Luftfahrtindustrie

FACC-Gründer Walter Stephan will offenbar gegen seine Entlassung klagen

Der vom chinesisch dominierten Aufsichtsrat abgesetzte Chef des oberösterreichischen Flugzeugzulieferers FACC, Walter Stephan, will einem Medienbericht gegen seine Entlassung klagen. Der Firmengründer sehe "keine Schuld bei sich". Dagegen fällt Eingeweihten zufolge ein besonderes Licht auf die im Februar entlassene Finanzchefin Minfen Gu.

Der vor knapp zwei Wochen mit sofortiger Wirkung abberufene Chef des oberösterreichischen Flugzeugzulieferers FACC, Walter Stephan, will laut "Der Börsianer" gerichtlich gegen seine Entlassung durch die chinesischen Eigentümer vorgehen.

Der Unternehmensgründer und langjährige CEO "sieht keine Schuld bei sich und bringt die Klage allein schon aus Selbstschutz ein", berichtet das Medium unter Berufung auf einen Eingeweihten. Die Begründung für die Entlassung drei Monate nach Bekanntwerden eines firmeninternen Cyberbetrugs, der einen Schaden von rund 50 Mio. Euro verursachte, sei "äußerst dürftig ausgefallen".

Die Entscheidung für die Trennung von Stephan soll bei der Abstimmung in der vorausgegangenen Aufsichtsratssichtung vom 24. Mai recht knapp ausgefallen sein, wie INDUSTRIEMAGAZIN.at hier gemeldet hat.

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Offenbar haben alle vier Betriebsräte und der Amerikaner Gregory Peters, der sein Amt als Aufsichtsratsmitglied dann per 30. Mai "mit sofortiger Wirkung" zurückgelegt hat, für den Verbleib des FACC-Chefs gestimmt. Alle sechs chinesischen Aufsichtsräte waren gegen Stephan.

Ein Betrugsversuch bereits 2015

Heuer im Jänner hat der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC gemeldet, dass dem Unternehmen wegen eines Betrugs ein Schaden von rund 50 Millionen Euro entstanden sein dürfte. Das war offenbar nicht der erste Versuch: Dem Bericht von "Der Börsianer" zufolge soll das Unternehmen bereits 2015 ein Mail erhalten haben, in dem unter Vortäuschung einer falschen Identität ein Betrug versucht worden sei ("Fake-President-Trick").

Dem in dem Bericht zitierten Eingeweihten zufolge soll die Ursache für den dann tatsächlich stattgefundenen Millionenbetrug "im Rechnungswesen, der IT-Abteilung und im internen Kontrollsystem liegen". Dafür soll dem Eingeweihten zufolge vor allem die ehemalige Finanzvorständin Minfen Gu verantwortlich sein. Sie wurde Anfang Februar entlassen.

Seit 2009 in der Hand des chinesischen Waffenherstellers Avic

Die FACC ist seit 2009 mehrheitlich in chinesischer Hand. Damals hat die staatliche chinesische Luftfahrt- und Militärindustrie Avic über ihren kommerziellen Arm die Firma mit Sitz in Ried (Oberösterreich) fast zur Gänze übernommen. 2014 schickten die Chinesen die FACC dann an die Börse.

Heute hält Avic 55 Prozent am Unternehmen. Knapp 5 Prozent hält der Erste-Group-Konzern (über Töchter), 39,6 Prozent sind im Streubesitz. Die Gruppe machte 2015/16 mit rund 3.100 Beschäftigten einen Umsatz von 587,5 Mio. Euro und hatte - wegen des Betrugsfalls - einen operativen Verlust von 23,4 Mio. Euro zu verbuchen.

(red/apa)