Luftfahrtindustrie

FACC fährt Produktion in England hoch - für den Fall eines harten Brexit

Die Oberösterreicher bereiten sich auf den Fall eines chaotischen Brexit vor: "Wenn es ganz schlimm wird und es einen Stillstand in der Warenübernahme gibt, dann könnten wir gut vier Wochen überbrücken", meint Konzernchef Robert Machtlinger.

Der Luftfahrtzulieferer FACC hat für den Fall eines harten Brexit seine Produktion in Großbritannien stärker angekurbelt. "Wenn es ganz schlimm wird und es einen Stillstand in der Warenübernahme gibt, dann könnten wir gut vier Wochen überbrücken", sagte Konzernchef Robert Machtlinger in einem veröffentlichten Reuters-Interview. Eigentlich liege der Pufferbestand bei zwei bis vier Tagen.

Kosten tragen vor allem die Kunden

Die Kosten für den Aufbau hätten im Wesentlichen die Kunden übernommen. Der Konzern mit Sitz im Ried, hinter dem mehrheitlich der staatliche chinesische Rüstungskonzern AVIC steht, entwickelt und produziert Flugzeuginnenausstattungen oder Verkleidungsteile für Rumpf und Triebwerk für die großen Flugzeughersteller wie Airbus, Boeing oder Embraer. Mit Airbus macht das Unternehmen rund die Hälfte seines Konzernumsatzes, mit Boeing rund ein Viertel. In Großbritannien beliefert FACC vor allem Airbus und Rolls Royce.

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Die Drohung von Airbus-Chef Tom Enders im Fall eines ungeordneten Austritts Großbritannien aus der EU die Produktion zu verlagern, nimmt der FACC-Chef gelassen. Dazu: Airbus will im Fall eines chaotischen Brexit Werke schließen >>

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"Airbus hat schon mehrmals seine Produktion verlagert. Im Endeffekt wird das mit den Zulieferern abgestimmt und das hat eine Vorlaufzeit von Monaten, wenn nicht sogar Jahren", sagte Machtlinger.

Derzeit sei die Nachfrage der Flugzeugbauer ungebrochen stark. Dank Aufträgen von über 6,5 Milliarden Dollar sieht der FACC-Chef sein Unternehmen für die nächsten sieben Jahre völlig ausgelastet. Bis 2020/21 soll der Umsatz auf eine Milliarde Euro steigen. Bis 2030 sei eine weitere Verdoppelung auf zwei Milliarden Euro geplant. Wachsen wolle FACC auch über Zukäufe. Vorstellbar seien etwa eine halbe Milliarde Euro in Akquisitionen zu stecken. Konkrete Gespräche führe er derzeit aber nicht.

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Die Aktionäre will der Konzern am Wachstum beteiligen. Nachdem im vergangenen Jahr erstmals elf Cent ausgeschüttet wurden, können die Anteilseigner für bis Ende Februar laufende Geschäftsjahr 2018/19 mit einer höheren Dividende rechnen. (reuters/apa/red)