Holzindustrie

Egger wächst - und wird dadurch internationaler

Es ist der nächste Rekord für Egger: Der Holzkonzern konnte seinen Umsatz um 1,7 Prozent, seinen operativen Gewinn um vier Prozent steigern. Da Egger nun „auch Märkte außerhalb Europas“ braucht, plant der Konzern ein Werk in den USA.

Egger-Finanzchef Thomas Leissing: "Planen neues Werk in USA".

Er sei „mehr als zufrieden“ mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr, die Branchenkonjunktur sei gut, meint Egger-Finanz-Chef Thomas Leissing. "Die Wirtschaft in Europa hat sich erholt und die europäische Bauwirtschaft befindet sich wieder auf einem stabilen Wachstumspfad“, sagte er auf der Bilanzpressekonferenz. Für die kommenden Jahre prognostizierte er ein noch deutlicheres Wachstum.

Mithelfen soll neben der Investition in Argentinien und dem geplanten Werk in Polen das erste US-Engagement der Gruppe. Mit dem Werk in Lexington im US-Bundesstaat North Carolina nimmt das Tiroler Familienunternehmen sein zweites außereuropäisches Werk in Angriff. Der Investitionsvertrag sei bereits unterschrieben, ein "modernes Werk" habe in den USA absolut seine Berechtigung, erklärte Walter Schiegl, Gruppenleiter für Produktion und Technik. Ende 2018 soll der Bau gestartet werden, 2020 das Werk in Betrieb gehen. Die erste Projektphase umfasse Investitionen von rund 260 Mio. Euro, 400 Arbeitsplätze sollen direkt geschaffen werden. Die lokalen Entscheidungsbehörden und der Staat würden das Vorhaben "voll unterstützen", so Schiegl. Von der angekündigten, eher protektionistischen Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump sei Egger nicht betroffen, ergänzte Leissing. "Diese Politik schadet einem lokalen Anbieter mit einem eigenen Werk nicht", meinte er. Bereits im Oktober des heurigen Jahres wird Egger übrigens in der Nähe von Detroit ein eigenes Verteilerzentrum in Betrieb nehmen, das derzeit errichtete wird.

Leissing begründete die "Internationalisierungs-Strategie" außerhalb Europas mit der zunehmenden Größe des Unternehmens: "Wir brauchen auch Märkte außerhalb Europas". Neue Absatzmöglichkeiten für europäische Märkte sowie die "Zukunftssicherung durch Diversifizierung" würden diese Strategie rechtfertigen und untermauern.

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Rekord-Ergebnisse

Der Holzkonzern mit Stammsitz in Tirol hat jedenfalls im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut einen Umsatz-Rekord erzielt. Er stieg um 1,7 Prozent auf 2,38 Mrd. Euro, der operative Gewinn kletterte um vier Prozent auf 363,7 Mio. Euro. Das operative Betriebsergebnis sank hingegen von 170,1 Mio. Euro im Jahr zuvor auf nunmehr 158 Mio. Euro. Dies hänge aber ausschließlich mit einer einmaligen Belastung aus einer Firmenwert-Abschreibung in Russland zusammen, so Leissing gegenüber der APA. Das Ergebnis vor Steuern lag bei 122 Mio. Euro (2015/16: 129,8 Mio. Euro). Beim Gewinn nach Steuern lag die Gruppe bei 90 Mio. Euro, bei der Eigenkapitalquote bei 37,5 Prozent (2015/16: 38,9 Prozent).

Unter anderem der negative "Pfund-Effekt" in Folge des Brexit in Großbritannien habe ein noch größeres Umsatz-Plus in der Höhe von rund drei Prozent verhindert, sagte Leissing. Auch in der Türkei habe die angespannte politische und wirtschaftliche Lage zu leichten Rückgängen im lokalen Vertrieb von Kanten geführt, der aber jedoch großteils durch Export habe kompensiert werden können. Insgesamt investierte Egger im vergangenen Jahr rund 260 Mio. Euro. Davon entfielen 64,3 Mio. Euro auf Erhaltungsinvestitionen.

Das Familienunternehmen besteht seit 1961 und beschäftigte im Jahresschnitt 2016/17 insgesamt 8.145 Mitarbeiter. Europaweit werden an 17 Standorten eine umfassende Produktpalette aus Holzwerkstoffen (Span-, OSB- und MDF-Platten) sowie Schnittholz hergestellt. (apa)

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