Big Leaguer des Shopfloors

Fabrik2021: Wie BRP-Rotax um den Titel Effizienteste Produktion im Land fightet

Das Gunskirchener Motorenwerk BRP-Rotax freut sich über Rekordauslastung. Ende Juni steht bei der Evaluierung durch Fraunhofer Austria dessen Produktionsexzellenz auf dem Prüfstand. Wie perfekte Warenströme und Entrepreneurship am Shopfloor ins Wettbewerbsfinale führen sollen.

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Rekordverdächtige Auslastung bei einem Höchststand von aktuell über 1.500 Mitarbeitern: Der Boom des motorisierten Freizeitsportbereichs drückt dem Gunskirchener Motorenwerk BRP-Rotax seinen Stempel auf. Jede freie Sekunde ist man - auf heimische Gefilde zurückgeworfen - auf Achse, motorisiert auf festem Terrain anzutreffen oder im nassen Element, wie es der Erfinder des Sea-Doos vorsah. Rund zwei Drittel der in vier Linien am Standort produzierten Antriebe für BRP-Powersport-Fahrzeuge, Karts und Sportflugzeuge gehen nach Nordamerika, dort ist der Hang zur motorisierten Erlebnisfreude noch einmal ausgeprägter, die Nachfrage demzufolge "weiterhin ungebremst", schildert Gerald Greiner.

Der studierte Mechatroniker arbeitet seit 2017 im Produktionsbereich von BRP-Rotax, seit dem Vorjahr hat er die Produktionsleitung der Montage inne. Von so mancher Glanzstunde im Unternehmen, das sich Ende Juni der Evaluierung durch Fraunhofer Austria stellt, kann der 39-jährige "production guy" eindrücklich erzählen. So machte das Unternehmen die Einführung von sechs Business-Unit-Leitern, die ihre Teams als Entrepreneure am Shopfloor in kleinen agilen Einheiten steuern und crossfunktional die Qualität sowie die Planung weiterentwickeln, speziell in der Pandemie "um einiges reaktionsschneller", sagt Greiner.

BRP-Rotax, Gerald, Greiner © BRP-Rotax

"Wir schraubten am für uns wichtigen Parameter Flächennutzungsgrad."
Gerald Greiner, Produktionsleiter Montage, BRP-Rotax

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Anbindung an Wertstrom

Auch am Shopfloor - für Besucher ein Ort mit  intensiver Erfahrungsebene - gelangen Riesenschritte. Fast mehrheitlich wurden die Produktionsmaschinen der im Vierschichtbetrieb genutzten Anlagen für Zwei- und Viertaktmotoren sukzessive an den Wertstrom angebunden. Im Zuge dieser Kontextverschiebungen fanden "250 Maschinen einen neuen, optimalen Stellplatz", schildert Greiner. Nun sei von der Fertigung bis zur Montage ein perfekter Warenstrom nach den Gesetzmäßigkeiten des One-piece-flow realisiert.

Auch deshalb: Ein automatisiertes Pull-System trat im Vorjahr an die Stelle der bisher genutzten Kanban-Karten. Jetzt weiß der Mitarbeiter an der Linie audiogestützt und dank direkter visueller Unterstützung am Bildschirm oder Tablet jederzeit, welcher Handgriff der nächste ist. Und die Liniensteuerung weiß zu jeder Zeit, welcher Motor einer Tranche sich wo an der Linie befindet. So wird Material zum optimalen Zeitpunkt bereitgestellt. "Wir schraubten am für uns sehr wichtigen Parameter Flächennutzungsgrad", so Greiner. 

BRP-Rotax © BRP-Rotax
 

Laufende Erweiterungen

Zugleich ist der Gunskirchener Standort aktuell Kulminationspunkt für Erweiterungsschritte. So wurden im Vorjahr die Produktionsflächen durch einen Zubau erweitert, aktuell verdoppelt man die Kopfzahl in der Montage und eine weitere Plasmabeschichtungsanlage fand in den Maschinenpark. Auch mitunter abstrakt anmutende Technologien der Künstlichen Intelligenz werden in Gunskirchen lebendig. In der "Linie Süd" - hier werden Antriebe für On-Road-Roadster und Schneeschlitten montiert - erfolgt mithilfe von zwei kollaborierenden Robotern und Kamerassystemen über maschinelles Lernen die visuelle Schlusskontrolle. "Unser erster großer Praxiseinsatz von KI", sagt Gerald Greiner.

Auch die Prinzipien der schlanken Fertigung bleiben in Gunskirchen Teil des hier fest verankerten rationalen Zweckstrebens. Freilich nicht ungeachtet der neuen digitalen Möglichkeiten. So wurde unlängst ein VR-Assessment, eine Art Crashkurs für für Montagemitarbeiter im virtuellen Raum, geschaffen. Was nicht verschwiegen werden soll: Mit der Lösung setzten sich die Oberöstereicher kürzlich in einem VR-Wettbewerb gegen British Airways und US-Airforce durch.

Fabrik2021 © IM

Produktionswettbewerb Fabrik2021: Wer hat Österreichs effizienteste Fabrik?

Bereits zum 11. Mal schreiben Fraunhofer Austria und das INDUSTRIEMAGAZIN die renommierte Auszeichnung für Produktionsunternehmen in Österreich aus. Fünf Unternehmen stellen sich im Juni der Vor-Ort-Evaluierung durch Experten von Fraunhofer. Die ersten beiden Unternehmen, die wir in dieser bis in den Sommer reichenden Artikelserie vorstellen, sind das Motorenwerk von BRP-Rotax in Gunskirchen sowie das Werk Vitis des Automobilzulieferer Pollmanns Austria. Das Finale samt anschließender Siegerkür findet beim Vorjahressieger Handl Tyrol im Bezirk Mils statt.

Bis Ende Jänner bewarben sich Unternehmen durch Einreichung eines schriftlich ausgefüllten Fragebogens für die Wettbewerbsteilnahme.

Bis Ende Juni laufen auf Basis dieser ersten Vorselektion in den Fabriken der Teilnehmer Vor-Ort-Evaluierungen durch ein Expertenteam von Fraunhofer Austria.

Ende September stellen sich die Finalisten einer hochkarätig besetzten Hearing-Jury. Dabei werden Gesamtsieger der „Fabrik2021“ sowie die Gewinner der drei Wettbewerbskategorien „Efficient Factory“, „Smart Factory“ und „Green Factory“ prämiert.