Bahnlogistik

Deutsche Bahn will zahllose Lokomotiven der DB Cargo auslagern

Trotz milliardenschwerer Staatshilfen reicht der Deutschen Bahn das Geld nicht, vor allem bei der DB Cargo. Jetzt sollen Lokomotiven und Waggons in eine Verleihfirma ausgelagert werden. DB Cargo transportiert im nächsten Jahr noch weniger als erwartet.

Trotz milliardenschwerer Staatshilfen im Zuge des Klimapakets wird sich die Lage bei der Deutschen Bahn in den nächsten Jahren internen Papieren zufolge zuspitzen. Die Gewinnplanung bis 2024 wurde gegenüber dem vergangenen Jahr um mehrere Milliarden Euro gestutzt, wie die Unterlagen zeigen, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlagen.

Bahnchef Lutz schlägt massenhaften Verkauf von Loks der DB Cargo vor

Die Umsätze werden demnach nur leicht um jährlich durchschnittlich etwa drei Prozent steigen und 2023 unter bisherigen Planungen liegen. Um den Absturz in rote Zahlen zu verhindern, schlägt Bahnchef Richard Lutz den massenhaften Verkauf von Loks und Waggons der Güterbahn DB Cargo vor. Im ersten Schritt sollen 150 Loks und 5.000 Waggons in eine neue Firma geschoben und an einen Investor verkauft werden. Davon erhofft sich der Konzern Erlöse von einer Milliarde Euro. Dafür müssen dann Loks und Waggons zurückgemietet werden.

Der Steuerzahler stützt die Bahn bereits über eine jährliche Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro bis 2030 massiv. Zudem sollen bis 2030 fast 90 Milliarden Euro zur Sanierung des Schienennetzes aufgewendet werden, von dem der Bund den Großteil bezahlt. Zudem senkt der Bund die Umsatzsteuer auf Fernbahntickets, so dass diese zehn Prozent billiger werden. Die zusätzlichen Passagiere erhöhen Umsatz und Gewinn des Konzerns.

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Die Bahn argumentiert, die geplanten zusätzlichen Investitionen in Züge, Waggons und Pünktlichkeit würden den Gewinn drücken. Allerdings wirken sich hier nur die Abschreibungen aus, die zunächst relativ gering sind. Der Konzern erwartet aber schon im kommenden Jahr nur noch um die 1,3 Milliarden Euro Gewinn, wovon nach Zinszahlungen und Steuern kaum etwa übrig bleiben dürfte.

Güterbahn seit Jahren in der Krise

Um den Absturz in rote Zahlen zu verhindern, erwägt die Bahn nun, sich von ihrem Bestand an Loks und Waggons bei der Güterbahn zu trennen, die seit Jahren in der Krise ist. Dabei geht es nicht nur um die Erlöse durch den Verkauf der Gesellschaft, die dann Loks und Waggons vermieten soll. Ab 2029 will DB Cargo dann seinen kompletten Bedarf aus der Gesellschaft decken.

Vor allem will die Bahn mit der Auslagerung ihres Lok- und Waggonparks verhindern, dass Abschreibungen - also der Wertverlust des Materials - weiter im Konzern zu Buche schlagen. Denn dann müsste die Güterbahn DB Cargo - so geht aus den Unterlagen hervor - eine milliardenschwere Sonderabschreibung auf den Firmenwert vornehmen, die den gesamten Konzern in die roten Zahlen drücken könnte. Dies war bereits 2015 der Fall.

Lage von DB Cargo dramatisch verschlechtert

Hintergrund ist, dass trotz aller Sanierungsversuche sich die Lage von DB Cargo dramatisch verschlechtert hat. Die Güterbahn erwartet den Unterlagen zufolge nun europaweit erst 2023 wieder schwarze Zahlen, zwei Jahre später als bisher geplant. In Deutschland soll es sogar erst 2024 wieder Gewinn geben.

Für die deutsche Bundesregierung, die aus Klimagründen mehr Verkehr auf der Schiene sehen will, sind aber besonders die Zahlen zur Verkehrsleistung bedenklich. Diese Zahlen wurden gegenüber der bereits zusammengestrichenen Planung von 2018 weiter gekürzt: Mit 63 Milliarden Tonnenkilometern sollen nun im kommenden Jahr zehn Milliarden weniger gefahren werden. Der Marktanteil des einstigen Monopolisten ist inzwischen auf weniger als 50 Prozent gesunken.

Die Planungen sollen in einer Sondersitzung des Aufsichtsrats zur Mittelfriststrategie Anfang 2020 beraten werden. Dann ist auch die neue Güterbahn-Chefin Sigrid Nikutta im Amt. Diese sagte dem Magazin "Focus": "Ausschließlich auf schwarze Zahlen zu achten, wird dazu führen, dass ich garantiert nicht mehr Verkehr auf die Schiene bringe." DB Cargo müsse aber auch seine unternehmerischen Hausaufgaben machen. (reuters/apa/red)

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