Tata Steel geht

David Cameron gegen eine Verstaatlichung der Tata-Stahlwerke

Nach dem angekündigten Rückzug von Tata Steel gibt es in Großbritannien eine heftige Debatte über die Regierungspolitik zur Krise der Stahlindustrie. Der konservative Regierungschef erteilt einer Verstaatlichung der Werke eine Absage.

Der Rückzug des indischen Stahlkonzerns Tata aus Großbritannien hat auf der Insel eine heftige Debatte über den Umgang mit der Branchenkrise ausgelöst. Eine Verstaatlichung der Werke mit 15.000 Arbeitsplätzen sei nicht die Lösung, sagte Premierminister David Cameron nach einer kürzlich einberufenen Krisensitzung.

Wie hier berichtet hat der indische Konzern Tata Steel vergangene Woche angekündigt, sich vollständig aus Großbritannien zurückziehen zu wollen. Tata Steel ist einer der zehn größten Stahlhersteller der Welt und zumindest heute auch der größte Stahlproduzent in Großbritannien.

Opposition: Konservative "schlafen hinter dem Lenkrad ein"

Damit nahm er Aussagen von Regierungsmitgliedern zurück, die in ersten Reaktionen auf die Pläne von Tata Steel, das Geschäft in Großbritannien nach knapp zehn Jahren wieder abstoßen zu wollen, staatliche Hilfen ins Spiel gebracht hatten. Die Regierung werde zusammen mit Tata alles in ihrer Macht stehende tun, so Cameron. "Aber es ist eine schwierige Situation und es gibt wegen der Probleme der Branche weltweit keine Erfolgsgarantie." Die Opposition warf der konservativen Regierung in London vor, "hinter dem Steuer einzuschlafen".

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Tata hatte seinen Rückzug am Mittwoch mit hohen Fertigungskosten, einem schwachen Markt und zunehmender Billigkonkurrenz aus China begründet. Eine Besserung sei nicht in Sicht. Das größte Tata-Werk in Port Talbot im Süden von Wales macht jeden Tag Verluste in Höhe von umgerechnet 1,2 Mio. Euro. Cameron tue so als habe er die Tata-Entscheidung nicht kommen sehen, sagte Stephen Kinnock, Labour-Politiker und Parlamentsabgeordneter für Süd-Wales bei Sky News. "Da herrscht totale Unordnung."

England stöhnt unter Energiepreisen - die trotz Atomkraft weit höher sind als in Kontinentaleuropa

Neben dem in ganz Europa herrschenden Preisdruck durch chinesische Billigimporte kämpft die Branche in Großbritannien zusätzlich mit hohen Energiekosten und Umweltsteuern. Dennoch hat sich Cameron gegen höhere EU-Zölle für Einfuhren aus China ausgesprochen. Eine Einigung auf EU-Ebene zur Eindämmung der Stahlimporte aus der Volksrepublik steht somit noch aus.

Allerdings könnte die Krise auch den Befürwortern eines britischen Austritts aus der EU in die Hände spielen. Sie machen Brüssel dafür verantwortlich, dass die Regierung in London nicht mehr Maßnahmen zum Schutz der Industrie, die einst das Herz der britischen Wirtschaft war, eingeleitet hat. (APA/Reuters/red)

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