Elektroautos

Elektroautos bei laufenden Kosten kaum billiger als Verbrenner

Autobauer kündigen eine Fülle neuer Elektroautos an - doch auf den Straßen bleiben sie absolute Exoten. Einige Gründe jenseits der berühmten mangelnden Reichweite: Viel höhere Kosten beim Kauf, kaum Einsparungen bei den laufenden Kosten - und weiterhin zu oft völlig unrealistische Angaben der Hersteller.

Es ist noch kein Jahr her, da hieß es: Kein Zweifel an der Sauberkeit modernster Diesel. Nicht die Autobranche sagte das, sondern der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD), als er seine jährliche Auto-Umweltliste vorlegte.

Jetzt hat der Verkerhsklub eine neue Auflage seiner Umweltliste vergelegt, die sich nur Elektroautos widmet.  "Jedes Auto mit Verbrennungsmotor, das heute neu auf die Straßen kommt, stößt noch die nächsten 15 Jahre klimaschädliches Kohlendioxid aus", sagte der verkehrspolitische Sprecher Michael Müller-Görnert. "Darum muss der Ausstieg bei Benzin und Diesel jetzt erfolgen."

Der Boom lässt noch lange auf sich warten

Und inzwischen wächst für Käufer tatsächlich das Angebot. Die deutschen Autobauer brüsten sich: "Unsere Hersteller und Zulieferer investieren in den kommenden drei Jahren 40 Milliarden Euro in die Elektromobilität, sie verfünffachen bis 2023 ihr Angebot an E-Modellen auf 150."

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Die "ADAC Motorwelt" titelt schon: "Endlich erschwinglich und alltagstauglich". Die Autobauer machten nun Ernst mit dem E-Auto - auch wenn sie sich noch nicht von der Entwicklung großer "PS-Monster" verabschiedet hätten.

Noch aber immer sieht man wenige Strom-Autos auf der Straße, 200.000 von 47 Millionen seien es, stellt der VCD ernüchtert fest. Denn der E-Auto-Absatz steigt noch immer auf niedrigem Niveau. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) fuhr im ersten Halbjahr 2019 nicht einmal einer von 50 neu zugelassenen Autos ausschließlich mit Batterie. In jedem 18. Neuwagen unterstützt ein Elektromotor den Verbrenner.

Es fehlten Ladepunkte, argumentieren die Hersteller. Bundesweit gibt es rund 20 650 öffentliche und teilöffentliche Ladepunkte, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gezählt hat. Gebraucht würden eine Million, meint der Autobranchenverband VDA.

Elektroautos sind viel teurer beim Kauf - und kaum billiger bei laufenden Kosten

Gründe liefert ein Blick auf die neue Umweltliste: Die meisten E-Autos sind noch immer vergleichsweise teuer, und vollelektrisch kommt man mit einer Batterieladung noch immer nicht so weit wie mit einer Tankfüllung. Von 200 bis 450 Kilometern reicht die Spanne.

Dennoch bleiben E-Autos auch in den nächsten Jahren in der Anschaffung deutlich teurer, ist der VCD gewiss. Die laufenden Kosten liegen demnach mit 1,30 Euro je Kilometer nur etwas unter jenen eines Benziners mit 1,60 Euro, vom Diesel ganz zu schweigen. Ein Vorteil: Es fällt keine Kfz-Steuer an und die Kosten für Wartung und Reparatur sind geringer.

"Bislang rechnen sich E-Autos vor allem dann schnell, wenn sie einen kleinen Akku haben, wenig Strom verbrauchen, oft gefahren werden und wenn man eine günstige Lademöglichkeit nutzen kann", folgert der VCD - etwa für Pendler, die täglich 50 bis 70 Kilometer fahren und zu Hause oder bei der Arbeit laden können.

Auch die Umweltschäden von Elektroautos sind enorm

Auch seinen "ökologischen Rucksack" legt ein E-Auto nur langsam ab. "Die Batterieproduktion benötigt große Mengen Energie und Rohstoffe, wie Kobalt aus dem Kongo oder Lithium aus Bolivien", gestehen die Umweltliste-Autoren zu. "Emissionen entstehen auch bei der Produktion des Ladestroms."

Im Stadtverkehr ist das E-Auto nach 40.000 Kilometern die am wenigsten klimaschädliche Variante, auf der Autobahn erst nach 140.000 Kilometern, wie es unter Bezug auf eine Studie des Heidelberger Instituts für Umwelt und Energie heißt. Voraussetzung: Der Ökostrom-Anteil im Netz steigt wie geplant.

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Viele Autobauer liefern gar keine Daten - oder sehr unrealistische

Die vom Verkehrsclub Deutschland vorgelegte Liste ist sehr unvollständig, nur 19 Modelle stehen drauf, der VW eGolf und der BMW i3 als einzige deutsche Marken. Laut VCD lieferten viele Hersteller entweder keine Daten oder unrealistische. Nächste Woche werden die Kunden vermutlich genau nachfragen: Dann beginnt in Frankfurt die Internationale Automobilausstellung (IAA).

Die Autobranche steht unter Druck. Das gesellschaftlich-politische Umfeld habe sich geändert, bemerkte Bernhard Mattes, der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), dieser Tage. Demonstranten wollen in Frankfurt gegen Klimaschäden durch Autofahren protestieren.

Es drohen Strafzahlungen wegen überhöhter Kohlendioxid-Werte. Bis 2030 will die Industrie in Deutschland 7 bis 10,5 Millionen E-Autos auf die Straßen bringen, um die Grenzwerte einzuhalten. Doch hinter glänzenden neuen Elektroautos in der ersten Reihe werden auch in Frankfurt wieder schwere SUV und Sportwagen mit Verbrenner stehen.

Daneben bremsen lange Lieferfristen den E-Auto-Verkauf, wie es beim VCD heißt. Wer sich ein reines Batterieauto kauft, kann in Deutschland einen Zuschuss von 4.000 Euro bekommen, bei Hybridautos sind es 3.000 Euro.

"In der Pflicht sind nicht nur Autohersteller und die Politik, sondern jede und jeder Einzelne", fügt VCD-Sprecher Müller-Görnert hinzu. Die Menschen müssten mehr zu Fuß gehen, Rad fahren, Bus und Bahn nutzen. Emissionsfreie Autos seien nur eine Ergänzung. (dpa/apa/red)

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