Brexit

Der Brexit trifft Österreichs Industrie überdurchschnittlich stark

Der Austritt Großbritanniens aus der EU bringt gerade jenen Branchen hohe Kosten, die in Österreich besonders stark vertreten sind - der Maschinenbau, die Autoindustrie und ihre Zulieferer sowie der Flugzeugbau und die Raumfahrt.

Auf Unternehmen in der EU und im Vereinten Königreich (UK) kommen im Falle eines harten Brexit hohe Kosten zu. Eine neue Berechnung der Beratungsfirma Oliver Wyman geht bei den direkten Kosten für Unternehmen auf beiden Seiten des Ärmelkanals von rund 69 Milliarden Euro aus.

Dabei sollen 37 Milliarden Euro auf die verbleibenden Mitglieder der EU entfallen und 32 Milliarden Euro auf Firmen in Großbritannien.

Kosten für deutsche Frmen am höchsten

Die Kosten verteilen sich auf verschiedene Industrien, ganz vorne mit dabei ist die Automobilindustrie. Am stärksten betroffen wären demnach in Europa die Unternehmen in Deutschland. Auf sie kommt laut einem neuen Oliver Wyman-Report mit 9 Mrd. Euro an jährlichen Kosten ein Viertel der gesamten auf die EU27 entfallenden Kosten zu.

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Für andere EU-Länder gibt es noch keine konkreten Zahlen. Im Vereinten Königreich würde der größte Teil - etwa ein Drittel von 32 Mrd. Euro - auf die Finanzdienstleistungsindustrie fallen.

Diese Branchen in Österreich besonders stark betroffen

In Österreich wäre vor allem der Maschinenbau, die Automobilindustrie sowie die Luft- und Raumfahrtindustrie sehr stark betroffen, sagte Finja Carolin Kütz, bei Oliver Wyman Leiterin des Geschäftes in Deutschland und Österreich, im Gespräch mit der APA. Gerade diese Industriezweige würden in ihren Lieferketten häufig Waren über den Kanal hin- und herschicken.

Lieferketten anpassen, sagen Berater

"Was auf der einen Seite große Kosten bedeutet, ist aber auch eine Herausforderung, die Unternehmen lösen können, indem sie ihre Lieferketten anpassen und stärker auf Lieferanten innerhalb der EU setzen", so Kütz.

Die Beratungsgesellschaft hat den Report gemeinsam mit der Wirtschaftskanzlei Clifford Chance erstellt. Dabei wurden speziell zwei Punkte angesehen, nämlich Zölle und nicht-tarifäre - in der Regel regulatorische - Handelshemmnisse. Änderungen im volkswirtschaftlichen Klima oder der Währungen wurden nicht berücksichtigt.

"Was die Zölle angeht, können Unternehmen relativ wenig tun, aber bei den Nicht-Zoll-Barrieren können sie schon das eine oder andere machen, indem sie sich darauf vorbereiten und zum Beispiel eine vernünftige IT-Infrastruktur haben", sagte Kütz. Im Moment sei das aber nicht der Fall.

Konzerne bei den Vorbereitungen gegenüber KMU klar im Vorteil

Unterschiede zeigen sich laut Kütz, was die Vorbereitung der Unternehmen auf den Brexit betrifft. Große Unternehmen würden sich schon Gedanken machen, kleinere seien dagegen überhaupt noch nicht darauf eingestellt, den auf sie zukommenden Grenzverkehr zu managen. Für diese Firmen wäre das jetzt ein grundsätzlicherer Schritt, was komplett Neues.

"Für große Unternehmen stellt sich - wenn sie kleine Firmen in der Lieferkette haben - die Frage, ob die Industrieverbände sicherstellen werden, dass kleine Zulieferer weiterhin liefern können. Oder ob sie selbst die Initiative ergreifen und ihre Zulieferer bei den aufkommenden regulatorischen Hürden unterstützen sollten", so Kütz.

Kütz rät den betroffenen Unternehmen, alle Lieferanten- und Absatzbeziehungen durchzugehen und zu fragen, wo es zu einem Grenzübertritt kommt, welcher der Sublieferanten davon betroffen ist, welche Regularien dabei relevant sind, was es kostet und wie sie sich operativ darauf vorbereiten können. Unter Umständen müsste die Lieferkette angepasst werden, um Risiken zu minimieren.

"Oft sind es relativ kleine Unterbrechungen in der Lieferkette, die Unternehmen in der Fertigung ihres Produktes oder ihrer Dienstleistung komplett aus der Bahn werfen können", so Kütz, und erinnert an den Atomunfall in Fukushima. Damals seien viele Industrien ganz nervös geworden, weil viele Halbleiterprodukte in Japan hergestellt wurden. Diese Anpassungen der Lieferkette müssten jetzt gemacht werden, "um nicht ein böses Erwachen zu haben", so Kütz.  (apa/red)

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