Nord Stream 2

Erdgas: Berlin will ein "Gesamtkonzept" mit Moskau und Kiew

Bei der umstrittenen neuen Gasröhre Nord Stream 2 unter Beteiligung der OMV seien die Interessen der Ukraine zu sichern, so der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Vorfeld seiner Reise nach Moskau und Kiew.

Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier will bei Gesprächen in der Ukraine und Russland für ein "energiepolitisches Gesamtkonzept" werben. "Der Zweck dieser Reise ist in einer angespannten und schwierigen internationalen Lage, wirtschaftliche Fragen zu klären in Hinblick auf Energie und Wirtschaft", sagte der CDU-Politiker in Berlin vor seinem Abflug nach Kiew.

Es gehe darum, die Energieversorgung in Europa zu sichern. Altmaier sprach von energiepolitischen Umbrüchen. Mit einem Gesamtkonzept müssten die EU sowie Russland und die Ukraine leben können. Mehr dazu: Nord Stream 2: Kurzfristige Gespräche zwischen Berlin, Moskau und Kiew >>

Energiegespräche diese Woche

Ein wichtiges Thema in Kiew wird das umstrittene Ostsee-Pipeline-Projekt Nord Stream 2 sein sowie die künftige Rolle der Ukraine als Erdgas-Transitland. Altmaier sagte, es gehe darum, die Interessen der Ukraine zu sichern. Altmaier reist am Montag weiter nach Moskau, wo er bis Dienstag Gespräche führt.

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Alle Eckdaten zu "Nord Stream 2"

Für den Bau von Erdgas-Pipelines durch die Ostsee von Russland nach Deutschland hat sich bereits 2005 ein Konsortium großer Energiekonzerne gebildet. Nord Stream 1 transportiert seit 2011 Gas vom russischen Wyborg unter dem Meeresgrund bis ins deutsche Lubmin bei Greifswald. Bei der Reise des deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier nach Kiew und Moskau geht es um Nord Stream 2.

OMV beim Projekt maßgeblich beteiligt 

Bei Nord Stream 2 ist Gazprom - Russlands mächtiger Gas-Monopolist - formal einziger Anteilseigner. Dazu kommen aber als "Unterstützer" die deutschen Konzerne Wintershall - eine Tochter der BASF - und Uniper - eine Abspaltung von E.on - sowie die niederländisch-britische Shell, Engie (einst GDF Suez) aus Frankreich und die OMV aus Österreich. Nord-Stream-Aufsichtsratschef ist der deutsche Altkanzler Gerhard Schröder (SPD), bei Nord Stream 2 ist er Präsident des Verwaltungsrats. Die Arbeiten für die Pipeline sollen im Frühjahr beginnen und Ende 2019 fertig sein.

Gegen das Projekt gibt es aber erhebliche Proteste. Länder wie Polen und die baltischen Staaten lehnen sie wegen der befürchteten zunehmenden Abhängigkeit der EU von russischen Gaslieferungen ab. Die Ukraine befürchtet eine sicherheitspolitische Verschlechterung, sollte sie als Erdgas-Transitland für Russland weniger wichtig werden.

Für die Ukraine und andere osteuropäische Länder sind Transitgebühren für russisches Gas zudem eine wichtige Einnahmequelle. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt gesagt, die Ukraine müsse auch weiterhin eine große Rolle als Transitland für russisches Erdgas spielen.

Scharfe Kritik von Donald Trump

US-Präsident Donald Trump hatte Deutschland wegen der Unterstützung von Nord Stream 2 wiederholt scharf kritisiert. Die USA haben selbst wirtschaftliche Interessen in der Region. Das Land exportiert Gas etwa nach Polen und Litauen. (dpa/dpa-AFX/apa/red)