Luftfahrtzulieferer

FACC sucht jetzt nach Übernahmen in der Metallindustrie

Der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC meldet ein Auftragspolster von 6,5 Milliarden Dollar und hält jetzt Ausschau nach Zukäufen, etwa in der Metallindustrie. Die Prognose für das laufende Jahr hat der Hersteller zuletzt bestätigt.

Der börsennotierte oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC profitiert vom Boom in der Luftfahrt und wächst weiter. Der Auftragspolster lag stieg im ersten Halbjahres auf 6,5 Mrd. US-Dollar (5,62 Mrd. Euro) und lag damit deutlich höher als zum Ende des Geschäftsjahres 2017/18 mit 5,9 Mrd. Dollar. Mitarbeiter werden eingestellt. Neben organischem Wachstum hat man verstärkt Zukäufe im Visier. Aktuell dazu: Mehr Umsatz und deutlich weniger Gewinn bei FACC >>

FACC will jetzt zukaufen - zum Beispiel in der Metallindustrie

Die FACC werde organisch und nicht-organisch wachsen. Es gebe Unternehmen, die man sich anschaue, in letzter Zeit auch etwas mehr außerhalb Europas, sagte FACC-Chef Robert Machtlinger bei der Halbjahrespressekonferenz. Es gebe dabei drei strategische Ansätze, den Zukauf von Technologien, von Marktvolumen oder vertikale Integration - die Eingliederung von Wertschöpfungsstufen.

So sei der Zukaufanteil der FACC an metallischen Komponenten relativ hoch, man kaufe in diesem Bereich um rund 150 Mio. Euro im Jahr zu. Wenn die Möglichkeit einer vertikalen Integration da sei und ein Unternehmen passt, wird eine solche vertikale Integration überlegt.

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Gerüstet hat man sich für das weitere organische und anorganische Wachstum mit einer Kreditvereinbarung über insgesamt 225 Mio. Euro. Abgeschlossen wurde der Konsortialkredit mit insgesamt sieben Banken unter Führung der UniCredit Bank Austria und der Raiffeisen Bank International (RBI), wie Mitte September bereits bekanntgegeben. Dazu: FACC vereinbart neuen Konsortialkredit für künftiges Wachstum >>

Luftfahrtindustrie boomt

FACC profitiert vom boomenden Luftfahrtmarkt, die Aussichten sind positiv. Bis 2037 wird ein jährliches Passagierwachstum von 5 Prozent erwartet. Weiters sollen bis dahin laut Airbus-Prognose bis dahin 37.390 Flugzeuge (mit mehr als 100 Sitzplätzen) ausgeliefert werden, davon 10.850 Maschinen als Ersatz etwa wegen hohen Treibstoffverbrauchs. Die Treibstoffkosten hätten sich in den vergangenen 18 Monaten verdoppelt, hieß es.

Heuer wird die weltweite Flotte mit 21.450 Flugzeugen angegeben, bis 2037 werden fast 48.000 prognostiziert. Wichtigste Wachstummärkte sind China, Indien und der Mittlere Osten. Mitmischen will die FACC auch bei Flugtaxis.

Von Airbus hat die FACC Mitte Juli einen mehr als 230 Mio. Euro schweren Großauftrag erhalten, mit dem für die A320-Flotte nun auch der Eingangsbereich gefertigt und gemeinsam entwickelt wird. Die Fertigung werde in der zweiten Jahreshälfte 2020 starten.

Hunderte neue Mitarbeiter - die meisten davon in Österreich

Handelshemmnisse und protektionistische Maßnahmen - Stichwort USA und China - hätten derzeit für die FACC keine Auswirkungen, bekräftigte Machtlinger. Und auch beim Thema Brexit gehe man nicht davon aus, dass es zu Verschiebungen komme. Man habe sich für London als Sitz der Steuerungsholding entschieden, in der der chinesische FACC-Hauptaktionär AVIC das Geschäft mit der Flugzeug-Innenausrüstung bündelt. Im Zuge dessen wird die FACC mit Schwesterfirmen zusammengespannt.

Der Wachstumskurs zeigt sich auch in steigenden Beschäftigungszahlen. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2018/19 (per Ende August) wurden 131 neue Mitarbeiter aufgenommen. Der Personalstand zum Ende des 2. Quartals 2018/19 betrug 3.434 Mitarbeiter. Insgesamt will man 700 neue Mitarbeiter aufnehmen, den Großteil davon in Österreich.

Millionenschwere Kapazitätserweiterungen

Investiert werden in einem mehrjährigen Programm über 100 Mio. Euro. In der ersten Phase mit einer Summe von 35 Mio. Euro werden 2018 die Kapazitätserweiterungen im Werk 1 und 4 in Betrieb genommen. Abgeschlossen ist die Verdoppelung der Betriebsfläche im US-Werk Wichita. Bei der Umsetzung der zweiten Phase im Volumen von 45 Mio. Euro geht es unter anderem um den Ausbau des Werk 3 sowie weiterführende Automatisierung und Investitionen zur Umsetzung der Vision 2020.

Im ersten Halbjahr 2018/19 (per Ende August) stieg der Umsatz um 4 Prozent von 358,7 auf 373,0 Mio. Euro. Das EBIT (Ergebnis von Zinsen und Steuern) ging auf 25,1 Mio. Euro (nach 29,7 Mio. Euro) zurück, der Halbjahresüberschuss nach Steuern um 12 Prozent auf 16,3 Mio. Euro.

Ausblick für das Gesamtjahr konkretisiert

Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde bestätigt und konkretisiert. Demnach erwartet das Unternehmen einen Umsatzzuwachs im einstelligen Prozentbereich in einer Bandbreite von 760 bis 770 Mio. Euro. "Die Ertragskraft ist zwar vorübergehend rückläufig, für das Gesamtjahr erwarten wir jedoch eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr", so Machtlinger laut Aussendung. Konkret wird ein operatives Ergebnis zwischen 52 und 55 Mio. Euro erwartet. (apa/red)