Russlandkrise

Deutscher Maschinenbau verliert in Russland deutlich an Boden

Die Russlandkrise macht dem deutschen Maschinenbau immer stärker zu schaffen. Im ersten Quartal sanken die Maschinenexporte nach Russland um gut 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, so der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Maschinenbau Russland VDMA ThyssenKrupp DMG Gea

"Der Abwärtstrend bei den Maschinenbauexporten hat sich zu Beginn dieses Jahres noch beschleunigt", erklärte VDMA-Präsident Reinhold Festge. Er geht davon aus, dass die Exporte nach Russland in den kommenden Monaten weiter stark zurückgehen werden.

Russland befindet sich inzwischen nur noch auf Platz zehn der wichtigsten Abnehmerländer für den deutschen Maschinenbau, 2013 war das Land noch der viertgrößte Absatzmarkt. Für dieses Jahr rechnet der VDMA mit einem Rückgang der Maschinenexporte um ein Viertel bis ein Drittel - 2014 war es ein Minus von 17 Prozent. Ein Grund für die Entwicklung ist der Kursverfall der Landeswährung Rubel. "Viele unserer Kunden sind momentan nicht in der Lage, die Importe aus Deutschland zu finanzieren und zu bezahlen", sagte Festge nach der Rückkehr von Gesprächen aus Moskau. Auch die hiesigen Firmen hätten zunehmend Schwierigkeiten, eine Finanzierung für den Export nach Russland zu bekommen, da westliche Banken bei Russlandgeschäften sehr zögerlich geworden seien. "Der Mangel an Finanzierungen ist zur Zeit das größte Hemmnis", erklärte Ulrich Ackermann, Leiter VDMA Außenwirtschaft.

Bei den Unternehmen der Branche, zu der neben zahlreichen Mittelständlern börsennotierte Konzerne wie Thyssenkrupp , DMG Mori Seiki und Gea gehören, wachse zudem die Sorge vor der Konkurrenz aus China. Ein Drittel glaubt, wegen der Krise und der Sanktionen gegen Russland weitere Kunden oder Aufträge an chinesische Wettbewerber verloren zu haben, wie eine Umfrage des Verbandes ergab. Gleichwohl wollten die deutschen Maschinenbauer das Land nicht aufgeben. Nur zwei Prozent der Firmen wollten sich aus dem russischen Markt zurückziehen. 43 Prozent der Befragten hätten dagegen noch keine besonderen Maßnahmen getroffen, um der Krise entgegen zu wirken. Gleichzeitig gäben fast 30 Prozent der Unternehmen Preisnachlässe, ein Fünftel baue Personal in Russland ab oder lege Projekte dort auf Eis. (apa/Reuters)

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