Stromwirtschaft

E-Control plädiert für mehr Wettbewerb bei Stromspeichern

Netzbetreiber sollen Stromspeicher im Wettbewerb lassen und nicht dominieren, so die heimische Regulierungsbehörde E-Control. Gaskraftwerke werde Österreich noch viele Jahre brauchen.

Die Energieregulierungsbehörde möchte, dass die künftig noch wichtigeren Stromspeicher weiter im Wettbewerb stehen und nicht von den Stromnetzbetreibern dominiert werden. Das betonte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch diese Woche. Für den zur Versorgungssicherheit noch länger nötigen Weiterbetrieb kalorischer Kraftwerke hofft er auf eine Marktlösung, ohne Behörden- oder Regulatoreingriffe.

Die Netzbetreiber sollen nicht als Monopolist in den Speichermarkt hineingehen und diesen verzerren, hier müsse der Regulator auf eine Aufrechterhaltung der Rollenverteilung achten, sagte Urbantschitsch im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Derzeit gelten die Speicher rechtlich ohnedies als Erzeugungsanlagen. Dies solle künftig ebenfalls so sein, auch wenn Netzgesellschaften die Rolle von Speichern beim Spitzenausgleich testen. "Diese Dienstleistung muss von jemandem anderen kommen - der im Wettbewerb steht." Das stehe auch im Einklang mit dem neuen EU-Clean-Energy-Package.

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Gaskraftwerke noch lange nötig

Gastkraftwerke werde man zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit auch für die nächsten Jahre sicherlich brauchen. Damit man darauf verzichten könnte, müsste es eine andere Netztopografie - Stichwort fehlender 380-kV-Lückenschluss in Salzburg - und auch eine Verfügbarkeit von Stromspeichern geben.

Aber die Wasserspeicher seien irgendwann einmal leer, und auch Batterien könnten nur eine gewisse Zeit helfen, so der E-Control-Vorstand, der hofft, dass man für die demnächst anstehenden Vertragsabschlüsse des Übertragungsnetzbetreibers APG mit Kraftwerksbetreibern ohne behördliche Schritte das Auslangen findet: "Alles, was über den Markt geht, ist besser."

Die Kosten für das Vorhalten dieser Leistung seien in den Netzkosten für 2018 schon eingepreist; bei diesen Tarifen sollte es zu keinen weiteren empfindlichen Sprüngen kommen, weil es im Gegenzug auch Entlastungen gebe.

Zur Klima- und Energiestrategie, deren Entwurf die Regierung vorige Woche vorgelegt hatte, begrüßte Urbantschitsch, dass dieses Papier jetzt einmal vorliege und dass damit eine Diskussion in Gang gesetzt sei. Als besondere Punkte hob er das schon davor bekannte bilanzielle 100-Prozent-Strom-aus-Erneuerbaren-Ziel für 2030, den Stufenplan für das Aus der Ölheizungen (ab 2020 kein Einbau in Neubauten mehr, ab 2025 sozial verträglicher Ausstieg durch Kesseltausch), Änderungen bei Netztarifen und Speichern und die Betonung von Versorgungssicherheit und E-Mobilität hervor.

Das Erneuerbaren-Ziel von 100 Prozent sei "sehr ambitioniert", jetzt müsse man schauen, woher der zusätzliche Strom komme. Er gehe von jährlich ein bis zwei Prozent Verbrauchsplus aus, eine TWh oder etwas mehr. Er erwarte, dass nach dem Konsultationsprozess manches zur Klimastrategie konkreter werde, speziell zu den Maßnahmen. Vieles sei noch nicht näher quantifizierbar, etwa was die Einrichtung von Stromladestellen im Bestandswohnbau betreffe.

Mehr Realismus bei der Elektromobilität

Zur E-Mobilität hat Urbantschitsch keine hochfliegenden Erwartungen mehr - nach den Erfahrungen der letzten Jahre, als man immer wieder geglaubt habe, "jetzt" komme der große Durchbruch, dann habe es aber doch noch länger gedauert. Es werde hier zwar zu einer kontinuierlichen Steigerung kommen, was positiv sei in Bezug auf die Emissionen und die Senkung der Abhängigkeit von Fossilenergien.

Offen sei aber zum Beispiel, ob der Strom eher mit Batterien oder mit Brennstoffzellen zu den E-Autos gebracht werde. Die Kfz- Industrie habe den Verbrenner als Geschäftsmodell erkannt und werde ohne Druck der Politik nichts ändern, glaubt der E-Control-Vorstand. Trotz immer mehr Stromautos sollte Erdgas auch für die Mobilität als Übergangsenergieträger genutzt werden, etwa LNG (flüssiges Erdgas); Steuerbegünstigungen hier würde man begrüßen.

Die drei Treiber der Energiewende

Als die drei Treiber des grundlegenden Wandels der Energiewirtschaft nannte Urbantschitsch die technische Fortentwicklung, politische Entscheidungen - auch zur Regulierung im weiteren Sinn - sowie Änderungen im "Mindset" der Menschen, etwa zu "Autarkie" bzw. "Peer-to-Peer-Handel".

Technisch gehe es in Richtung dezentrale Anlagen, Photovoltaik werde immer billiger: "Man kann den Strom schon für drei, vier, fünf Cent pro Kilowattstunde erzeugen. Dieser Preisverfall ist ein weltweiter Trend." Auch bei Batteriespeichern sei ein massiver Preisverfall zu sehen, und die Kosten würden hier noch weiter hinuntergehen. Über allem stünden die politischen Dekarbonisierungs-Ziele bzw. die Entscheidungen im Sinne der Pariser Klimabeschlüsse.

"Shared Economy muss gerecht ablaufen"

Dies erfordere freilich ein gänzliches Umgestalten der Stromnetze. Und an "Shared Economy" sei nicht alles positiv: "Hier muss man schauen, welche sozialen Implikationen damit verbunden sind - damit niemand die Zeche für andere zu zahlen hat." Zur Zeit hätten viele Menschen noch nur schwer Zugang zu E-Auto-Ladestationen oder PV-Anlagen, etwa in Mehrparteienbauten.

Wie bei privaten PV-Anlagen sei auch bei Stromspeicher-Modellen, die von EVU angeboten würden, zu bedenken, dass beim späteren Verwenden eines früher selbst erzeugten Stroms nochmals Netztarife zu bezahlen sind: "Da kleben dann beim Abruf aus dem Speicher auch wieder Gebühren dran." Das treffe einen Nerv bei den Menschen, die autark sein wollten. Aus Sicht von Urbantschitsch rechnen sich PV-Anlagen für Private ohnedies nur bei zumindest 80 Prozent Eigenverbrauchsgrad.

(APA/red)