Elektroautos

E-Mobility: Frühe Vögel

Hohe Förderungen, Importeursaktionen und sinkende Händlerpreise: Noch heuer könnte Elektroautos im urbanen Verteilerverkehr der Durchbruch gelingen.

Alfred Berger Walter Hitziger Energie Top 1000 Manager

Österreich verfügt mit den derzeit acht E-Mobilitätsregionen des Klima- und Energiefonds über eine international beachtete Expertise auf dem Gebiet der stromgetriebenen Fortbewegung. Der Frühstart hatte partiell aber auch seine Nachteile. „Wir waren einfach zu schnell“, übt sich Christian Eugster in Ironie. Der Vorarlberger ist Projektleiter der E-Mobilitätsregion „Vlotte“, die seit 2010 die Sinnhaftigkeit von Zero Emission im Ländle erprobt: Bis zum Auslaufen der Förderungen zu Jahreswechsel wurde der Ankauf von Elektrofahrzeugen unterstützt und der Ausbau der notwendigen Infrastruktur vorangetrieben. Vlotte gilt europaweit als eines der Top-3-Projekte auf dem Gebiet der E-Mobilität.

„Die Nachfrage nach strombetriebenen Nutzfahrzeugen durch kleine und mittlere Gewerbebetriebe war beim Start enorm“, erinnert sich Eugster. Vor zweieinhalb Jahren lag das Angebot an serienreifen E-Transportern allerdings bei null. Jetzt, wo erstmals ein kleines Sortiment an City-Transportern am Markt sei, „bleibe der Nachzieheffekt aus. Bei vielen Interessenten von damals ist die Luft draußen“, erklärt sich Eugster die bislang schwache Performance der Elektromobilität am Nutzfahrzeugsektor. Die Preisbrecher-Angebote des Kangoo und – bei anhaltenden Importeursrabatten – des Berlingo haben sich noch nicht herumgesprochen. Von derzeit 311 von VLOTTE geförderten und verkauften Elektroautos sind gerade mal 12 aus dem NFZ-Segment. Die Skepsis ist geblieben.

Stand der Dinge

Von den in Österreich angemeldeten 1.089 Elektrofahrzeugen werden laut WKO-Bundessparte Transport und Verkehr 80 Prozent in Betrieben eingesetzt. Der Anteil der Transporter ist dabei verschwindend. Derzeit sind es keine 100, die als Nutzfahrzeuge durchgehen. Dass Bewegung in die Szene kommt, zeigt sich an den 67 Strom-Kangoos, die bereits ausgeliefert wurden, und an der gleichen Anzahl an Bestellungen, die bei Renault liegen. Prozentuell gesehen ist dies eine Revolution, absolut gesehen entspricht dies immer noch der Verpuffung einer Lerche. Für Renato Eggner, Operations Director von LeasPlan Österreich, ist die „bisherige Preisdifferenz von Elektroautos eine hohe Barriere, die derzeit nur über Förderungen genommen werden kann“. Anders als in der Vergangenheit hätten Subventionen erstmals aber eine echte Chance, die Entscheidung positiv für einen CO2-freien Verteilerverkehr zu beeinflussen. Eggner: „Als Mehrwert gibt es bei Elektrofahrzeugen das positive Umweltimage, das auf das nutzende Unternehmen abfärbt.“

Mit 30 übern Tauern

Die Aussicht auf gute Nachrede und saubere Luft bewegte auch die Lungauer Gemeinde Zederhaus dazu, die Imagekarte zu spielen. Bürgermeister Alfred Pfeifenberger wollte für seine Gemeindearbeiter ein passendes Gefährt für die Kontroll- und Wartungsfahrten im angrenzenden Naturpark Riedingtal. Die Argumente und Förderungen der E-Mobilitätsregion ElectroDrive Salzburg verfingen und im August des Vorjahres stand ein Berlingo Electrique am Bauhof.

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Neben vielen positiven Erkenntnissen – „das Auto ist ein Zeichen für die Umwelt“, so der Bürgermeister – gibt es auch eine weniger erquickliche Erfahrung: Alfred Pfeifenberger berichtet von einer Elektrofahrt durch den Tauerntunnel ins 37 km entfernte Radstadt: „Am Anfang ging es mit 30 durch den Tunnel. Das war schon nicht sehr lustig. Und dann blieb der Wagen liegen.“ Die Kollegen mussten den gestrandeten Gemeindearbeiter heimholen. Es gibt auch unter den Stromkarossen Montagsautos.

Josef Ruhaltinger

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