Plattformen

Ex-Schaeffler-Chef Oliver Lödl: „Die Coronakrise wird ein Umdenken bewirken“

Oliver Lödl, früherer Geschäftsführer des Berndorfer Wälzlagerherstellers Schaeffler Austria und heute Vertriebschef beim CNC-Marktplatz Orderfox, glaubt nach dem Zusammenbruch der Lieferketten an die Zukunft engmaschigerer europäischer Fertigungsnetze.

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"Ich gehe daher davon aus, dass viele Produktionsschritte wieder nach Europa zurückkehren werden.“
Oliver Lödl, Orderfox 

„Ich gehe daher davon aus, dass viele Produktionsschritte wieder nach Europa zurückkehren werden“, sagt Oliver Lödl. Man sehe aktuell, was es bedeutet, wenn die Transport- und Produktionswege abgeschnitten werden. Und man sehe auch, welchen Stellenwert die Produktion im eigenen Land oder in Europa habe. „Man wird sich überlegen, ob man auch künftig alles in die Ferne vergibt oder ob es doch besser ist, zu einem minimal höheren Preis, in nächster Umgebung zu vergeben“, so Lödl. 

Plattformen können profitieren

Eine Entwicklung, die dem CNC-Startup Orderfox zupass kommen könnte. Das Unternehmen startete vor knapp zwei Jahren. „Unser Unternehmen wurde von Richard Morscher gegründet, weil er erkannt hat, dass kleine Unternehmen nicht an große Aufträge herankommen und große Unternehmen nicht wissen, wie sie in kurzer Zeit ihre Aufträge vergeben können“, sagt Lödl. 

Orderfox verknüpfe diese unterschiedlichen Interessen in nur wenigen Sekunden und bringt sie über ein automatisches Matching an einen digitalen Verhandlungstisch.“ Heute finden sich auf dieser CNC-Plattform bereits 22.000 Partner, die schon eine Million Bauteile abwickeln. Damit ist Orderfox die weltweit größte CNC-Plattform. Ein Erfolg für das aus Liechtenstein stammende Jungunternehmen. „Wegen der verheerenden Auswirkungen der Coronakrise biete Orderfox seine Dienste nun vorerst bis 30. April kostenlos an. 

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Hochfahren der Produktionen

Die Plattform soll laut Lödl aber nicht nur in der Krise eine besondere Hilfe sein. „Sie wird vor allem auch danach, wenn alle Maschinen wieder hochgefahren werden, wenn der Bedarf der letzten Wochen und Monate nachgeholt werden muss, ein wichtiges Instrument sein, damit Fertiger und Auftraggeber rascher zueinander finden“, sagt Lödl. Denn dann werden Maschinen nur zu 70 bis 80 Prozent ausgelastet sind, „für die restlichen Prozente auf 100 können wir sorgen“, so Lödl. 

Zudem gebe es kleine, hochprofessionelle Unternehmen, die man kaum findet, weil sie wenig in Marktpräsenz und Marketing investieren. Diese Recherchearbeit werde durch Orderfox abgenommen. „Man sieht auf der Plattform auf einen Blick, welche Bauteile von bestimmten Firmen hergestellt werden können, in welchen Toleranzklassen sie das schaffen, welche Maschinen sie verwenden und wo sie fertigen“, heißt es bei Orderfox.

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