Seilbahnen

Doppelmayr: "Wir haben schon sehr hohen Marktanteil"

Für den Vorarlberger Weltmarktführer werden satte Wachstumsraten schwieriger - für das abgelaufene Geschäftsjahr meldet Doppelmayr ein Umsatzminus von vier Prozent. Während weltweit Projekte in Bau sind, steht eine Überweisung aus Venezuela bis heute aus.

Der Weltmarktführer im Seilbahnbau, die Vorarlberger Doppelmayr Holding AG, hat im Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende März) einen Umsatzrückgang von rund vier Prozent auf 800,7 (Vorjahr 834,2) Mio. Euro hinnehmen müssen. Gestiegen sind hingegen das Betriebsergebnis (plus 30,4 Prozent auf 103,5 Mio. Euro) und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) um 5,5 Prozent auf 97,0 Mio. Euro.

Der Seilbahnbauer beschäftigt weltweit 2.720 Mitarbeiter, 1.398 davon in Österreich. Aktuell zum Hersteller in Österreich: Doppelmayr investiert 55 Millionen in neuen Standort in Wolfurt >>

Den Umsatzrückgang führten Vorstandsvorsitzender Michael Doppelmayr und Finanzvorstand Hanno Ulmer bei der Bilanz-Pressekonferenz im neuen Firmengebäude in Wolfurt auf Abrechnungsgründe zurück. Generell werde es jedoch sehr schwer, künftig Steigerungen zu erzielen, wenn der Markt nicht wächst. "Wir haben bereits einen sehr hohen Marktanteil", räumte der Finanzvorstand ein.

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Bei hohen Marktanteilen wird hohes Wachstum schwierig

Im Geschäftsjahr 2015/16 seien einige Großprojekte abgeschlossen und damit auch abgerechnet worden, im Berichtszeitraum hingegen nur eines, nämlich der Airportshuttle in Doha (Katar). Weitere Projekte seien zum Bilanzstichtag noch nicht fertiggestellt gewesen und würden deshalb erst im laufenden Geschäftsjahr berücksichtigt, erklärte Ulmer.

Niederschlag findet dieser Umstand 2016/17 in den Vorräten, die mit 229,5 Mio. Euro (Vorjahr 202,7 Mio. Euro) dementsprechend hoch ausfielen. Um rund 100 Mio. auf 275,0 Mio. Euro gestiegen seien auch die Forderungen. Diesen Zuwachs bezeichnete Ulmer als "bilanziell". Gemäß den International Financial Reporting Standards (IFRS), nach denen Doppelmayr bilanziere, seien Festgelder nicht im Kassenbestand und Bankguthaben sondern als Forderungen zu verbuchen.

Venezuela hat bis heute nicht alles bezahlt

Das Betriebsergebnis stieg in der Abrechnungsperiode trotz Umsatzrückgang von 79,4 auf 103,5 Mio. Euro (plus 30,4 Prozent). Ulmer erklärte das mit den hohen Wertberichtigungen zu Forderungen in Venezuela ("Wir sind froh, dass wir alle Forderungen abgeschrieben haben."), die bis heute nicht eingegangen seien. Sollte "da noch etwas kommen, werden wir es als außerordentlichen Ertrag verbuchen", stellte der Finanzvorstand in Aussicht. Das Minus im Finanzergebnis von 6,5 Mio. Euro (Vorjahr 12,3 Mio. Euro) führte Ulmer auf die Bewertung von derivativen Finanzprodukten zurück.

Eigenkapital gestiegen

Das Eigenkapital des Vorarlberger Vorzeigeunternehmens legte in der Abrechnungsperiode um 9,8 Prozent auf 972,5 (Vorjahr 887,5) Mio. Euro zu. In Relation zur Bilanzsumme (1,51 Mrd. Euro) stieg die Eigenkapitalquote von 62 auf 64 Prozent und lag damit im zweiten Jahr in Folge über 60 Prozent, dem erklärten Ziel der beiden Vorstände. "Es ist beruhigend, eine solide Ressourcenausstattung zu haben", verwies Ulmer auf die internationale Tätigkeit seines Unternehmens. Investiert wurden 2016/17 53,1 Mio. Euro, 35 Mio. davon entfielen auf den neu gebauten Firmensitz in Wohlfurt, der insgesamt 55 Mio. Euro kostete.

Wintertourismus im Mittelpunkt

Hauptumsatzbringer für Doppelmayr ist weiterhin der Wintertourismus. In dieser Sparte erwirtschaftet das Unternehmen nach wie vor rund zwei Drittel des Umsatzes. "Das wird in den nächsten paar Jahren auch so bleiben", versicherte Doppelmayr. Immerhin ein Drittel erziele man aber bereits im Sommertourismus vor allem in Asien und mit Stadtverkehrsprojekten in Südamerika. Wachstumschancen prophezeite Doppelmayr dem vietnamesischen Markt. Dieser entwickle sich "hervorragend" ("Der Tourismus in Vietnam boomt").

Österreich und Deutschland weiter vorn

Stärkster Einzelmarkt für den Seilbahnbauer ist mit knapp 20 Prozent-Umsatzanteil nach wie vor Österreich und Deutschland, gefolgt von der Schweiz, Frankreich und Italien, die gemeinsam 22 Prozent der Einnahmen ausmachen. Sehr konstant sei der Markt in den USA und Kanada mit einem Anteil von rund 13 Prozent. Asien liege bei rund acht Prozent, die GUS- und CEE-Staaten bei elf Prozent, rechnete Doppelmayr vor.

Umsätze in Lateinamerika hätten nach 13 Prozent im Vorjahr im Berichtszeitraum nur zwei Prozent betragen. Das werde sich allerdings im nächsten Jahr wieder ändern, wenn das Stadtverkehrsprojekt in La Paz, Bolivien, abgerechnet werde.

"Rechts von Moskau" als Zukunftsmarkt

Die Länder "rechts von Moskau bis zum japanischen Meer" sah der Vorstandsvorsitzende weiterhin als Zukunftsmärkte für sein Unternehmen an. Sehr gut entwickelten sich Georgien und Sotschi in Russland.

Von aktuellen Projekten verwies Doppelmayr u.a. auf die neue Pendelbahn auf die Zugspitze in Deutschland, die noch vor Weihnachten eröffnet werden soll, auf eine Sechser-D-Line-Sesselbahn in Ischgl und den Bau einer Dreier-Seilbahn in Phu Quoc in Vietnam, die vom Festland auf eine Insel führen wird. (apa/red)

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