit geraumer Zeit passé: „Wir verkürzten auf wöchentliche Prognosen, die auch den Mitarbeitern im Lager und in der Produktion „das Leben erleichtern“, schildert Wertstrom-Manager Martin Schlintl. Aktionen, die der Kunde natürlich begrüßt – wie auch Forecast-Feedback-Calls. „Der Kunde darf jederzeit in unser Planungstool schauen“, erklärt Schlintl. „Diese Transparenz schafft Vertrauen“, so Wertstrom-Manager Martin Schlintl.

Nur ein Viertel arbeitet mit dem "Instrument Kooperation"

„Viele reden über das Toyota-System und setzen Maßnahmen“, beobachtet Franz Staberhofer, Studiengangsleiter an der FH Steyr und Vorstand des Vereins Netzwerk Logistik. Dabei würden sie aber eins vergessen: „Offenheit“. Kooperationen sind eine Möglichkeit, Kosten einzusparen, weiß man auch bei der Wirtschaftskammer. „63 Prozent unserer Befragten sprechen von Einsparungen bis zu zehn Prozent“, schildert Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr. Nur ein Viertel arbeite allerdings „mit dem Instrument Kooperation“, so Klacska. Jürgen Hess, CEO der Miebach Consulting Gruppe, sekundiert: Vielen würde es schwerfallen, „Vertrauen aufzubauen“.

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Workshops

Das Problem gibt es in Althofen nicht. Regelmäßige Workshops mit Kunden und Schlüssellieferanten – etwa dem Printplattenhersteller Multek – sind gut eingeführt. Lieferanten müssten jetzt zwar schneller liefern – aber sie werden mit kleineren Liefermengen und besserer Planbarkeit  entschädigt. „Jeder gewinnt“, meint Produktionschef Siegfried Baumann. Franz Staberhofer, Vorstand des Vereins Netzwerk Logistik, gefällt dieses Denken. Betriebe müssten lernen, „nicht nur in Produkte, Märkte, Maschinen und IT zu investieren“, sagt er. Sondern auch „in Kooperationen“, so Staberhofer. Freilich: Wer nicht mitzieht, hat es bei den Kärntnern schwer.

Der Elektronikbetrieb will seinen Lieferantenpool demnächst verkleinern – alles muss ja im Fluss bleiben. Wie Mitte April auch in der Medizintechnik-Produktion der Althofener zu sehen ist. Im Reinraum entstehen dort elektronische Injektionsgeräte im handlichen Handyformat. Patienten können sich so selber Medikamente verabreichen. Minimale Bestände und flexible Montagestationen sind auch hier längst umgesetzt. Und für hüben wie drüben gilt: Es herrscht eine unglaubliche Ruhe. Bilderflut inklusive.

Daniel Pohselt

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