Digitalisierung

Digitale Maßschneider

Das Geschäft von IT-Spezialisten und Kommunikationsanbietern wird immer spezifischer. Fünf Case Studies aus allen Richtungen: von Verkehr über Industrie bis zur Finanzwelt.

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Gerade noch war die Vogelweiderstraße, eine der Haupteinfahrten nach Salzburg, frei, doch nun beginnt der Verkehr zu stocken und wächst sich schnell zu einem veritablen Stau aus. Vor allem weil immer mehr Fahrer, die nichts von der Behinderung durch einen kaputten Lkw wissen, vom Norden nachrücken.

Um solche Situationen zu vermeiden, hat Salzburg Research im Auftrag des Landes Salzburgs ein System entwickelt, bei dem die aktuelle Verkehrslage aus anonymisierten Bewegungsdaten von Fahrzeugen berechnet und jede Minute aktualisiert wird. Je nach der Staulage werden in der dazugehörigen Staufux-App die entsprechenden Straßenabschnitte grün, gelb oder rot markiert. Dafür, dass das System zuverlässig funktioniert, sorgt die Open Telekom Cloud von T-Systems, die leichten Zugang, Sicherheit und Flexibilität garantiert. Den besonderen Vorteil für das Staufux-Projekt, das je nach Wochentag und Uhrzeit sehr unterschiedlichen Datendurchsatz zu bewältigen hat, erklärt Michael Schönberger, Solution Architekt bei T-Systems in Österreich, folgendermaßen: „Lastspitzen können einfach und kostengünstig mit dem dynamischen Zuschalten von IT-Ressourcen abgefangen werden. Sobald die Lastspitze abgeklungen ist, skaliert das System automatisch wieder nach unten, um möglichst kosteneffizient zu arbeiten.“

Kommunikationslösungen für Innovationsprofis

Ebenfalls ganz spezifisch auf die Bedürfnisse einer konkreten Branche ist Tele2 bei einem Projekt eingegangen, das man in Wien für den Visualisierungsspezialisten VrVis umgesetzt hat. Im Zuge der Übersiedelung in die Donaustadt entschied sich das Unternehmen dafür, den Betrieb seiner Server auszulagern und die Telefonanlage via Office Phone IP (OPhIP) zu betreiben. Gefragt waren dabei, den Bedürfnissen eines forschungs- und innovationsgetriebenen Geschäfts entsprechend, unter anderem: unterbrechungsfreie Stromversorgung, Zutrittskontrollen, Sicherheitseinrichtungen sowie eine voll redundante Anbindung an den High-Speed Backbone.

White Paper zum Thema

Zugleich musste das Projekt sehr straff umgesetzt werden, damit VrVis nach der Übersiedelung sofort mit dem laufenden Betrieb starten konnte. Was auch gelang: „Das Projekt wurde praktisch übers Wochenende umgesetzt, sodass VrVis ohne Verzögerungen loslegen konnte“, erzählt Marcel Schramm, Vertriebsleiter Region Ost bei Tele2.

Big Data branchenspezifisch

Je größer das bearbeitete Feld, desto größer wird auch der Bedarf, vorhandene Daten branchengerecht aufzuarbeiten. Kapsch BusinessCom bietet daher gemeinsam mit dem Data-Science-Spezialisten AIMC seinen Kunden eine ganze Bandbreite an branchenspezifischen Big-Data-Diensten an: Machine Learning, bei dem Computer menschliches Verhalten erlernen, um Arbeitsprozesse selbsttätig zu imitieren oder Service-Prozesse zu unterstützen, Recommender-Systeme, die Kundenwünsche voraussagen, und Fraud-Detection-Modelle, die Betrugsversuche in Echtzeit aufspüren.

„Auch Maschinenwartung durch Predictive Analytics ist ein Feld, auf dem mit Big Data große Effizienzverbesserungen möglich sind“, sagt Peter Wöhrer, Leiter Business Services bei Kapsch BusinessCom. Für einen Industrie-Kunden hat Kapsch BusinessCom daher unlängst ein Maintenance-System eingeführt, bei dem eine Anlage optimiert wurde. Führten früher Ausfälle immer wieder zu Produktionsstillständen und machten teure Reparaturen notwendig, so erkennen nun Vibrationssensoren im Voraus Muster, bei denen es zu Ausfällen kommt und geben so dem Unternehmen die Möglichkeit, rechtzeitig zu reagieren.

Checkout individuell optimiert

Vorhandene Tools an konkrete Gegebenheiten anzupassen ist nicht nur in der klassischen Produktion, sondern auch in der digitalen Welt eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg. Auch Anbieter von Zahlungslösungen für Online-Shops wie Klarna arbeiten daran, ihre Prozesse zu optimieren und für jede Branche, jeden Händler so zu gestalten, das möglichst hohe Conversionrates erzielt werden. Besonders im Fokus dabei: mobile Endgeräte. Denn: „Die Mehrheit der User zahlt bereits mobil, zugleich muss gerade auf mobilen Geräten der Bezahlvorgang besonders einfach gestaltet sein, damit es zu keinen Abbrüchen kommt“, erklärt Christian Renk, Geschäftsführer der Klarna Austria GmbH. Und so bietet Klarna unter anderem ein besonders einfaches Nutzungserlebnis beim Bezahlen. Endkunden, die einmal mit Klarna bezahlt haben, egal in welchem Online-Shop mit Klarna-Checkout, werden über einen Cookie automatisch wiedererkannt. Dadurch entfällt mühsames Ausfüllen von Formularen und mehrfaches Eingeben sensibler Daten. Der Klarna-Checkout wird von Klarna gehostet und die Zahlungsarten werden anhand von Präferenzen und Verfügbarkeit für den Endkunden angezeigt. Die Wahrscheinlichkeit eines Kaufabschlusses steigt dadurch und der Shop profitiert direkt durch höhere Conversionrates.

VoIP für die Finanzwelt

Ebenfalls aus der Finanzbranche kommt ein Projekt, den der Telekommunikations-Dienstleister atms in diesem Jahr für die infoscore austria GmbH, die österreichische Vertretung von Arvato Financial Solution, umgesetzt hat. Arvato bietet Outsourcing-Dienstleistungen rund um den Zahlungsfluss an: vom Risikomanagement über Rechnungsstellung, Debitorenmanagement, Verkauf von Forderungen bis zum Inkasso. Mithilfe von atms wollte das Unternehmen nach den Dialouts auch die Outbound Calls nach Österreich und in die Schweiz zuverlässig und kostengünstig terminieren.

Dabei waren einige spezielle Anforderungen zu erfüllen: Etwa unterschiedliche Hotline-Rufnummern auf dem Display, um Rückrufe zu ermöglichen, oder eine nach Service-Hotlines aufgegliederte Monatsrechnung, die eine transparente Weiterverrechnung an die jeweiligen Auftraggeber sicherstellt. Um das Projekt über das atms VoIP-Netz zu ermöglichen, stellte atms einen SIP Business Trunk mit ausreichend Kapazität zur Verfügung und nach einigen Nachjustierungen konnte das Projekt innerhalb kürzester Zeit finalisiert werden. „Nach erfolgreicher Abnahme durch infoscore konnte der Go-Live bereits Anfang 2017 nur wenige Wochen nach Projektstart erfolgen, in der ersten Phase gestützt durch intensives Monitoring seitens atms“, zeigt sich Markus Buchner, Geschäftsführer von atms zufrieden.