Nutzfahrzeuge

Die Details zu den Plänen für MAN und Scania

Die Spekulationen im Vorfeld haben sich bestätigt: Volkswagen baut sein Geschäft mit Lastwagen und Bussen zu einer eigenen Aktiengesellschaft um und bringt diese an die Börse. Hier die Eckdaten, was VW weiter plant.

Pläne für einen Börsengang und nun ein neuer Partner in Japan: Volkswagen will mit seiner Nutzfahrzeugsparte künftig ein großes Rad drehen. Dazu vereinbarte die Lkw-Tochter mit dem japanischen Hersteller Hino Motors, der mehrheitlich Toyota gehört, eine langfristige strategische Partnerschaft.

"Die Zusammenarbeit mit Hino Motors wird auch zu unserer Strategie beitragen, Global Champion der Transportbranche zu werden," gab sich VW-Truck-Chef Andreas Renschler am Donnerstag in Tokio ehrgeizig. Der fürs erste Quartal 2019 geplante Börsengang soll laut Insidern genug Geld für weitere Beteiligungen in die Kasse bringen. Kenner erwarten zudem, dass Renschler den neuen Truck-Riesen, der intern als Dax-Kandidat gesehen wird, auch künftig führt.

Kooperation mit dem Erzrivalen Toyota

Bei der VW-Aufsichtsratssitzung, die am späten Donnerstagnachmittag in Wolfsburg begann, wollen die Kontrolleure den offiziellen Startschuss für den Börsengang der Nutzfahrzeugsparte geben. Die VW Truck & Bus GmbH soll dazu in eine kapitalmarktfähige AG umgewandelt werden. Eigentlich war die AR-Sitzung für Freitag geplant.

Weil aber Anfang der Woche überstürzt bekannt wurde, dass VW-Chef Matthias Müller von Vorstandsmitglied Herbert Diess abgelöst werden soll, wurde das Treffen vorgezogen. Nach dem formellen Startschuss kann es auf dem Weg an die Börse Schlag auf Schlag gehen. Intern formuliert die Nutzfahrzeugsparte Insidern zufolge schon seit geraumer Zeit hochfliegende Pläne: Der milliardenschwere Börsengang könnte einer der größten in Deutschland werden.

Ehemaliger Daimler-Manager soll bei LKW Daimler Konkurrenz machen

Auch bezogen auf das Geschäft plant Volkswagen, selbst größter Fahrzeugbauer der Welt, in großen Dimensionen. Der neue Nutzfahrzeugkonzern soll weltweit führend werden und Branchenschwergewichten wie Daimler das Wasser reichen beziehungsweise abgraben können. Truck-Chef Renschler arbeitete vor seinem Wechsel nach Wolfsburg lange Jahre bei dem Stuttgarter Rivalen. Im Februar 2015 kam er bei VW als Truck-Chef an Bord - ausgestattet mit einem Fünf-Jahres-Vertrag. In der Vergangenheit betonte der Manager, dass er versprochen habe, diesen Vertrag zu erfüllen. Renschler, der Ende März 60 Jahre alt geworden ist, ließ aber auch durchblicken, dass er sich danach auch Anderes vorstellen könne; seine Entscheidung hänge ab von seiner Gesundheit und der Lust, noch operativ zu arbeiten oder nicht.

Übernahme von Navistar in den USA

Den Weg an die Weltspitze bereitet die VW-Sparte unter seiner Ägide seit langem vor. Dazu wurde das früher auf Europa konzentrierte Lkw- und Busgeschäft in der Vergangenheit Schritt für Schritt internationaler. Zu den Töchtern MAN und Scania kam das Nutzfahrzeuggeschäft in Brasilien dazu.

Vor rund eineinhalb Jahren stiegen die Deutschen beim amerikanischen Truck-Hersteller Navistar ein. Eine Aufstockung des Anteils und auch eine künftige Fusion mit dem kleinsten US-Lkw-Bauer schließt VW nicht aus. Zu den Zulieferern von Navistar zählt übrigens die Salzburger Aluminium Gruppe. Mehr dazu hier: Salzburger Aluminium Gruppe übernimmt drei Standorte in Mexiko >>

Zudem ist die Nutzfahrzeugsparte über MAN am chinesischen Hersteller Sinotruk beteiligt; auch hier war in der Vergangenheit des öfteren von einem Ausbau der Partnerschaft die Rede.

Insider: Eigenständiger Lastwagenbauer agiert schneller

Schritte in diese Richtung seien erst nach dem Börsengang geplant, sagte ein Insider. Ein selbstständiger Truck-Konzern könne freier und schneller agieren als eine Konzerntochter. Der Fokus liege dabei auf dem Lkw-Sektor, sagte der Insider. Das Busgeschäft, lange Sorgenkind und inzwischen saniert, mache auch in der bestehenden Form Freude. In einem neuen Truck-Konzern sei es ebenso fester Bestandteil wie die breite Angebotspalette an kleinen, mittleren und großen Lkw und Spezialfahrzeugen. Kleine Nutzfahrzeuge wie Kastenwagen zählen indes zum VW-Pkw-Geschäft.

Weitere Details zur Kooperation mit Hino / Toyota

Zur Kooperation mit Hino sagte Renschler weiter, die beiden Unternehmen ergänzten sich bei regionaler Aufstellung, Produkten und Ideen für die Zukunft des Transports. Hino Motors verkauft rund 70 Prozent seiner Lkw in Japan und den Rest in Asien, wo der Hersteller zu den Marktführern zählt. Wachstumschancen sehen die Japaner vor allem in Afrika und Nordamerika. Die beiden Partner loten nun mögliche Felder der Kooperation aus: Einkauf, Forschung und Technologie für Antriebe oder autonomes Fahren.

"Wir können unsere Kräfte bündeln und unser Geld für Forschung und Entwicklung nur einmal statt zweimal oder dreimal ausgeben", sagte Renschler. Gemeinsam lasse sich Geld sparen, Produkte könnten schneller auf den Markt gebracht werden. Mehr verkaufen und weniger ausgeben ist gut für die Rendite. Auch auf diesem Feld will die VW-Trucksparte an die Weltspitze. (reuters/apa/red)

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