Industriekonjunktur

Deutsche Industrieproduktion weiter gesunken

Das deutsche Wirtschaftsministerium meldet den stärksten Rückgang des Produktionssektors seit sechs Monaten. Bei der Produktion von Investitionsgütern gibt es den stärksten Einbruch seit dem Jahr 2015.

Der stärkste Produktionseinbruch seit einem halben Jahr schürt wieder Rezessionsängste in Deutschland. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen um 1,7 Prozent weniger her als im Vormonat, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Ökonomen hatten hingegen mit einem Wachstum von 0,1 Prozent gerechnet, nach einem Rückgang von 0,6 Prozent im September.

"Die Konjunkturschwäche in der Industrie hält an", betonte das Ministerium. Besonders deutlich wird das bei den Herstellern von Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen. Deren Produktion brach mit 4,4 Prozent so stark ein wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr.

"Nach der Stabilisierung wieder eine echte Schockzahl"

"Das macht einem fast schon Angst", betonte der Chefvolkswirt der in Liechtenstein ansässigen VP Bank, Thomas Gitzel. "Das Zahlenwerk zeigt, dass eine Rezession noch nicht abgehakt ist." Andere Experten sehen das ähnlich. "Nach den letzten Konjunkturdaten, die alles in allem eine gewisse Stabilisierung angedeutet haben, ist das nun wieder eine echte Schockzahl", führte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der LBBW aus. "Jetzt geht wieder das Zittern um das Wachstum im Schlussquartal los. Im Moment wären wir wohl noch gut bedient, wenn die Wirtschaftsleistung nur stagniert und nicht rückläufig ist."

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Mit einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent im dritten Quartal ist Europas größte Volkswirtschaft gerade noch einer Rezession entronnen. Besonders kauffreudige Verbraucher und steigende Exporte sorgten dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nicht erneut schrumpfte, nachdem es im Frühjahr ein Minus von 0,2 Prozent gegeben hatte. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge wird von Rezession gesprochen.

Instabilität am Weltmarkt nimmt zu

In der exportabhängigen Industrie allein wurde die Erzeugung im Oktober um 1,7 Prozent heruntergefahren. Sie wird von der schwachen Weltkonjunktur, Handelskonflikten und Unsicherheiten rund um den Brexit belastet, hinzu kommen hausgemachte Probleme der Autobranche. Die Industrie steckt daher in der Rezession fest. Die Energieerzeugung legte hingegen im Oktober um 2,3 Prozent zu. Die Bauproduktion wurde um 2,8 Prozent gedrosselt.

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Die Gefahr ist nun, dass die Industriekrise stärker auf andere Bereiche der Wirtschaft durchschlägt. "Die schwachen Produktionsdaten verheißen leider auch für den Arbeitsmarkt nichts Gutes", erklärte Ökonom Gitzel. "Die Kurzarbeit steigt bereits merklich an." Die Autobauer Audi und Daimler haben sogar die Streichung von insgesamt etwa 20.000 Stellen in den kommenden Jahren angekündigt. Auch bei vielen Zulieferern fallen Arbeitsplätze weg - durch den Wandel zu Elektroautos und die sinkende Nachfrage nach Fahrzeugen mit Dieselmotoren.

Eine Trendwende am Arbeitsmarkt könnte dazu führen, dass die Verbraucher vorsichtiger werden und insbesondere vor größeren Anschaffungen zurückschrecken. Das wiederum würde den Konsum dämpfen, der sich in den vergangenen Jahren als zuverlässige Stütze der Konjunktur erwies. (reuters/apa/red)

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