Autoindustrie

Deutsche Autobauer: Engpässe bei Mikrochips werden zum Problem

Für die Autoindustrie in Deutschland haben die Engpässe bei Mikrochips zunehmend Auswirkungen auf die Produktion. Besonders Volkswagen und Daimler sind betroffen. Wirtschaftsminister Altmaier wendet sich nun an die Regierung von Taiwan. VW will seine Lieferketten überprüfen.

Angesichts akuter Lieferengpässe bei Computerchips für die Automobilindustrie bittet die deutsche Regierung Taiwan um Hilfe. Wirtschaftsminister Peter Altmaier betonte in einem Brief an seine Kollegin Wang Mei-hua die Bedeutung des taiwanesischen Halbleiterherstellers TSMC als zentralen Lieferanten der deutschen Autobauer. Diese sprächen bereits mit TSMC, um eine Lösung zu finden.

Ziel sei es, kurz- und mittelfristig zusätzliche Kapazitäten und Lieferungen an Halbleitern zu ermöglichen, heißt es in dem Brief. "Ich würde mich freuen, wenn Sie sich dieses Anliegens annehmen und gegenüber TSMC die hohe Bedeutung zusätzlicher Kapazitäten an Halbleitern für die deutsche Automobilindustrie unterstreichen könnten", schreibt Altmaier. Die Engpässe bei Computerchips machen der deutschen Autobranche zusehends zu schaffen. Immer mehr Autobauer müssen deshalb die Produktionsbänder anhalten und tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken: Vor allem Daimler und Volkswagen sind betroffen.

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Angesichts der in vielen Staaten aufgetretenen Lieferengpässe bei Computerchips erklärte Taiwan, es habe die im Land ansässigen Technologiefirmen um "volle Unterstützung" gebeten. TSMC erklärte, das Unternehmen arbeite eng mit Kunden in der Autoindustrie zusammen, um Lieferprobleme zu lösen. Dies habe "oberste Priorität".

Volkswagen will seine Lieferketten überprüfen

Für Volkswagen hat laut einem Statement des Konzerns ebenfalls oberste Priorität, die Auswirkungen des Halbleiter-Engpasses auf die Produktion zu minimieren. "Das geschieht in enger und partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit unseren Zulieferern." Zur Aufarbeitung der gegenwärtigen Situation werde es aber auch gehören, "Ansprüche im Austausch mit den Zulieferern" zu prüfen.

Laut der Branchenzeitung "Automobilwoche" erstreckt sich die Prüfung auf Schadenersatzansprüche gegen die Zulieferer Bosch und Continental, die wiederum auf Zulieferungen aus Asien angewiesen sind. VW spreche inzwischen auch mit möglichen Alternativlieferanten, um den Chip-Mangel zu beseitigen. An den entstehenden Mehrkosten wolle Volkswagen Bosch und Continental beteiligen.

Continental lehnte eine Stellungnahme ab. Bosch erklärte, der Fokus liege derzeit darauf, die Lieferketten trotz angespannter Lage am Markt möglichst aufrechtzuerhalten: "Alle darüber hinausgehenden Aspekte des Engpasses bei Halbleitern werden wir zu gegebener Zeit mit unseren Kunden und Zulieferern direkt besprechen."

Berlin: Wir müssen Kapazitäten in Europa ausbauen

Eine Sprecherin des deutschen Wirtschaftsministeriums in Berlin betonte, mittelfristig sei es "wichtig und entscheidend", die Kapazitäten in Deutschland und Europa auszubauen. Das Ministerium setzt sich daher für den Ausbau der Förderung im Bereich der mikroelektronischen Kommunikationstechnologien und damit für eine Stärkung der "digitalen Souveränität" und den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft ein.

Grund für die Chip-Flaute ist - neben den Folgen der Pandemie - auch der vom scheidenden US-Präsidenten Donald Trump entfachte Handelskrieg mit China. Dadurch sind die ohnehin an der Kapazitätsgrenze arbeitenden chinesischen Halbleiterhersteller zusätzlich in Bedrängnis geraten.

Aus VW-Konzernkreisen verlautete, aufgrund schwankender Prognosen für die Automärkte hätten die Produzenten von Halbleitern trotz des hohen Abrufs seitens der Autoindustrie offensichtlich ihre Produktion auf andere "Abnehmerbranchen mit großen Wachstumsraten" umgestellt, wie zum Beispiel die Unterhaltungselektronik. Experten gehen deshalb davon aus, dass der Mangel an Halbleitern für die Automobilindustrie bis zu sechs Monate anhalten wird. (reuters/apa/red)