Stahlindustrie

Deutliches Minus bei der Voest - und erste Signale einer Entspannung

Der oberösterreichische Stahlriese meldet deutliche Verluste für das erste Halbjahr: Die Krise hat die schon vorher vorhandenen Rückgänge bei der Nachfrage nochmals verstärkt. Doch es gebe wieder Signale einer Entspannung, hieß es. Auch den kleineren Hochofen in Linz hat die Voest wieder hochgefahren.

Der oberösterreichische Stahlkonzern Voestalpine hatte schon vor der Coronakrise mit Verlusten zu kämpfen. Die Pandemie versetzte ihm dann noch einen zusätzlichen Dämpfer. Unter dem Strich steht im ersten Geschäftshalbjahr 2020/21 ein Nettoverlust von 276 Mio. Euro, wie das Unternehmen bekanntgab. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres war noch ein Gewinn von 115 Mio. Euro erzielt worden.

Schon vor der Covid-19-Pandemie setzten dem Unternehmen die nachlassende Konjunktur, US-Strafzölle auf Stahlprodukte, eine Kostenexplosion im Roheisenwerk in Texas und überbordende Anlaufkosten im amerikanischen Automotive-Werk in Cartersville (Georgia) zu.

Um über sechs Prozent weniger Mitarbeiter

Dann kam auch noch Corona. Die Umsätze sanken heuer zwischen April und September um 21,9 Prozent auf 5,1 Mrd. Euro. Das war den Angaben zufolge auf geringere Auslieferungsmengen und gesunkene Preise zurückzuführen. Der Personalstand wurde um 6,5 Prozent auf weltweit 47.917 Mitarbeiter spürbar zusammengestrichen. Im Oktober waren in Österreich rund 2.500 und in Deutschland rund 1.200 Beschäftigte des Konzerns in Kurzarbeit bzw. international weitere 1.800 in kurzarbeitsähnlichen Modellen - insbesondere in Brasilien, Schweden, Südafrika, Frankreich und Großbritannien. Aktuell dazu: Hintergründe zur Voest: Kürzungen - Buderus - Edelstahlwerk Kapfenberg >>

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Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verschlechterte sich gegenüber der Vorjahresperiode deutlich von 666 Mio. auf 395 Mio. Euro. Die EBITDA-Marge reduzierte sich dementsprechend von 10,2 Prozent im Vorjahr auf aktuell 7,7 Prozent. Das operative Ergebnis (EBIT) drehte von plus 230 Mio. Euro auf minus 215 Mio. Euro in den negativen Bereich. Grund dafür seien neben der rein operativen Entwicklung vor allem Sonderabschreibungen bei Voestalpine Texas und Voestalpine Tubulars (rund 200 Mio. Euro) infolge globaler Marktveränderungen verschärft durch die Covid-19-Pandemie.

Signale der Entspannung - Hochofen in Linz wieder hochgefahren

Es gibt den Angaben zufolge aber erste Signale der Entspannung. Das erste Quartal 2020/21 sei noch von einem massiven Nachfrageeinbruch in beinahe allen Kundensegmenten und Regionen geprägt gewesen, doch im zweiten Quartal sei es zu einer spürbaren Erholung in wesentlichen Branchen gekommen.

Insbesondere die europäische und amerikanische Automobil-, aber auch die Konsumgüter- und Bauindustrie hätten nach den Lockdown-Maßnahmen im Frühjahr rasch wieder an Dynamik gewonnen. Im September fuhr die Voest angesichts wachsender Nachfrage nach hochqualitativen Stahlprodukten den vorübergehend stillgelegten kleinen Hochofen in Linz wieder hoch. Details: Nachfrage steigt: Voestalpine fährt Hochofen in Linz wieder hoch >>

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Die Werke in China hätten bereits im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (per Ende März 2021) wieder eine Produktionsauslastung auf Vorkrisenniveau erreicht. Unverändert schwierig sei jedoch die Situation in den Segmenten Luftfahrt sowie Öl und Gas, die besonders hart von den Folgen der Pandemie betroffen seien. Weiterhin stabil zeigen sich die Teilbereiche Bahninfrastruktur und Lagersysteme.

Auf Basis intensiver Kosten- und Ergebnisoptimierungsmaßnahmen sowie geringerer Investitionen von 245 Mio. Euro habe die Voestalpine im ersten Halbjahr einen deutlich gestiegenen operativen Cashflow von 563 Mio. Euro und einen Free Cashflow von 281 Mio. Euro erzielt, teilte der Konzern weiters mit.

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Konzernchef Eibensteiner: Folgen des zweiten Lockdowns abwarten

Die Verschuldungskennzahl Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital) verbesserte sich per Ende September im Jahresabstand von 75,1 Prozent auf 66,2 Prozent. Das Eigenkapital, das neben der operativen Entwicklung auch durch die Sonderabschreibungen belastet wurde, sei von 6 auf 5,3 Mrd. Euro gesunken. Die Nettofinanzverschuldung sei zugleich dank guter Cashflow-Entwicklung von 4,5 auf 3,5 Mrd. Euro verringert worden.

"Das deutlich positive operative Ergebnis EBITDA und die Steigerung des Cashflows zeigen, dass unsere konsequenten Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramme gegriffen haben", meinte Konzernchef Herbert Eibensteiner. Gleichzeitig spiegle dieses Ergebnis "die Erholung der Nachfrage in wesentlichen Kundensegmenten im Laufe des zweiten Quartals" wider. "Trotz positiver Marktsignale bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die neuerlichen Lockdown-Maßnahmen in Europa auf die Wirtschaft auswirken werden."

Voest: Nachfrageerholung wird weiter anhalten

Mit Ausnahme des Öl- und Gasbereichs sowie der Luftfahrtindustrie sollte sich der positive Nachfragetrend nach Produkten des Voestalpine-Konzerns in allen wesentlichen Marktsegmenten auch im zweiten Halbjahr 2020/21 fortsetzen, so die Einschätzung des Managements. "Deshalb erwartet der Vorstand aktuell unter der Annahme keiner neuerlichen wesentlichen wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Covid-19-Pandemie wie beispielsweise behördlich verordnete Maßnahmen in diesem Zusammenhang für das gesamte Geschäftsjahr 2020/21 ein EBITDA in einer Bandbreite von 800 Mio. bis 1 Mrd. Euro", so der CEO.

Die Prognose wurde bereits gegen Ende Oktober auf diese Bandbreite leicht angehoben. Als Grund führte der Vorstand "Verbesserungen im gesamtwirtschaftlichen Umfeld" an. Bei der jüngsten Bilanzpräsentation im Juni war der Konzern noch von 600 Mio. Euro als Untergrenze ausgegangen. (APA/red)