Finanzierung

Europas Mega-Bankomat

Ab April will die Europäische Investitionsbank (EIB) die ersten Gelder des 315 Milliarden Euro schweren Juncker-Paketes fließen lassen. Wie kommt man eigentlich als heimischer Mittelständler an ein Darlehen des Triple-A-Instituts?

Investition Finanzierung Swietelsky

Groß war die Freude in der Vorstandsetage von Swietelsky. Ein warmer Geldregen der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg, insgesamt rund 50 Millionen Euro, soll ein Projekt zur Entwicklung eines neuen Systems für die Sanierung von Gleisanlagen teilfinanzieren. In Summe muss Swietelsky 105 Millionen Euro für das Vorhaben stemmen. Anfang März wurde der Darlehensvertrag in Luxemburg unterzeichnet. Und wenn alles glatt verläuft, kann Swietelsky in Zukunft Bahnstrecken schneller und kostengünstiger instand halten. Adolf Scheuchenpflug, Finanzvorstand von Swietelsky, war entsprechend happy. „Die Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank ist zudem eine große Anerkennung der Leistungen unseres Unternehmens“, sagt der Finanzer.

Im vergangenen Jahr vergab die EIB Finanzierungen im Volumen von 77 Milliarden Euro, 69 Milliarden davon für Projekte in EU-Mitgliedsstaaten. Davon wiederum ging rund ein Drittel an kleine und mittlere Unternehmen und sogenannte Midcap-Unternehmen mit bis zu 3.000 Mitarbeitern. Wie aber kommt man konkret in den Genuss der Leistungen der EIB? „Das kann ich Ihnen gerne erklären“, antwortet Martin Brunkhorst, Leiter des Wiener Büros der EIB. „Wir sind eine Art von Wholesale-Bank.“ Das heißt konkret, dass direkte Darlehen in aller Regel erst ab einer Summe von 25 Millionen Euro vergeben werden. Dazu kontaktiert man die EIB entweder direkt in Luxemburg oder über das Büro in Wien. Für Beträge unterhalb dieser Schwelle arbeitet die Institution mit Partnerbanken vor Ort (siehe Seite 2.)

Geknüpft sind Darlehen der EIB an konkrete Voraussetzungen. Dazu gehört zum einen der Projektcharakter. „Wir arbeiten komplett projektorientiert, das heißt, wir finanzieren immer ganz konkrete Investitionsvorhaben“, so Brunkhorst. Von den eigentlichen Projektkosten wiederum finanziert die EIB dann maximal 50 Prozent. „Außerdem“, beschreibt Brunkhorst, „können wir nicht pauschal alles und jeden finanzieren, sondern nur Dinge, die ganz konkret mit den Entwicklungszielen der EU zu tun haben.“ Neben der Unterstützung von EU-Fördergebieten (durchschnittliches Einkommen unter 75 Prozent des EU-Schnitts) sind das die Themen Innovation, europäische Netzwerke, Sicherung der Energieversorgung, Ökologie, Bildung und Stadtentwicklung. „Etwas mehr Möglichkeiten haben wir über Partnerbanken, da sind beispielsweise auch permanent aushaftende Betriebsmittellinien darstellbar“, so der EIB-Mitarbeiter.

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Der große Vorteil: Die Kondition

Zur Unterstützung der Entwicklungsziele trägt auch bei, dass die Finanzierungen der EIB günstiger sind als gewöhnliche Bankkredite. „Der Vorteil liegt letzten Endes in der Kondition“, bestätigt Brunkhorst. Je nach Situation kann man den mit zehn bis hundert Basispunkten quantifizieren. Möglich gemacht wird das durch das Triple-A-Rating der europäischen Bank und der entsprechend günstigen Refinanzierung. Die EIB finanziert ihre Kreditvergabetätigkeit hauptsächlich durch Anleiheemissionen. Dazu Brunkhorst: „Wir haben ein Emissionsvolumen von rund 70, 80 Milliarden Euro im Jahr.“

Nachfrageprobleme aufgrund der Diskussion um die europäische Schuldenkrise gibt es keine. Das Triple A wiederum fußt auf dem konservativen Geschäftsmodell und auf der Eigentümerstruktur: Inhaber sind die 28 Mitgliedsstaaten der EU. Auch die starke Kapitalisierung trägt ihr Scherflein bei. Die Kapitalausstattung liegt bei 243 Milliarden Euro, die Kapitaladäquanz-Kennzahl bei 28,7 Prozent. Die günstige Kondition hat aber ihren Preis: „Wir gehen etwas weniger Risiko ein als normale Geschäftsbanken“, erklärt Brunkhorst. „Für unsere Direktdarlehen ist es so, dass wir bis zur Größenordnung ‚Investment Grade‘ finanzieren, also Triple B plus oder Triple B flat.“ In gewissen Bereichen – konkret, wenn es um Innovation, Forschung und Entwicklung geht – ist die EIB aber schon bereit, höhere Risiken zu nehmen. Über Mittel, die vonseiten der EU-Kommission zur Verfügung gestellt werden, mit der Absicht, die Wirtschaft ausreichend mit Krediten zu versorgen. In diesem Fall werden auch geringere Volumina direkt finanziert. Ab 7,5 Millionen Euro kann man dann schon bei der EIB anklopfen. In der gegenwärtigen Krise kommen der EIB zwei ganz konkrete Aufgaben zu, so Brunkhorst.

„Zum einen ist die EIB seit Beginn der Krise von den Eigentümern aufgefordert, das Volumen ihrer Ausleihungen hoch zu halten.“ Als 2008 die Finanzkrise ausbrach, wurde die EIB von der EU gebeten, Maßnahmen gegen die nachlassende Investitionstätigkeit zu ergreifen. Daraufhin weitete die Bank ihre Finanzierungstätigkeit aus und steigerte den Gesamtbetrag ihrer ausstehenden Darlehen bis 2011 um ein Drittel. 2012 beschlossen die Anteilseigner eine Kapitalerhöhung um zehn Milliarden Euro. Dadurch können im Zeitraum 2013 bis 2015 zusätzliche Darlehen von 60 Milliarden Euro in der EU vergeben werden.

Beteiligung am Juncker-Plan

Andererseits wird von der Bank eine Beteiligung am sogenannten „Juncker-Plan“ erwartet. Der große europäische Investmentplan für Infrastrukturprojekte in den Bereichen Digitales, Energie und Verkehr mit einem Volumen von 315 Milliarden Euro, den Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Ende 2014 präsentiert hatte. Über Public Private Partnerships (PPP) und die Akzeptanz höherer Risiken soll die EIB einen Teil zum Weg aus der Krise beitragen. 28 Milliarden Euro aus dem Juncker-Plan sollen zwischen 2015 und 2017 nach Österreich fließen. Eine nette Summe, für die es sich lohnt, bei Herrn Brunkhorst gelegentlich auf einen Kaffee vorbeizuschauen.