Joint-Venture

Das steckt hinter Semperits Abschied aus Thailand

27 Jahre lang hielt die Partnerschaft, nun hat Semperit das problematische Joint Venture mit dem thailändischen Kautschuk-Produzenten Sri Trang beendet. Was ließ Semperit-Chef Thomas Fahnemann letztendlich resignieren? Der Hintergrund zum jahrelangen Rechtsstreit.

Der Ausstiegs-Deal

Im Gegenzug zur Aufgabe des Werks in Thailand stockt Semperit bei der bisher mit Sri Trang betriebenen Vertriebsgesellschaft in den USA und den zwei Fabriken in China auf 100 Prozent auf. Des Weiteren übernimmt Semperit bisherige Sempermed-Joint Venture-Gesellschaften in Singapur und Brasilien sowie die Mehrheitsbeteiligung an der malaysischen Formtech, einem Produzenten von Keramikformen für die Handschuhproduktion. Eine bestehende Thai-Produktion für Industrieprodukte (Semper ex) will Semperit weiterhin gemeinsam mit Sri Trang betreiben. Auperdem erhält Semperit im Rahmen der Beendigung der Joint Ventures eine einmalige Ausgleichszahlung in Höhe von 157 Millionen Euro vor Steuern. Für 2018 allerdings geht Fahnemann von einem Umsatzrückgang von zehn bis 15 Prozent aus. Sri Trang darf mit dem Closing der Trennung eigene Latex-Handschuhe in Europa verkaufen.

Es ist das älteste Beteiligungsunternehmen eines österreichischen Unternehmens im Fernen Osten. Vor 27 Jahren startete der heimische Gummikonzern Semperit ein 50:50-Joint-Venture mit dem thailändischen Kautschukmulti Sri Trang. Ab Mitte März gehört die Handschuhproduktion mit den Thais der Geschichte an. Siam Sempermed wandert zu 100 Prozent zu den Mehrheitseignern von Sri Trang, der weitverzweigten Familie Sincharoenkul. Semperit zieht damit einen Schlussstrich unter einen jahrelangen Rechtsstreit, der zuletzt nicht so verlaufen ist, wie vom Semperit-Management erhofft.

Stimmungsumschwung

Die Streitigkeiten zwischen Semperit und dem (Ex-)Partner Sri Trang entzündeten sich an mehreren Problemherden. Zum einen begannen die Thais vor drei Jahren, Latexhandschuhe aus der gemeinsamen Produktion, aber unter anderer Marke und auf eigene Rechnung, in Europa zu vertreiben – aus Sicht von Semperit ein klarer Fall von Vertragsbruch: Sri Trang habe den vereinbarten Regionalschutz für europäische Märkte nicht respektiert. Muss es auch nicht, urteilte das österreichische Kartellgericht Ende Juni des Vorjahres. Denn die „exklusive Zuweisung des europäischen Markts für den Vertrieb gemeinsam hergestellter Produkte“ sei nicht haltbar, meinte die österreichische Rechtsprechung. Der zweite Streitpunkt lag aus Sicht von Semperit an der überschaubaren Auskunftsfreudigkeit der Siam-Partner bei der Preisgestaltung ihrer Rohstofflieferungen. Thomas Fahnemann pochte hier auf „Wiederherstellung von Transparenz, Bucheinsicht und Werkszugang“, was von den Thais, die für die Zulieferung und Beschaffung des Kautschuk zuständig waren, als Einmischung in ihre Geschäftsbelange interpretiert wurde. Daraufhin blieben die beiden Sri-Trang-Geschäftsführer über Monate den Sitzungen des vierköpfigen Vorstands fern, der damit nicht beschlussfähig war. Siam Sempermed war in langen Phasen in wichtigen Entscheidungen blockiert.

Ersatz in der Hinterhand

Nach Aussagen von Geschäftspartnern war es der Entscheid des Kartellgerichts, der Thomas Fahnemann resignieren ließ. Die Abgabe der Produktion bei Siam Sempermed in Thailand soll durch ein eben anlaufendes Werk in Malaysia ersetzt werden. Semperit hat 2012 mit Latexx Partners den weltweit sechstgrößten Produzenten von medizinischen Handschuhen gekauft und dort die „größte und modernste Handschuh-Fabrik der Welt“ (O-Ton Fahnemann) hingestellt. Ende des Vorjahres wurden am neuen Standort Kamunting die ersten Handschuhe produziert. Das Loch ist groß, dass es zu füllen gilt. Mit jährlich zwölf bis 13 Milliarden hergestellten Handschuhen war Siam Sempermed die bis dato größte Fabrik in diesem Semperit-Segment. Laut Fahnemann wird Kamunting diese Größenordnung erst Ende 2018 erreichen.